Bei der Suche der Echterdinger zeichnet sich ein Ergebnis ab. Bitter: Für zwei Leistungsträger ist die Saison bereits beendet. Demgegenüber steht ein kurzfristiger Neuzugang.
Was die aktuelle Saison anbelangt, stehen die Verbandsliga-Fußballer von Calcio Leinfelden-Echterdingen vor vier Endspielen. Zur Auswärtspartie an diesem Samstag (14 Uhr) beim Tabellenletzten VfR Heilbronn fährt die Angst vor etwas mit, das im Verein bis vor kurzem wohl keiner für möglich hielt: Tatsächlich droht mittlerweile ganz konkret ein zweiter Abstieg in Serie. Im Hinblick auf die nächste Runde könnte unterdessen immerhin eine Baustelle behoben sein. Die Anzeichen verdichten sich, dass die Echterdinger auf der Suche nach einem Nachfolger für den scheidenden Trainer Francesco Di Frisco fündig geworden sind.
Vor drei Wochen hatte der Sportchef Josip Pranjic noch angekündigt, dass es „wohl eine externe Lösung geben wird“. Nun aber scheint die Devise frei nach Goethe zu sein: Warum in die Ferne schweifen, wenn auch das eigenen Haus Optionen zu bieten hat? Dem Vernehmen nach weit fortgeschritten sind die Gespräche mit Adem Demir. Einiges deutet darauf hin, dass der 39-Jährige im Sommer den Posten übernimmt. Bis dato ist er einer der drei Co-Trainer beim Filderclub. Einen Fürsprecher hat er dabei allemal: Di Frisco. Die beiden verbindet eine gemeinsame Kicker-Vergangenheit. Von den C- bis zu den A-Junioren waren sie Teamkollegen beim VfB Stuttgart.
Als Aktivenspieler brachte es Demir dann bis in die Regionalliga (1. FC Köln II, Borussia Mönchengladbach II, Eintracht Frankfurt II). In der Rolle des Trainers bedeutete eine Beförderung bei Calcio für ihn hingegen einen ordentlichen Karriereschritt. Als Chefcoach war er bisher nur in der Kreisliga unterwegs, unter anderem beim SSV Zuffenhausen und bei AKV BG Ludwigsburg, ehe im vergangenen Januar sein Wechsel in die Goldäcker erfolgte.
Die große Frage, die bleibt: Welche Spielklasse wird es künftig in Echterdingen sein? Weiter Verbands- oder nurmehr Landesliga? Das letztgenannte Schreckensszenario hat spätestens mit den drei Niederlagen an den drei jüngsten Spieltagen reale Züge angenommen. Der aktuell von den Italo-Schwaben belegte zwölfte Tabellenplatz wird definitiv nicht für den direkten Klassenverbleib reichen, sondern bestenfalls zur Relegationsteilnahme. Je nachdem, wie sich die Dinge in der übergeordneten Oberliga entwickeln, könnte aber sogar Rang neun für die sichere Rettung nötig sein. Und von jenem trennen die Echterdinger bereits fünf Punkte.
„Ja, die Lage ist ernst“, sagt Di Frisco. Und das nicht nur mit Blick aufs Klassement. Auch die aktuelle Personalsituation bereitet Sorgen. Denn die Ausfallliste im von vornherein dünn besetzten Kader wird länger. Für zwei Leistungsträger ist die Saison, wie inzwischen feststeht, bereits beendet. Beim Mittelfeldstrategen Philipp Seemann wurde ein Syndesmoseanriss diagnostiziert. Und den Abwehrroutinier Lukas Zweigle hat es mit einem Muskelbündelriss erwischt. Beide haben schon vor Wochenfrist beim Heim-0:2 gegen den FC Rottenburg gefehlt.
Hinzu kommen noch Emilio Amenta (Adduktorenzerrung) und der nun gelb-rot-gesperrte Georgios Kaligiannidis. Immerhin der Kapitän Dan Constantinescu (war familiär verhindert) kehrt dagegen in die Mannschaft zurück.
Darüber hinaus sind die Echterdinger kurzfristig auf dem Transfermarkt tätig geworden. Maßnahme in der Not: Sie haben für den Saisonendspurt den zuletzt vereinslosen Offensivmann Kelecti Nkem verpflichtet. Der 25-Jährige stand in der Oberliga beim 1. FC Normannia Gmünd und FSV 08 Bietigheim-Bissingen unter Vertrag, hat aber seit November kein Spiel mehr bestritten. „Er ist für uns eine Option, um vielleicht in den letzten 20, 30 Minuten einer Begegnung Qualität von der Bank auf den Platz zu bringen“, sagt Di Frisco.
Schon für die anstehende Begegnung in Heilbronn soll Nkem zum Aufgebot gehören. Partie eins von nun mindestens noch vier, in denen sich das Echterdinger Schicksal weisen muss. Während der aktuelle Gegner bereits sicherer Absteiger ist, stecken die beiden folgenden, der FC Esslingen (24. Mai zuhause) und die TSG Tübingen (30. Mai auswärts), ebenfalls noch mitten im Kampf gegen das Liga-Aus.
Keine Frage: Calcio steht in dieser auf die Zielgerade biegenden Saison mehr denn je unter Zugzwang, wenn nicht eine Begebenheit zum abschließenden Sinnbild werden soll. So weilt der Sportchef Pranjic gerade im Krankenhaus. Knie-OP, danach mehrere Wochen Krücken. Kommt am Ende womöglich der ganze Verein gefühlt lädiert daher?