Zuletzt hatte Balluff am Stammsitz noch kräftig investiert. Foto: Ines Rudel

Nachdem der Sensorspezialist Balluff in Neuhausen (Kreis Esslingen) seine Abbaupläne angekündigt hat, beginnen die Verhandlungen mit dem Betriebsrat. Der Schock in der Belegschaft sitze tief, teilt dieser mit. Derweil bekennt sich das Unternehmen zu Neuhausen als Firmenzentrale.

Dass Balluff Stellen streichen will, hat die Belegschaft am Stammsitz Neuhausen am Donnerstag erfahren. Hier soll, geht es nach der Geschäftsführung, ein Großteil des Personalabbaus stattfinden. Von etwa 400 Stellen insgesamt und 275 in Neuhausen ist die Rede. Doch die Verhandlungen mit dem Betriebsrat des Unternehmens beginnen erst. „Im Moment sitzt der Schock bei uns als Betriebsrat und in der Belegschaft sehr tief“, sagt dessen Vorsitzender Dennis Eismann am Freitag. Derweil bekennt sich Balluff zu Neuhausen als Firmenzentrale und Innovationsstandort.

 

Mit weiteren öffentlichen Stellungnahmen hält sich Eismann zurück, denn der Betriebsrat wolle sich zunächst gegenüber der Belegschaft äußern. Kritik an den Plänen der Geschäftsführung hatte am Vorabend die IG Metall Esslingen geübt. „Balluff hatte 2023 das umsatzstärkste Jahr seiner Firmengeschichte. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben dafür rangeklotzt. Und jetzt sollen sie auf die Straße gesetzt werden“, sagte Max Czipf, zweiter Bevollmächtigter.

Doch 2024 wurde die dreijährige Serie der Geschäftsrekorde bei Balluff gebrochen. Der Umsatz sei um etwa 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen, teilt das Unternehmen mit. Wie die Geschäftsleitung bereits am Donnerstag verlautbarte, seien Aufträge aus Automobil- und Zulieferindustrie sowie Maschinen- und Anlagenbau verschoben oder gestoppt worden. Die Unsicherheit im Markt sei sehr groß. Das Unternehmen hatte 2024 mit Kostenreduzierungen reagiert, durch Arbeitszeit- und Entgeltreduzierung. Doch das reichte laut Firmenchefin Katrin Stegmaier-Hermle nicht. Man bedaure den nun verkündeten Schritt, sehe aber keinen anderen Weg, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.

Schon 2020 wurden Stellen in Neuhausen abgebaut

Derzeit gibt es am Standort Neuhausen 1189 Stellen, wie Balluff mitteilt – sollten die Pläne der Geschäftsführung umgesetzt werden, würde also fast jede Vierte wegfallen. In welchen Bereichen der Abbau stattfinden werde, werde Gegenstand der Verhandlungen mit dem Betriebsrat. „Wir hoffen, dass wir sozialverträgliche Lösungen in der Verhandlung finden und keine betriebsbedingten Kündigungen aussprechen müssen.“ Auch einen möglichen Zeithorizont für die Personalreduzierung nennt das Unternehmen mit Verweis auf die Gespräche nicht.

Balluff gilt als Weltmarktführer für Industriesensoren. Weltweit hat die Gruppe etwa 3700 Mitarbeiter, Produktionsstandorte gibt es in den USA, Ungarn, China und Mexiko. Ebenso in Viernheim (Hessen), München und Oppenweiler (Rems-Murr-Kreis). In Neuhausen wird nicht mehr produziert, 2020 verkündete die Firmenspitze nach Umsatzrückgängen die Verlagerung der Produktion von Neuhausen nach China und Ungarn. Es folgte nach Protesten der Belegschaft der Abbau von 140 Jobs in Neuhausen. Seither ging es in den Geschäftszahlen wieder bergauf, für 2023 verzeichnete die Gruppe einen Umsatz von rund 599 Millionen Euro.

Balluff investierte zuletzt auch am Stammsitz kräftig. Ein neues Verwaltungsgebäude steht kurz vor der Fertigstellung, es sei die größte Investition der Firmengeschichte. Die Firma sieht darin „ein klares Bekenntnis zum Standort und der Rolle des Standorts als Firmenzentrale und Entwicklungs- und Innovationsstandort“. Weitere Investitionsprojekte, darunter ein geplantes Verteilzentrum in Neuhausen, verschieben sich laut Balluff aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Lage zeitlich nach hinten.