Dass Professorinnen schlechter bezahlt werden als Männer, räumen die Universitäten ein. Mit aktiver Ungleichbehandlung habe das aber nichts zu tun.
Mit ihrer Forderung, dass die Landesuniversitäten auf den Abbau der Schlechterstellung von Professorinnen bei der Bezahlung hinwirken sollen, hat sich Wissenschaftsministerin Petra Olschowski (Grüne) Ärger eingehandelt. Die Hochschulen fühlen sich, wie sie in einer Pressemitteilung zum Ausdruck bringen, durch die Aussagen der Ministerin teilweise zu Unrecht kritisiert.
Gehaltslücke geringer als im Landesdurchschnitt?
Laut einer Untersuchung in Baden-Württemberg sind die Gehälter der Professorinnen im Schnitt um 5,7 Prozent oder 523 Euro niedriger als die ihrer männlichen Kollegen. Das stellt die Landesrektoratekonferenz der Universitäten nicht in Abrede. Allerdings verweist sie darauf, dass ihre geschlechtsbedingte Gehaltslücke zum Stichtag am 1. Dezember damit wahrnehmbar geringer gewesen sei, als im Durchschnitt des baden-württembergischen Arbeitsmarkts. Sie wurde vom Statistischen Landesamt zum Jahresbeginn 2022 auf sieben Prozent beziffert.
Die Universitäten wollen darüber hinaus nicht den Eindruck stehen lassen, bei Gehaltsverhandlungen würden diskriminierende Praktiken angewandt, sodass im Ergebnis Männer und Frauen bei gleicher Qualität und Einstufung unterschiedlich bezahlt würden. „Die Untersuchung hat nicht einbezogen, wie hoch das jeweilige ,akademische Alter‘ der Professorinnen ist oder wie viele Rufe sie hatten – was sich unmittelbar in der Höhe der Leistungszulagen niederschlägt“, betonen sie in ihrer Mitteilung. Schon aus diesem Grund werde es noch einige Jahre dauern, bis geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Bezahlung abgebaut werden können. Der Grund sei, „dass die jüngeren Professorinnen noch nicht so lange im Amt sind und daher weniger Gelegenheiten hatten, Rufe an andere Universitäten zu erhalten oder Leistungen zu erbringen, die mit Zulagen honoriert werden.“
Unis finden sich bei Chancengleichheit spitze
Tatsächlich nehmen die Unis für sich in Anspruch, beim Thema Chancengleichheit in allen Bereichen überdurchschnittliche Ergebnisse anzustreben, dabei aber mit besonderen Hemmnissen konfrontiert zu sein. In den Ingenieurwissenschaften sehen sich die Hochschulen zum Beispiel auch davon abhängig, dass mehr Frauen auf Führungspositionen der Wirtschaft kommen und von dort aus für Professor werden. In Fällen solcher Praxisberufungen würden durch den Wechsel an die Universität entstehende Gehaltsverluste durch höhere Zulagen ausgeglichen.
Olschowski hat die geschlechtsbedingte Finanzlücke im Interview mit unserer Redaktion als ungerecht bezeichnet und rasches Gegensteuern gefordert. Laut ihrer Pressemitteilung haben die Universitäten bei der Herstellung von Chancengleichheit in den vergangenen Jahren Fortschritte gemacht.
Vier von neun Unis im Südwesten werden mittlerweile von einer Rektorin geleitet. Um den Frauenanteil bei den Professuren zu erhöhen seien Berufungsverhandlungen bereits stark auf Gleichstellung ausgerichtet worden. Selbstverständlich würden darin Gehaltszulagen, Ausstattung mit Mitarbeitern, Räumen und Geräten gleichermaßen verhandelt.
Die SPD-Landtagsabgeordnete Dorothea Kliche-Behnke forderte dagegen angesichts der Zahlen einen harten Kurs gegenüber den Universitäten. „Diese Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen sind nicht hinnehmbar“, erklärte die Wissenschaftspolitikerin. Beim Frauenanteil in der Professorenschaft rangiere Baden-Württemberg im Bundesvergleich im hinteren Drittel. „Es braucht Sanktionen, wenn Verbesserungen nicht erreicht werden – und das nicht erst in fünf Jahren.“