Weihnachten im Kreise der Liebsten feiern – für viele ist das nicht möglich. Diese Aktionen bringen Menschen zusammen, die sonst an Heiligabend und an den Feiertagen allein wären.
Wer Weihnachten feiert, verbringt Heiligabend, die Nacht des 24.Dezembers sowie die Weihnachsfeiertage meist im Kreise der Liebsten – sei es mit der Familie oder dem Freundeskreis. Doch vielen Menschen fehlt dieser Rückhalt und sie fühlen sich gerade in dieser Zeit besonders einsam. Verschiedene Einrichtungen, Initiativen und Gastronomien in Stuttgart und der Region haben es sich zur Aufgabe gemacht, das zu ändern.
In guter Gesellschaft sind Gäste beispielsweise beim großen Weihnachtsessen, das der Gastronom Dimitrios Evangelopoulos am 24. Dezember in der Vereinsgaststätte des TSV Weilimdorf „ Beim Dimi“ in der Giebelstraße 66 Stuttgart-Weilimdorf ausrichtet. Unter dem Motto „Gemeinsam statt allein“ lädt „Dimi“ von 12 bis 16 Uhr Menschen zu einem kostenfreien Buffet inklusive Getränken ein.
Gemeinsam Weihnachten feiern in Stuttgart
„Für unsere Gäste gibt es wie immer ein Festmahl“, kündigt der Gastronom an. In Kooperation mit dem Haus der Begegnung Giebel e.V. unter anderem Braten, Spätzle, Kartoffelsalat sowie verschiedene andere Fleischgerichte. Das Haus der Begegnung steuert die Lebensmittel und Getränke dafür bei. Auch für musikalische Begleitung ist gesorgt – und sogar Geschenke gibt’s für alle Gäste.
„Es ist wichtig, auch mal etwas zurückzugeben“, sagt Dimitrios Evangelopoulos. Seit mittlerweile 13 Jahren öffnet er sein Lokal an Weihnachten für Bedürftige und Menschen, die sich einsam fühlen. Während es früher bis zu 60 Gäste waren, die an der Aktion teilnahmen, kocht der Gastronom mittlerweile für bis zu 170 Personen.
Weihnachtsessen „Beim Dimi“
„Wir haben viele ältere Menschen zu Gast, die das Bedürfnis nach Gesellschaft haben. Es ist schade, dass man sich so wenig um sie kümmert.“ Trotz des großen Zulaufs finanziert Evangelopoulos das Weihnachtsessen nach wie vor aus eigener Tasche. Das tut er gerne, um den Menschen einen schönen Weihnachtstag zu bereiten, aber dennoch: Von Stadt und Bezirk würde er sich, was solche Aktionen angeht, generell mehr Unterstützung wünschen.
Damit das Team um Dimitrios Evangelopoulos finanziell nicht allein dasteht, ruft das Haus der Begegnung Giebel zum Spenden auf: Wer unterstützen möchte kann mit dem Kennwort „Dimi’s Weihnacht“ an das Haus der Begegnung e.V. (IBAN DE27 6009 0100 0168 718006) spenden.
Wer am 24. Dezember das deftige Festmahl genießen und mitfeiern möchte, kann einfach vorbeikommen.
Saitenwürstle im Stuttgarter Haus der Diakonie
Zu Saiten und Kartoffelsalat kommt man hingegen im Haus der Diakonie in der Stuttgarter Büchsenstraße zusammen. „Eva’s Stall“, eine Initiative organisiert von der Evangelischen Gesellschaft Stuttgart (eva) empfängt dort Menschen, die sich an Heiligabend einsam fühlen oder sich eine Feier schlichtweg finanziell nicht leisten können.
Bei der gemeinsamen Weihnachtsfeier am 24. Dezember können Besucherinnen und Besucher an einem Gottesdienst in der Hospitalkirche teilnehmen (15.45 Uhr) und sich ab 16.30 Uhr auf Saitenwürstle und Kartoffelsalat sowie eine Theatershow freuen.
Auch am ersten Weihnachtsfeiertag (25.12.) bleibt hier niemand allein: Um 11 Uhr lädt die eva zum Gottesdienst im Innenhof des Hauses der Diakonie. Im Anschluss (11.45 Uhr) folgt ein gemeinsames Weihnachtsmenü. Auf den Tisch kommen Rindergeschnetzeltes mit Wurzelgemüse, Rotkraut und Spätzle und ein Dessert.
Socken und Weihnachtssingen bei der Diakonie
Passend zur kalten Jahreszeit gibt es für alle Gäste auch ein Geschenk: In der „Sockenboutique“ können sie sich im Anschluss ans Essen selbstgestrickte Socken und Schals mitnehmen, die von Frauen in ganz Württemberg extra für das Event gefertigt wurden.
