Noch ist es nicht amtlich, doch jeder rechnet in der kommenden Saison mit Bundesliga-Heimspielen der VfB-Frauen im Gazi-Stadion. Finanziell fällt für Hauptnutzer Kickers etwas ab.
Daniela Klein hält sich noch etwas bedeckt: „Wir sind in Gesprächen und dabei, die Rahmenbedingungen abzustecken“, sagt die Leiterin des Amts für Sport und Bewegung der Stadt Stuttgart. Es geht um das Thema Gazi-Stadion und dabei um die Frage: Welches Team neben dem Fußball-Regionalligisten Stuttgarter Kickers trägt in der kommenden Saison auf der Waldau seine Heimspiele aus?
Nach Informationen unserer Redaktion deutet alles darauf hin, dass dies die Frauenfußballerinnen des VfB Stuttgart sein werden. Das Team von Trainer Heiko Gerber thront an der Spitze der Zweitligatabelle und gilt vor dem Re-Start am 1. Februar (12 Uhr) gegen die SG Andernach als heißester Aufstiegskandidat. Nach Lage der Dinge soll in der Bundesliga unterm Fernsehturm gespielt werden. 2000 bis 4000 Zuschauer werden dann etwa zu den Heimspielen erwartet.
„Der Frauenfußball ist sehr aufstrebend, wir hoffen, dass das weiter anhält und perspektivisch dann auch mehr Spiele in der MHP-Arena ausgetragen werden“, heißt es aus dem Amt für Sport und Bewegung. Voraussichtlich am 21. März tritt der VfB gegen den 1. FSV Mainz 05 ausnahmsweise schon in dieser Zweitligarunde in der großen Arena in Bad Cannstatt an.
Lorz: Degerloch ist Kickers-Heimat
Den Kickers wäre diese Variante als Dauerlösung am liebsten. Denn dass sie von Auftritten von VfB-Teams auf der Waldau alles andere als begeistert sind, ist ein offenes Geheimnis. Schon im vergangenen November hatte Rainer Lorz seine Bedenken öffentlich gemacht: „Das Gazi-Stadion ist die historische Heimat der Kickers – es wurde einst als Kickers-Platz gegründet und gilt als ältestes Stadion Deutschlands. Wir haben zwar Verständnis dafür, dass der VfB nach geeigneten Spielorten sucht, sehen aber die Waldau als festen Bestandteil der blauen Vereinsidentität. Das ist gut für den Stuttgarter Fußball und für die Vielfalt in unserer Stadt“, teilte der Präsident mit.
Die Entscheidung aber liegt nun mal nicht bei den Blauen. Eigentümerin des Gazi-Stadions ist die Stadt, die in Zeiten klammer Kassen jede Einnahme bestens gebrauchen kann, die Blauen sind nur Mieter. Deshalb ist sich bei den Kickers letztendlich auch jeder darüber im Klaren, dass sie sich nicht vor allem verschließen können.
Drittligaspiele problematischer
Mit den Gastspielen der Frauen in der neuen Saison auf der Waldau könnten der Regionalligist und nicht zuletzt auch die Anwohner in Degerloch zumindest einigermaßen gut leben. Vor allem mit Blick auf die ebenfalls diskutierte Alternative Drittligaheimspiele des VfB II (derzeit in Großaspach) – mit möglichen Invasionen von Auswärtsfans von 1860 München, Hansa Rostock oder Dynamo Dresden. Dies wäre weitaus problematischer.
Bei der Terminplanung wird es darum gehen, die Heimspiele von Kickers und VfB-Frauen zeitlich zu entzerren. Formal Vorrecht gegenüber der Regionalliga hätte bei den Ansetzungen die Frauen-Bundesliga. „Es würde aber auf alle Fälle versucht, aufeinander Rücksicht zu nehmen“, versichert Daniela Klein.
Stadt partizipiert an Ticketeinnahmen
Egal, wer unterm Fernsehturm am Ball sein wird: Logisch ist, dass an die Stadt Stuttgart Miete zu entrichten ist. Diese beträgt pro Spieltag zehn Prozent der Nettoeinnahmen aus dem Ticketverkauf, mindestens 2500 Euro netto. Hinzu kommt die im Zuge des Haupttribünen-Neubaus eingeführte Erhebung eines Stadiongroschens zur Refinanzierung in Höhe von 0,50 Euro netto pro Stehplatz und 1,00 Euro netto pro Sitzplatz.
Die gastronomische Bewirtschaftung des Gazi-Stadions (Hospitality-Bereich und Kioske) bei grundsätzlich allen Veranstaltungen erfolgt durch die Kickers. Dazu wurde 2014 ein Geschäftsraummietvertrag zwischen dem Verein und der Stadt Stuttgart geschlossen. Die Höhe der Miete beträgt acht Prozent des Nettoumsatzes, mindestens jedoch 5000 Euro pro Monat. Die Kickers haben die Räumlichkeiten im Einvernehmen mit der Stadt an einen Gastronom unterverpachtet. Neuerdings nicht mehr an Michael Schmücker, sondern an die Rauschenberger Gastronomiegruppe.
Von daher würden die Kickers bei VfB-Heimspielen (neben u.a. möglicher Nutzung von LED-Banden und Videowand) auch im Bereich Gastronomie finanziell profitieren. „Es fällt etwas ab“, heißt es aus Kickers-Kreisen, was als Trostpflaster für die Weiß-Roten Gastspiele auf der Waldau angesehen wird.
Football aktuell kein Thema
Kein Thema mehr sind nach aktuellem Stand Heimspiele von Football-Teams im Gazi-Stadion. „Wir haben nichts mehr gehört nach dem Aus von Stuttgart Surge. Das vereinfacht die ganze Thematik etwas, zumindest was die Beanspruchung des Rasens betrifft“, verlautet von der Stadt.
Bleibt noch die Frage nach dem Baubeginn des im Dezember 2025 vom Gemeinderat endgültig abgesegneten Neubaus der Gegengerade. Alle Beteiligten gehen statt Herbst 2026 nun von Herbst 2027 aus. Ein Grund dafür ist, dass für den aktuellen Doppelhaushalt ein Einsparziel von zehn Prozent gesetzt worden ist. Das heißt der Umbau soll statt 20 nur noch 18 Millionen Euro kosten. Wo genau das Geld eingespart werden soll, ist noch unklar.