Bei der Rodung für das Neubaugebiet Häugern hat sich Weil der Stadt nicht mit Ruhm bekleckert, meint unsere Redakteurin Sophia Herzog.
Die Tage der Bäume waren ohnehin gezählt. Das mag hart klingen – ist aber der höchstwahrscheinliche Ausgang einer Sache, die in Weil der Stadt für Empörung sorgt. Rund 120 Streuobstbäume mussten hier von einer Wiese weichen, die ein Neubaugebiet werden soll. Den Naturschützern ist das Projekt schon lange ein Dorn im Auge, nicht nur wegen der Streuobstfläche.
Sicherlich ist es heute, gute sieben Jahre nach dem Start in die Entwicklung des Quartiers, zu spät für eine Grundsatzdebatte. Zumal der Gemeinderat das Projekt seitdem mit deutlichen Mehrheiten mitgetragen hat und ein Abweichen von dieser Marschrichtung zum jetzigen Zeitpunkt auch in Sachen finanzieller Nachhaltigkeit desaströs wäre. Dass die Bäume nun am Montag gefällt wurden, ausgerechnet einen Tag vor der Gemeinderatssitzung, in der die Räte den finalen Beschluss für das Neubauprojekt fassten, ist laut Stadtspitze Zufall und hätte je nach Entscheidung der Gerichte auch schon Wochen vorher stattfinden können – es ist in Sachen Öffentlichkeitswirkung aber ein denkbar schlechtes Timing gewesen.
Ein Großprojekt wie Häugern hat nun mal unvermeidliche Auswirkungen auf ein Stück Natur. Das bewegt viele Einwohner, die es mit ihren Steuern finanzieren. Dass der Eindruck entstehen kann, die Stadt habe schnell Fakten schaffen wollen, ist nicht von der Hand zu weisen. Die Stadt hätte mehr Fingerspitzengefühl zeigen müssen, um Konflikte zu vermeiden. Jetzt bleibt ein Gschmäckle – Häugern feiert einen Etappensieg, aber das Harz der gefällten Bäume wird noch eine Weile an den Händen der Räte kleben.