Mitten im Abstiegskampf ist beim Tabellenvorletzten eines bereits entschieden: Björn Lorer hört auf. Die Hintergründe und welche Chancen der Coach für den Saisonendspurt noch sieht.
Landesliga oder Bezirksliga? Doch noch ein großes Aufbäumen im Tabellenkeller – oder aber die Bestätigung des aktuellen Trends, demzufolge für die Fußballer des MTV Stuttgart mittlerweile alle Zeichen auf Abstieg stehen? Das sind die Fragen, die sich beim Vorletzten des Klassements an den neun verbleibenden Spieltagen dieser Saison klären müssen. Eine andere ist dagegen inzwischen beantwortet. Vor der Heimpartie an diesem Sonntag (15 Uhr) gegen den SV Waldhausen ist klar, dass sich der Verein für die nächste Saison einen neuen Trainer suchen muss.
Bleibt er? Geht er? Zuletzt hatte sich Björn Lorer interne Bedenkzeit bis Ostern erbeten gehabt. Nun steht seine Entscheidung: Der 36-Jährige hört im Sommer nach dann fünf Amtsjahren auf – unabhängig davon, ob die laufende Runde noch ein tabellarisches Happy End bringen wird oder nicht. Als Grund nennt Lorer „vor allem den Faktor Zeit“. Mehr davon will er fortan mit der Familie verbringen statt auf Sportplätzen der Region. Im vergangenen Jahr ist er zum ersten Mal Vater geworden. Das Privatleben soll hiernach nicht länger auf der Strecke bleiben.
Keinen Hehl macht der Coach zugleich daraus, dass es aber auch noch eine zweite Komponente gibt – in diesem Fall eine rein sportliche. „Es wird der Mannschaft gut tun, wenn sie frischen Wind und neue Impulse erhält“, ist Lorer überzeugt. Für sich selbst habe er in den vergangenen Wochen „ein bisschen das Gefühl bekommen, dass es schwierig wird, solche neuen Reize noch zu setzen“. Und wenngleich er es so nicht direkt benennt: Die jüngsten Leistungen seiner Kicker waren natürlich alles andere als ein Hurra-Argument, das ihn hätte umstimmen können. Nach noch ermutigendem Jahresbeginn haben die West-Stuttgarter zuletzt drei deftige Niederlagen mit insgesamt 14 Gegentoren kassiert, was ziemlich an die schon verkorkste Hinrunde erinnerte. Zum Relegationsplatz 13 besteht weiterhin eine Kluft von sieben Punkten.
Für den Spielleiter Luca Luchetta hätte es gleichwohl keinen Zweifel gegeben: Er hätte gern mit Lorer weitergemacht. „Was Björn hier in seiner Zeit abgerissen hat, auf welches Level er die Mannschaft gehoben hat, große Klasse. Dafür sind wir einfach nur dankbar“, sagt er. Unter Lorer, zur Erinnerung, wandelte sich der MTV erst von einer grauen Maus der Bezirksliga zum jetzigen Landesliga-Club. Höhepunkt war vor drei Jahren der erstmalige Aufstieg des Vereins in seine jetzige Spielklasse mit damaliger Rekordbilanz.
Führt der Weg nun zurück in die andere Richtung? „Unter normalen Umständen wird es schwer, dem Abstieg noch zu entrinnen“, sagt Lorer. Tief sitze der Stachel nach dem Kellerduell-1:4 vom Ostermontag in Geislingen. Andererseits: Vielleicht ist es aus Sicht des Coachs ja „sogar ein Knotenlöser, dass es nun nichts mehr zu verlieren gibt“. Die Devise: locker und unbeschwert in die nächsten Aufgaben – du hast eh keine Chance mehr, also nutze sie.
Personell bleibt es dabei ein wöchentliches Puzzlespiel ohne die erhoffte Kontinuität. Für die aktuelle Partie kehren zwar die Urlauber Raphael Hahn, Filip Primorac und Michel-Angelo Triantafillou ins Aufgebot zurück. Dafür fallen nun der Abwehrchef Philipp Weippert (Rotsperre) und voraussichtlich dessen Defensivkollege Din Redzic (Oberschenkelverletzung) aus.
Ein Sieg gegen den seinerseits noch im Aufstiegsrennen beteiligten Tabellensiebten Waldhausen wäre allemal eine Überraschung – wenn auch eine recht kleine im Vergleich dazu, wenn Lorer und die Seinen das Feld tatsächlich noch von hinten aufrollen sollten. Dies wiederum wäre nicht nur ein fast wundersames Finish – sondern, wie man am Kräherwald nun weiß, auch ein größtmögliches Trainer-Abschiedsgeschenk.