Wer gerne singt, ist anschließend im Großen Saal bei Weihnachtsliedern, Kaffee, Punsch und Stollen richtig. „Ich erlebe bei unseren Gästen in der Wärmestube viel Niedergeschlagenheit und eine gedrückte Stimmung“, so Birgit Auer, Leiterin der Stadtmission. „Umso schöner ist es, sie zu einem Fest einzuladen, bei dem die Hoffnung im Mittelpunkt steht.“ Rund 500 Gäste inklusive ehrenamtliche Helferinnen und Helfer erwarten die Mitarbeitenden der Stadtmission an Heiligabend zu „eva’s Stall“.
Games und Karaoke in der Stuttgarter Stadtmitte
Auch der Stuttgarter Verein Christmas Together e.V. setzt sich dafür ein, dass niemand die Weihnachsfeiertage allein verbringen muss. Im Veranstaltungspavillon Memox in der Theodor-Heuss-Straße können Menschen am 25. Dezember von 17 bis 23.30 Uhr bei Brett- und Kartenspielen, Christmas-Karaoke oder entspannten Gesprächen zusammenkommen. Für das leibliche Wohl ist ebenfalls gesorgt. Der Eintritt ist frei, die Veranstaltung wird über Spenden finanziert.
„Für mich ist das ein persönliches Herzensprojekt – ich bin ein großer Weihnachtsfan“, sagt Chris Haller, der das Projekt gemeinsam mit anderen Vereinsmitgliedern ehrenamtlich betreut und eigentlich in der Immobilienbranche arbeitet. „Wir wollen Menschen, die niemanden haben, mit dem sie Weihnachten feiern können, eine Anlaufstelle bieten.“ Die Idee für das Projekt entstand, als Haller in der Corona-Zeit selbst erlebte, wie es ist, die Feiertage allein verbringen zu müssen. „Für viele Menschen war das aber schon vorher und ist es auch heute tägliche Realität.“
Studis und Rentner gemeinsam bei Christmas Together
Das Event am 25. Dezember richte sich deshalb auch an keine klare Zielgruppe, so Haller. „Jede und jeder kann vorbeikommen.“ Bei der ersten Veranstaltung im vergangenen Jahr habe das schon gut geklappt – von Studierenden über Rentner bis hin zu Menschen, die sich eine Weihnachtsfeier schlichtweg nicht leisten können, seien alle vertreten gewesen.
„Fremde haben sich kennengelernt, miteinander gelacht und die festliche Stimmung geteilt. Wir haben gemeinsam gegessen, gesungen und am Ende sogar getanzt“, freut sich Chris Haller. „So sollte es an Weihnachten doch sein.“
Im letzten Jahr kamen etwa 50 Personen zu dem Event, dieses Jahr stellt sich Haller auf etwa 80 bis 100 Gäste ein. Voraussehen könne man das aber nicht. Denn: Eine Anmeldung vorab ist nicht nötig. „Wir haben bewusst darauf verzichtet, dass man sich bei uns anmelden muss“, so der Vereinsgründer.
Zum einen wolle man Menschen, die sich einsam fühlen, so die Hürde nehmen, sich bei einer Anmeldung mit Telefonnummer und Mailadresse zu „outen“, andererseits hofften viele der Leute, dass sich eventuell noch spontan etwas im Familien- oder Freundeskreis ergibt. „Falls das dann doch nicht klappt, möchten wir für die Leute da sein und sie mit unserem Event auffangen.“
Wer am zweiten Weihnachtsfeiertag (26. Dezember) Gesellschaft sucht, kann von 11.30 bis 15.30 Uhr am Österreichischen Platz unter der Paulinenbrücke beim Einkaufszentrum Gerber vorbeischauen. Dort versorgt das ehrenamtliche Supp-optimal-Team der Bürgerstiftung Stuttgart im Rahmen des „Weihnachtszimmers“ Bedürftige mit einem warmen Festtagsessen im Glas und bietet gleichzeitig einen Ort zum gemütlichen Beisammensein. Dazu gibt es Live-Musik, Kaffee, Tee Punsch und Waffeln. Auch Geschenke gibt es. Unterstützt wird das Event von diversen Stuttgarter Initiativen und Vereinen, darunter auch Harrys Bude, der Förderverein Helfende Hände e.V. sowie Mütterzentrum MüZe Süd e.V.
Auf Social Media zu Weihnachten in Kontakt kommen
Lieber Lust auf ein Treffen zu zweit, aber niemand ist da, der oder die Zeit für Unternehmungen an Weihnachten hat? Die Online-Plattform „Keine(r) bleibt allein“ vermittelt Menschen, die sich einsam fühlen, auf sozialen Netzwerken untereinander und bringt sie in der Weihnachtszeit zusammen.
