Das Wohnheim in der Bolzstraße wird ab Herbst mit Geflüchteten aus der Ukraine und Obdachlosen belegt werden. Foto: Werner Kuhnle

Das Wohnheim in der Bolzstraße 25 in Kornwestheim (Kreis Ludwigsburg) wird bald zur Unterbringung von geflüchteten Ukrainern und Obdachlosen genutzt. Eine BI hatte dagegen gekämpft.

Der Kornwestheimer Gemeinderat hat der Diskussion um die umstrittene neue Flüchtlingsunterkunft in der Bolzstraße am Donnerstag ein Ende gesetzt, die aufgeworfenen Themen bleiben aber wohl länger. Hier die Fakten: Bei einer Gegenstimme hat das Gremium dem Verwaltungsvorschlag zugestimmt, in dem aktuell als Wohnheim genutzten Gebäude in der Bolzstraße 25 in der Weststadt ab Herbst Geflüchtete aus der Ukraine und Obdachlose aus Kornwestheim unterzubringen.

 

Seit Bekanntwerden der Pläne Ende 2025 hat sich Widerstand in der Nachbarschaft des Gebäudes geregt. Es wurde sogar eine Bürgerinitiative Weststadt gegründet, die sich gegen die angedachte neue Nutzung ausspricht. Bei einer Bürgerinfoveranstaltung Anfang Februar brachten Bewohner der Weststadt ihre Bedenken vor.

Ganz grundsätzlich sehen sich die Menschen, die es mit der BI halten, in der Weststadt als benachteiligt an. Gut 6300 Menschen leben dort, das sind knapp 19 Prozent der Gesamtbevölkerung Kornwestheims. Auf engem Raum stehen dort größere Mehrfamilienhäuser. Das soziale Gefüge in dem migrantisch geprägten Stadtteil sehen die Gegner schon jetzt als schwierig an, eine weitere Unterkunft verschlimmere die Situation nur.

Sevket Karaman (links) und Holger Stefanowicz sind die Sprecher der Bürgerinitiative Weststadt. Foto: Bürgerinitiative Weststadt

Auch von einem kriminellen Brennpunkt ist bei der BI die Rede, wenn es um die Weststadt geht. Die Behauptung weisen Polizei und Verwaltung allerdings mit dem Hinweis zurück, dass es dafür keine Belege in den Statistiken gebe.

Stadt plant mit 100 Plätzen

Die Stadt sieht mit den 100 Plätzen in dem Gebäude, das ihr gehört, eine finanziell sinnvolle Option, um der derzeit steigenden Zahl geflüchteter Ukrainer Herr zu werden. Mit rund 50 Neuankömmlingen aus der Ukraine rechnet die Stadt derzeit pro Quartal. Das würde bedeuten, dass die aktuellen Unterkünfte bald voll sind.

Die Einwände der BI wurden zum Teil berücksichtigt. Eine engmaschige Betreuung ist angekündigt und der Gemeinderat bestand darauf, dass die Nachbarn während des Betriebs mit ihren Sorgen angehört werden. Nach einem halben Jahr werden die Anwohner von der Stadt zum Erfahrungsaustausch eingeladen, zudem will die Stadt Maßnahmen zum Schallschutz im Hinterhof einleiten.

Unmut bei Gegnern

Ob damit den Gegnern ausreichend entgegengekommen ist, darf bezweifelt werden. Einige wohnten der Sitzung am Donnerstag als Zuschauer bei und mussten von OB Nico Lauxmann wegen eines Zwischenrufs gemaßregelt werden. Im Anschluss an ihren Tagesordnungspunkt verließ die Gruppe von etwa zehn Menschen das Rathaus unter Unmutsbekundungen.

Alle Fraktionen hatten sich in ihren Wortmeldungen zuvor ausdrücklich bei der BI für deren Einsatz bedankt. Die Hoffnung vieler Stadträte ist auch, dass die Initiative sich weiter in der Weststadt einbringt. Das wird die Zukunft zeigen.

Für die Stadtverwaltung ist die Angelegenheit nicht einfach. Einerseits hat die Stadt kein Geld für den Neubau einer anderen Unterkunft, haushalterisch wäre das auch kaum zu verantworten, wenn man gleichzeitig die Immobilie in der Bolzstraße hat, die der bisherige Mieter gekündigt hat.

Andererseits gibt es wohl zumindest einen Teil der Bevölkerung in der Weststadt, der große Probleme in seinem Viertel sieht und sich tatsächlich einbringt. Es bleibt abzuwarten, ob es der Stadtverwaltung gelingt, die aktiven Bürger in der Weststadt einzubinden, um Probleme künftig im Dialog anzugehen, und ob die BI sich trotz der Enttäuschung aktuell langfristig als Stimme des Stadtteils etablieren kann und will.