Todesursache: „Herzschwäche“. Im Jahr 1944 starb die blinde Margareta Kegreiß, vermutlich als Opfer des Nazi-Regimes. Gäufeldener Bürger wollen ihr ein Denkmal setzen.
Es war das Schicksal der Tailfingerin Christina Margareta Kegreiß, die den ehemaligen Schulleiter Hubert Wyrwich aus Gäufelden aufhorchen ließ. Die älteren Tailfinger erinnerten sich noch an Gerüchte aus ihrer Kindheit und an einen Eintrag im Tailfinger Sippenbuch. Die blinde Frau, die am 9. November 1895 geboren wurde, soll nach Grafeneck gekommen sein und später im Thüringischen Stadtroda gestorben sein, so das Gerücht.
Damit müsste sie ein Opfer der nationalsozialistischen Euthanasie-Aktion gewesen sein, in der behinderte Menschen als „lebensunwert“ eingestuft und umgebracht wurden. In der Tötungsanstalt Grafeneck bei Gomadingen im Kreis Reutlingen wurden von 1939 bis 1940 fast 10 000 behinderte Menschen in einer Gaskammer ermordet.
Stolperstein: „Herzschwäche bei Lungentuberkulose“
Eine genaue Recherche von Volker Mall vom Verein KZ-Gedenkstätte Hailfingen/Tailfingen ergab, dass Margareta Kegreiß nicht nach Grafeneck gebracht wurde, sondern von 1936 bis 1944 im Blindenasyl in Schwäbisch Gmünd lebte. Von dort wurde sie nach Stadtroda transportiert, wo sie am 8. Mai 1944 starb. Die Todesursache dort lautete „Herzschwäche bei Lungentuberkulose“, und – was aufhorchen lässt – bei „sozialem Stand“ wurde „asozial“ eingetragen. Es ist längst bekannt, dass die Nazis den Tod ihrer Opfer mit fingierten Todesursachen verschleierten. „Herzschwäche“ war eine solcher falschen Diagnosen.
Hubert Wyrwich, der mit dem Verein „Herrenberg bleib bunt“ viele Jahre ehrenamtliches Engagement zeigte, will jetzt einen Stolperstein für Margareta Kegreiß verlegen lassen. Der Ort eines Stolpersteins ist immer der letzte freiwillig gewählte Wohnsitz eines Opfers, in diesem Falle das Haus Hauptstraße 53 in Tailfingen. Er hatte auf das Schicksal von Margareta Kegreiß bereits im November in einer Bürgerfragestunde hingewiesen und den Gemeinderat über sein Anliegen informiert.