Der Fußball- Landesligist sichert sich gegen Schlusslicht SV Kaisersbach kurz vor Schluss ein 2:1. Die Mannschaft wirkt anfangs verängstigt, findet besser ins Spiel und wird belohnt.
Die Frage, wie schön man ein Spiel entscheiden kann, beantwortete Salvatore Pellegrino: In der 85. Minute des Landesliga-Duells mit dem Schlusslicht SV Kaisersbach trat der Linksverteidiger des TSV Heimerdingen zum Eckball von rechts an. Nach Doppelpass mit Shakur Traore zog der Defensiv-Routinier den Ball direkt aufs Tor – der Schlenzer wurde länger und länger, senkte sich spät und schlug genau unter dem Querbalken ein. Der 2:1-Siegtreffer für Heimerdingen.
Der Jubel kannte kein Ende, Pellegrino sprang vor den heimischen Fans in die Luft und schrie inbrünstig seine Emotionen heraus. „Da ist alles rausgekommen, was in den letzten Spielen nicht gut gelaufen ist. Das Spiel war hart, es war nicht gut“, erzählte Pellegrino, das Tor habe sich wie eine Befreiung angefühlt.
Wenig Chancen in Hälfte eins
Dabei wäre der 33-jährige Dauerbrenner beinahe zur tragischen Figur des Tages geworden. In der 39. Minute schoss er bei einem Klärungsversuch Gegenspieler Christos Akritidis an, der Stürmer blieb am Ball und schob am herauseilenden TSV-Tormann Lukas Emmrich vorbei zur Führung für das Kellerkind ein. Es war der Höhepunkt einer chancenarmen ersten Halbzeit. Die erste Chance des Spiels hatten die Gäste bereits nach fünf Minuten, einen scharf geschlagenen Eckball von Gökhan Alkan lenkte Emmrich im letzten Moment über die Latte. Die größte Chance für Heimerdingen bot sich erst nach 29 Minuten, als Kapitän Sebastian Bortel nach einem weiten Einwurf von Haris Gudzevic am langen Pfosten in SV-Keeper Walter Timo Duschek seinen Meister fand.
Dem TSV fehlte die letzte Konsequenz im Angriff, symptomatisch für das zahnlose Offensivspiel war auch ein Angriff in der 35. Minute. Dennis de Sousa Lourenco, der kurzfristig den beim Aufwärmen an der Wade verletzten Stefan Schlick ersetzte, eroberte mit aggressivem Pressing den Ball. Dieser fand seinen Weg zu Top-Torjäger Gudzevic, dieser zog von der Strafraumgrenze überhastet ab und brachte nur einen harmlosen Roller zustande. „Katastrophal“ wurde das Angriffsspiel auf den Rängen genannt. „Sie spielen schlecht, die Gegner spielen noch schlechter“, lautete die treffende Beschreibung eines jungen Fans.
Nach der Pause wurde jedoch schnell ersichtlich, dass die TSV-Spieler auf Besserung aus waren. Nach Steckpass von de Sousa Lourenco und Querpass von Marius Riedmiller schob Bortel aus kurzer Distanz ins leere Tor zum Ausgleich ein (49.). In Hälfte zwei entwickelte sich ein Spiel auf ein Tor, den Gästen gelang bis auf einen Distanzschuss in der 60. Minute keine nennenswerte Tormöglichkeit. Auf der Gegenseite wiederum kam Heimerdingen zu mehr und mehr Chancen, zwei Treffer wurden sogar zurückgenommen. In der 58. Minute versenkte Gudzevic einen schnell ausgeführten Freistoß im Tor, den der Unparteiische jedoch wiederholen ließ, der zweite Versuch landete in der Mauer. Gudzevic traf in der 65. Minute auf Vorlage Riedmillers erneut das Tor, der Linienrichter hob jedoch die Fahne, was den TSV-Stürmer zu lautem Protest verleitete.
Mehr Gefahr strahlte Pellegrino in den Schlussminuten aus, servierte einen Eckball für Geppert, der knapp vorbeiköpfte (83.) und flankte eine Minute nach seinem finalen Tor auf den Kopf von Gudzevic, der am Torwart scheiterte. Beinahe wäre Heimerdingen spät bestraft worden – in der Nachspielzeit kam Alkan nach Flanke von Anakin Holdinghausen zum Abschluss, doch Lukas Emmrich packte zu und sicherte den Dreier.
Ein Pflichtsieg gegen den Letzten, dennoch war die Freude groß. „Ich freue mich immer über einen Sieg, das ist vollkommen klar. Wer das nicht macht, ist im Sport fehl am Platz“, meinte TSV-Trainer Markus Koch. Er sah ein mühevolles Spiel, seine Mannschaft wirkte teils verunsichert. Zumindest die zweite Hälfte gefiel Kapitän Bortel besser als der Auftritt in der Vorwoche. „Wir hatten uns in der Pause vorgenommen, dass wir den Samstag so nicht beenden können“, sagte der Torschütze zum 1:1 über zur Hälfte.
Koch sucht für die letzten Spiele nach der richtigen Herangehensweise, um dem Team mehr Sicherheit zu geben. „Wir kennen unsere Situation, da zählen Siege und kein Schönheitspreis“, betonte er. Dabei hätte das entscheidende Tor von Salvatore Pellegrino durchaus einen solchen Preis verdient. TSV Heimerdingen: Emmrich – Fota, Baumeister, Kuchtanin (46. Geppert), Pellegrino – Reichardt (82. Traore), Bortel, Milos, de Sousa Lourenco – Riedmiller (78. Banas), Gudzevic