Die Aktion entstand bereits im Jahr 2016 aus einem Hashtag mit dem Ziel, Menschen, die sich an Weihnachten einsam fühlten, zusammenzubringen. Der Mannheimer Projekt-Initiator Christian Fein entwickelte die Aktion schließlich immer weiter.
Heute kann man sich via Direktnachricht auf Instagram oder Facebook-Messenger anmelden und sich an Menschen, die an Weihnachten ebenfalls Anschluss suchen, vermitteln lassen. Die Aktion gilt für den gesamten deutschsprachigen Raum, bringt aber auch Menschen aus derselben Stadt oder Region zusammen. Die Teilnehmenden können dann selbst entscheiden, ob, wie und wo sie sich treffen.
Aktionen gegen Einsamkeit an Weihnachten in der Region
Auch in der Region bleiben Menschen, die an Weihnachten Gesellschaft suchen, nicht allein. In Ludwigsburg beispielsweise bringt die Diakonie Leute an Heiligabend zusammen. Im Rahmen der Aktion „Heiligabend allein?“ lädt der Kreisdiakonieverband Ludwigsburg von 15.30 bis 19.30 Uhr in die Feuersee-Mensa zum gemeinsamen Essen, Feiern und Singen ein.
Essen, feiern und singen in Ludwigsburg
„Viele Gäste haben keine Möglichkeit selbst ein Weihnachtsfest auszurichten, sind teilweise ohne Wohnung, auf staatliche Unterstützung zum Leben angewiesen oder wären an diesem Abend allein zu Hause“, heißt es seitens des Diakonieverbands. Das will das Team der Diakonie vermeiden und hat sich für die Aktion mit der Wohnungslosenhilfe Ludwigsburg, den dortigen evangelischen Kirchengemeinden und dem Rotary Club Ludwigsburg Alt-Württemberg zusammengeschlossen. „Um eine solche Feier überhaupt ausrichten zu können, bedarf es vielfältiger Unterstützung“, heißt es. Spenden sind daher gern gesehen.
Saiten und Kartoffelsalat in Filderstadt
Wer sich an Heiligabend lediglich auf ein gutes Essen im Restaurant freut, aber Sorge hat, dass kaum ein Laden geöffnet hat, findet in Filderstadt-Bernhausen wortwörtlich einen „Anker“. Die Gaststätte Anker empfängt Gäste sowohl an Heiligabend als auch am ersten Weihnachtsfeiertag ab 16 Uhr mit der Bewirtung von Saitenwürstle, Kartoffelsalat und Kartoffelsuppe.
Kostenloses Weihnachtsessen in Böblingen
Auch in Böblingen bleibt niemand allein: Die Katholische Betriebsseelsorge öffnet am 24. Dezember ab 14.30 Uhr ihre Türen und lädt zu Kaffee und Christstollen. Nach dem darauffolgenden ökumenischen Gottesdienst, der von Theologe Marian Schirmer und Pfarrerin Beate Kobler geleitet wird, können Gäste hier auch den Heiligabend in Gemeinschaft verbringen: „Wir laden die Leute zu einem gemeinsamen Abendessen ein – ein Abend, der im Zeichen von Zusammenhalt, Wärme und Verbundenheit steht“, so Silvia Rölle von der Betriebsseelsorge.
Auf den Tisch kommen Geflügel-Wiener mit Kartoffelsalat. „Wir haben uns bewusst dafür entschieden, weil wir damit alle Menschen – unabhängig von Religion oder Herkunft mit dem Angebot ansprechen wollen.“ Begleitet wird das Essen musikalisch von einem Bläser-Ensemble, das Weihnachtslieder zum Besten gibt.
„Heiligabend unter Freunden“: Alle sind willkommen
Die Veranstalter erwarten um die 60 Personen, es sei aber auch noch Luft nach oben, sagt Silvia Rölle. Ihr ist es wichtig zu betonen, dass an diesem Tag alle Menschen willkommen sind – egal, ob allein, in der Familie, ob arbeits- oder obdachlos.
„Wir möchten nicht, dass die Menschen an Heiligabend alleine sind“, sagt die Seelsorgerin. „Die Vereinsamung nimmt immer weiter zu – das betrifft nicht nur die Älteren, sondern gerade auch junge Menschen. Da wollen wir eine Anlaufstelle bieten. Wir freuen uns auf einen Heiligabend unter Freunden und, einen Abend der Begegnungen.“ Das Angebot ist kostenlos. Um eine Anmeldung bis spätestens 18. Dezember per Mail an Boeblingen@betriebsseelsorge.drs.de oder telefonisch unter 07031/209 70 10 wird gebeten.