Der Startschuss zur Sanierung des Gartenhallenbads Waldenbuch ist ertönt: Sein Kamin, wurde in Gänze aus dem Schacht gehoben und von einen Schwerlasttransporter abgeholt.
Auf den Balkonen des Mehrgenerationenhauses ist einiges los. Ältere und Jüngere harren der Dinge, die sich da am Horizont abzeichnen. Auch auf den Rasenflächen davor geht was ab: Viele kleine Menschlein, dick eingepackt in farbenfrohe Matschhosen, Winterjacken und Mützen, wuseln aufgeregt hinter einem Absperrungszaum herum – oder sitzen auf den Armen ihrer Erzieherinnen. Die Ein- bis Dreijährigen vom Kleinkindhaus Waldenbuch wollen – wie ältere Kids aus anderen Kitas, Bürgerinnen und Bürger, auch einige Gemeinderäte – sehen, was man sonst selten live sieht: Der über 50 Jahre alte Kamin des Waldenbucher Gartenhallenbads, das am 2. Dezember 1969 seinen Baubeschluss erhielt und nun modernisiert wird, soll aus seinem Loch gehoben werden. Ein Trumm aus Cortenstahl, 22 Meter hoch, zwölf Tonnen schwer.
Am Schacht des markanten Schlots, am Arm eines enormen Krans gekettet, werkeln einige Mannen in weißen Helmen und leuchtgelben Westen. „Schrauben müssen gelöst werden“, erläutert Waldenbuchs Bauamtsleiter Heiko Böttcher. Mindestens neun Zentimeter Durchmesser habe das Stück – er demonstriert deren Form anschaulich. Einmal los gemacht soll der Kamin in ganzer Länge umgelegt und auf einen Schwerlasttransporter verladen werden. „Dann nach Plochingen zur Firma Kaatsch, dem Schrott- und Metallhändler. Dort wird er zerlegt und recycelt.“
Der Rückbau ist eine komplexe Sache
Zunächst habe man vor Ort den Kamin zerschneiden wollen, aber davon abgesehen. „Zu risikoreich, daher diese Variante.“ Eine komplexe Sache, so ein Rückbau, 13 Unternehmen seien daran beteiligt, sagt Böttcher. Klar, die Gasversorgung für das Schwimmbad ist längst abgestellt, die Energie für die letzten Abbauschritte kommt nun von der Ladefläche eines Lastwagens. Jetzt auch das Zeichen, dass der Kamin frei baumelt und hochgezogen werden kann. Bevor der Kranführer startet, wird der historische Moment noch fotografiert. Alle Projektbeteiligten – Bürgermeister Chris Nathan, Peter Neumann, Leiter des Gartenhallenbades Waldenbuch, Architektin Maria Jurado von Fritz Planung, Götz Schleith, Chef der Industriemontage bei Allgaier und Böttcher – gehen mit großen Hämmern in Position. Schultes und Bauamtsleiter hauen kräftig auf das Rohr, und ab geht’s.
Wie das schwere Teil mit den Spuren vieler Jahre Wärme so leicht durch die Luft schwebt, umwoben vom Dampf, der aus seiner tiefen Behausung emporsteigt, das hat was mystisch Poetisches, ja filmisch Surreales.
In zwei Jahren ist Wiedereröffnung
Auch wie er auf dem Rasen auf seinen letzten Weg wartet. Industriemontage-Experte Schleith ist zufrieden. „Ist meine tägliche Arbeit! Ja, ein bisschen angespannt ist man immer.“ Aus der Menge ist ein „Tschüss und danke“ zu hören. Indes, der Abbau ist gleichzeitig Startschuss für Neues, für die Sanierungsarbeiten des Schwimmbads, das Ende 2027 wieder eröffnet werden soll. Die Zukunft ist bereits sichtbar: Ein nagelneuer Edelstahlkamin erstrahlt schlank, rank, kaum höher als das Flachdach an der Außenwand. „Die Technik hat sich weiterentwickelt“, nickt Böttcher. Nathan betont: „Da geht ein Stück Zeitgeschichte. Dieser Tag verdeutlicht der Öffentlichkeit, der Bau beginnt. Noch einen Monat ist das Gartenhallenbad geöffnet.“ Dort hätten über die Dekaden unzählige Kinder das Schwimmen gelernt. Es werde wieder ein Treffpunkt für Bewegung, Spaß und Sport nach der Sanierung sein. Apropos, diese kann man zeitnah verfolgen: Das Team um Schwimmbadchef Neumann dokumentiert alle Schritte und lädt sie ins Netz.
Mehr Infos https://hallenbad.waldenbuch.de/start/ badsanierung.html