In einer Mietwohnung im Stuttgarter Osten ist am Freitag die Leiche einer 25-Jährigen gefunden worden – sie wurde Opfer eines Gewaltverbrechens. Die Soko Chalet der Stuttgarter Kripo ist nun in ihrem Bekanntenkreis fündig geworden.
Der mutmaßliche Mord an einer 25-jährigen Mieterin im Stuttgarter Osten ist nach nur wenigen Tagen offenbar geklärt. Wie die Polizei am Montagnachmittag mitteilte, ist ein Tatverdächtiger ermittelt worden, der für den Tod der jungen Frau am Freitag in der Landhausstraße nahe der Sankt-Nikolaus-Kirche verantwortlich sein soll. „Wir haben in die Ermittlungen natürlich auch das nähere Umfeld des Opfers eingeschlossen“, sagt der Stuttgarter Polizeisprecher Timo Brenner. Der 34-jährige Verdächtige zählt zu ihrem erweiterten Bekanntenkreis. Am Montag erging Haftbefehl.
Doch auch noch am Montag haben die Kriminaltechniker der Spurensicherung in der Wohnung des Mordopfers reichlich zu tun. Es gilt, DNA-Spuren zu sichern, objektive Beweise einer Bluttat. Der Zugang ins Wohnhaus im Stuttgarter Osten befindet sich auf der Rückseite des verschachtelten Gebäudekomplexes und ist von der Straße her nicht einsehbar. Welchem Zeugen hätte hier Verdächtiges auffallen können, als am vergangenen Freitag eine 25-jährige Frau in ihrer Wohnung umgebracht wurde? Oder kannte die Frau ihren Mörder?
Am späten Abend die schreckliche Gewissheit
Nach Ansicht der Sonderkommission Chalet der Stuttgarter Kripo dürfte genau das der Fall gewesen sein. Seit Freitagmorgen war die 25-Jährige, die sich nach übereinstimmenden Berichten aufs Lehramt vorbereitete, vermisst worden. „Angehörige hatten sie den ganzen Tag über nicht erreicht“, sagt Polizeisprecher Brenner. Am späten Freitagabend hatte die Feuerwehr die Wohnungstür geöffnet – und die Tote gefunden. Ihre Verletzungen ließen keinen Zweifel an einem Gewaltverbrechen.
Mit einer Sonderkommission und großem Personalaufwand wurden Bekannte und Freunde über die Lebensumstände der 25-Jährigen befragt. „Der nun Beschuldigte war für uns zunächst ein Zeuge“, sagt Timo Brenner, „dann aber verwickelte er sich in Widersprüche.“ Der 34-Jährige mit bosnisch-herzegowinischen Wurzeln wurde festgenommen und am Montag einem Richter vorgeführt, der ihn in Untersuchungshaft schickte.
Erinnerungen an ermordete Krankenpflegeschülerin
Die Bluttat erinnert stark an einen ähnlichen Mordfall, der sich im August 2023 in der Türlenstraße im Stuttgarter Norden abgespielt hatte. Nicht nur, weil die damalige Sonderkommission Tür ihren Namen vom Straßennamen ableitete – wie jetzt auch die Soko Chalet in der Landhausstraße. Auch damals hatte es sich um eine allein lebende Frau gehandelt, die am Anfang ihres beruflichen Weges stand. Die 32-jährige angehende Krankenpflegerin war im Zimmer ihres Wohnheims von ihrem 39-jährigen Ex-Freund erstochen worden. Motiv: Habgier. Er hatte für ihre – allerdings nur vermeintlich bestehende – Schwangerschaft keinen Unterhalt zahlen wollen. Das Landgericht verurteilte ihn zu lebenslanger Haft. Der Angeklagte, so das Gericht, habe die Kontrolle über die Frau gewinnen und sie zudem bestrafen wollen.
Ein Fall, der unter die Definition eines sogenannten Femizids fällt. 2023 wurden laut Bundesinnenministerium 938 Mädchen und Frauen in Deutschland Opfer von versuchten oder vollendeten Tötungsdelikten. Damit war fast jedes dritte Opfer weiblich. Werden Frauen gewaltsam getötet, dann steht dies laut Bundeskriminalamt zu 80,6 Prozent im Zusammenhang mit partnerschaftlichen Beziehungen. Die Ermittlungen zu Motiv und Hintergrund der aktuellen Tat dauern indes an.