Seit 2012 steht das Gebäude aus dem Jahr 1910 leer. Die Stadt wollte es nicht kaufen. Foto: Martin Haar

An der Rommelstraße wechselt das ehemalige Offizierskasino den Besitzer.

Bad Cannstatt - Ein Kulturdenkmal im Hallschlag ist unter den Hammer gekommen. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) hat das im Jahr 1910 als Offiziersspeiseanstalt eingeweihte Gebäude an der Rommelstraße 4 zum Verkauf ausgeschrieben. Die Gemeinderatsfraktion von SÖS/Linke-plus hatte daraufhin die Stadtverwaltung in einem Eilantrag aufgefordert, die Gelegenheit zu nutzen, das Offizierskasino zu erwerben und es einer kulturellen beziehungsweise sozialen Nutzung zuzuführen. „Wir haben einen eklatanten Wohnraummangel, suchen Räumlichkeiten für Kultur, Ämter klagen über Raumnot – das verdeutlicht, dass wir in jedem Fall eine sinnvolle Verwendung für das Gebäude finden werden“, waren sich die beiden Fraktionsvorsitzenden Thomas Adler und Hannes Rockenbauch einig.

Die BIMA hatte der Stadt die seit 2012 leer stehende Villa an der Rommelstraße in der Vergangenheit schon zweimal erfolglos für 1,5 Millionen Euro angeboten. Die Ablehnung begründet ein Sprecher der Stadt mit den hohen Kosten, die für die Sanierung der alten Speiseanstalt am Römerkastell angefallen wären: „Das Projekt im Römerkastell soll 1,5 Millionen Euro kosten. Es muss umgebaut werden, um dort Wohnungen einzurichten. Das Liegenschaftsamt rechnet mit enormen Kosten, die sich kaum lohnen. Das ist auch der Grund, warum die Verwaltung nicht plant, das Objekt zu erwerben.“

Die Bundesanstalt ist zur Verschwiegenheit verpflichtet

Seit wenigen Tagen ist das Bieterverfahren nun abgeschlossen. „Die Angebotseröffnung und Auswertung hat am Montag stattgefunden“, sagt Claus-Peter Rehwald von der BIMA. „Der Höchstbieter wurde über die Zuschlagserteilung unterrichtet. Mit ihm sollen dann in absehbarer Zeit abstimmende Gespräche mit dem Ziel der Vertragsbeurkundung aufgenommen werden.“ Wer das Gebäude erworben hat, wie viele Bewerber es gab und für wie viel Geld das Gebäude verkauft werde, sei allerdings vertraulich. „Wir haben eine Verschwiegenheitsformel im Vertrag“, betont Rehwald. Bislang sei auch noch nichts endgültig in trockenen Tüchern. Es habe bislang nur ein erster Kontakt stattgefunden. „Jetzt läuft erst einmal die Bonitätsprüfung.“ Auch über das Konzept des potenziellen Käufers kann Rehwald nichts sagen.

Die Offiziersspeiseanstalt der angrenzenden Dragoner-Kaserne diente nach Ende des Zweiten Weltkrieges als Verwaltungs- und Bürogebäude für Militär sowie verschiedene Bundes- und Landesstellen. Das Grundstück mit einer Fläche von insgesamt rund 3000 Quadratmeter befindet sich in Hanglage auf Cannstatter Gemarkung. Das Objekt erstreckt sich über vier Geschosse. Im Untergeschoss befinden sich größtenteils Lagerflächen sowie Aufenthalts- und Waschräume. Im Erd- und ersten Obergeschoss gibt es 13 beziehungsweise 15 Büroräume, im Dachgeschoss sind nochmals vier Büro- sowie Lagerflächen vorhanden. Zur Liegenschaft gehören insgesamt 13 Parkplätze.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: