Derweil ist der Angriffswunschtransfer des TSV Bernhausen fix – und wartet auf den MTV Stuttgart die sportlich schwerste Aufgabe des Wochenendes. Eine mit zudem düsteren Erinnerungen.
Crunchtime in der Fußball-Landesliga. Nur fünf Spieltage noch, und für alle vier Stuttgart/Filder-Mannschaften der Staffel ist nach wie vor völlig offen, wie die Saison enden wird. Spannende Fragen an diesem Wochenende: Kann der TSV Bernhausen nach der Kaderrückkehr seines derzeit wohl wichtigsten Spielers im Aufstiegsrennen Boden gut machen? Erhalten die „Veilchen“ womöglich sogar Schützenhilfe, indem der Abstiegskandidat MTV Stuttgart in seinem Heimspiel gegen den Tabellenführer überrascht? Und: Bewahrheiten sich die neuesten personellen Anzeichen beim ebenfalls unverändert um den Klassenverbleib bangenden TV Echterdingen? Dem Vernehmen nach steht jener vor der Verpflichtung von gleich zwei ehemaligen Torschützenkönigen.
SV Waldhausen – TSV Bernhausen (Samstag, 16 Uhr)
Platz-eins-Chance fürs Erste verspielt, Aufstiegschance hingegen unverändert gewahrt. Nach den beiden zuletzt enttäuschenden Unentschieden gegen die Abstiegskandidaten Geislingen (1:1) und Sontheim (0:0) biegt der TSV Bernhausen mit gedämpfter Stimmung auf die Zielgerade der Saison. Wobei: „Wenn man die Tabelle liest, ist ja nicht viel passiert“, sagt der Spielleiter Thomas Otto, der bei seiner Devise bleibt. Diese lautet: „Reicht es am Ende für die Verbandsliga, nehmen wir das gerne mit. Reicht es nicht, geht die lila Welt aber auch nicht unter.“ Heißt übersetzt so viel wie: nichts muss, alles kann. Tatsächlich ist für die Filderstädter im großen Spitzengruppenfeld von Abschlussrang eins bis sieben noch alles drin.
Gleiches gilt für die drei nächsten Gegner: Waldhausen, Köngen und Bad Boll – woraus dann schon zu erkennen ist, was die Stunde geschlagen hat. Es ist die Phase der möglichen Vorentscheidungen. Optimistisch stimmen Otto dabei zwei Faktoren. Erstens: Gegen die Vorderen des Klassements habe die Mannschaft meistens besser ausgesehen als gegen die Hinteren. Zweitens: Der Kapitän Ivan Matanovic ist diesmal wieder dabei – und damit der Spieler mit der zuletzt besten Form. Vor Wochenfrist hat sich das Fehlen des Torjägers, der auf einer Hochzeit in seiner Heimat Kroatien weilte, schmerzlich bemerkbar gemacht. Wie gesagt: Es stand, ganz ungewohnt für Bernhausener Verhältnisse, die Null. Flaute im Angriff. „Seine Abgebrühtheit vor dem Tor hat uns gefehlt“, sagt Otto.
Dass Matanovic in der nächsten Saison dann überhaupt fehlen wird, weil er wie berichtet den Verein verlässt, hat man am Fleinsbach mittlerweile als gegeben akzeptiert. Auch sein Weg wird voraussichtlich zum Staffelrivalen TV Echterdingen führen, so wie jener des Trainers Roko Agatic und von sieben Teamkollegen. Otto kann dies mittlerweile auch deshalb mit einer gewissen Gelassenheit sehen, da das Personalpuzzle zur Nachfolge immer festere Konturen bekommt. Neuester Stand: Im Gegenzug ist ein neunter Zugang fix. Eingetütet ist seit dieser Woche auch die Verpflichtung des Angreifers und damit potenziellen Matanovic-Nachfolgers Ekrem Servi, die sich ja bereits seit Wochen angebahnt hatte. Der 23-Jährige kommt vom Ortsnachbarn TSV Plattenhardt.
Im bisherigen Kader gibt es derweil vor allem noch zwei Stammspieler-Fragezeichen. Der Spielmacher Filip Jordacevic und der Innenverteidiger Ovidiu-George Sterian liebäugeln laut Otto mit höherklassigen Engagements. Ob ein Bernhausen-Aufstieg einen Bernhausen-Verbleib begünstigen würde, wäre abzuwarten. In Bezug auf Jordacevic sagt Otto: „Er hat sich bei uns toll entwickelt. Für seine Entscheidung wollen wir keinen großen zeitlichen Druck aufbauen.“
Aktuell, für diesen Samstag im Aalener Stadtteil Waldhausen, fallen zwei andere Spieler aus: Erik Meinlschmidt (Urlaub) und Mikail Gümüssu (familiär bedingt in der Türkei) stehen nicht zur Verfügung.
GSV Maichingen – TV Echterdingen (Sonntag, 15 Uhr)
Geraume Zeit lang schien es so, als wäre mit seinem Einstieg etwas anderes beim TV Echterdingen auf nahezu wundersame Weise schlagartig verschwunden. Daniel Heisig als neuer Trainer da – und das monatelang fast schon aberwitzige Verletzungspech? Schwupp und weg. Doch ganz so glücksbehaftet geht es dann offenbar doch nicht, wie inzwischen die Realität beweist. Just in der wichtigen Schlussphase der Saison holt das leidige Thema die Gelb-Schwarzen nun wieder ein. Für zwei Leistungsträger droht die Runde bereits beendet zu sein. Genauer gesagt: Im Fall des Torjägers Flon Ajvazi gilt dies definitiv, nachdem die Untersuchungen bei ihm einen Bänderriss im Sprunggelenk ergeben haben. Und auch um den Verteidiger Leo Milutinovic sieht es nicht gut aus. Diagnose für ihn: ein Muskelfaserriss im Adduktorenbereich.
„Das sind zwei bittere Ausfälle“, sagt Heisig. Gleichwohl soll es die Mannschaft an diesem Sonntag wieder besser machen als zuletzt in Eislingen (2:4) und im Derby gegen den MTV Stuttgart (1:1). Heisigs wichtigster Ansatzpunkt: „Wir dürfen nicht erneut früh in Rückstand geraten. Es gilt, jetzt wieder von Beginn an fokussiert bei der Sache zu sein.“ Vielleicht ja mit dem flankierenden Hinweis an alle Beteiligten, dass im Kampf gegen den Abstieg noch nichts Endgültiges errungen ist. Vier Punkte Abstand zu Rang 13, der nach jetzigem Stand der Relegationsplatz wäre, stellen kein Ruhekissen dar. Selbst der aktuelle Gegner Maichingen kann sich als Zehnter noch nicht auf der sicheren Seite wähnen. Freilich, ein Sieg beim Team um den Ex-Zweitliga-Profi Michael Klauß (39, früher VfB Stuttgart II, VfR Aalen, Stuttgarter Kickers) wäre für die Echterdinger ein großer Schritt.
In der nächsten Saison dann, das wird immer klarer, werden sich die Fans an viele neue Gesichter gewöhnen müssen, auch wenn der Verein nach Außen hin weiterhin keinen Planungsstand bekannt geben will. Dass es zu einem mächtigen Kaderumbruch kommen wird, gilt als sicher. Hauptgrund, wie berichtet: interne Kommunikationsmängel, spät begonnene Gespräche, ein zwischen sportlicher Leitung und Kickern entstandener Riss. Der Großteil des aktuellen Stammpersonals wird mittlerweile bei anderen Vereinen gehandelt, der erwähnte Milutinovic zum Beispiel beim Noch-Verbandsligisten FC Esslingen.
Demgegenüber dürften aber, wenn die Anzeichen nicht trügen, auch weitere namhafte Zugänge stehen. So arbeitet der Filderclub offenbar an der Verpflichtung von gleich zwei vormaligen Torschützenkönigen. Im Fall von Ivan Matanovic (32), des Kapitäns des TSV Bernhausen, war dies bereits bekannt. Matanovic selbst sagt auf Nachfrage: „Es ist noch immer nichts entschieden. Aber es sieht gut aus.“ Er wäre Spieler Nummer acht, der im Sommer vom Fleinsbach in die Goldäcker wechseln wird.
Und: Auch David Govorusic soll auf dem Echterdinger Zettel weit oben stehen. Der 27-jährige ehemalige Junioren-Bundesliga-Spieler (VfB Stuttgart, Eintracht Frankfurt) stürmt momentan noch für den Staffelrivalen FV Neuhausen. In der Saison 2023/2024 war er für den TSV Bad Boll trefferreichster Knipser der Staffel.
MTV Stuttgart – TSV Ehningen (Sonntag, 15 Uhr)
Eigentlich müsste ja die bloße Erwähnung dieses Gegnernamens reichen, um am Kräherwald erschrocken zusammenzucken zu lassen. Auch wenn es schmerzt, die Erinnerung lässt sich nicht ausblenden. Im Oktober war es, das Hinspiel – und am Ende hatte die damalige Krise des MTV Stuttgart ihren tiefsten aller Tiefpunkte erreicht. Das Ergebnis seinerzeit: ein 0:8. Ein willenlos wirkendes Gästeteam musste dabei noch froh sein, dass es nicht zweistellig wurde.
Nun, an diesem Sonntag, kommt es zum Wiedersehen. Und: rein tabellarisch betrachtet türmt sich der Kontrahent als sogar noch größeres Hindernis auf. Denn mittlerweile, nach zuletzt vier Siegen in Serie, grüßen die Ehninger vom ersten Tabellenplatz. Überhaupt beschert es der Spielplan den MTV-Kickern gerade dick. Erst Ehningen, dann Waldstetten (auswärts am 17. Mai) – die beiden Führenden des Klassements als Aufgabenpaket. Oder, um es mit dem Spielleiter Luca Luchetta zu sagen: „Zwei richtige Bretter.“ Und zwei Aufgaben, die eine vorentscheidende Bedeutung haben könnten.
Läuft es schlecht, hat sich die wieder aufgekeimte Hoffnung auf den Nichtabstieg danach vielleicht erledigt. Dann womöglich doch ein vorzeitiges: Willkommen zurück in der Bezirksliga. Läuft es hingegen gut, könnte dies der Push sein, der die Mannschaft für den Saisonendspurt erst richtig auf Betriebstemperatur bringt. „Es wäre natürlich vermessen, zu sagen, wir gewinnen diese beiden Spiele“, sagt Luchetta. Aber: „Auch wir selbst sind gerade in einem guten Flow. Und jeder Punkt, den wir mitnehmen, wird in der Abrechnung helfen.“
Wobei die aktuelle Tabellenkonstellation indes gar nicht hilfreich ist, daraus macht Luchetta keinen Hehl, ist die personelle Gestaltung für die nächste Saison. Ja, Sahin Üste (zuletzt TSV Münchingen) steht wie berichtet als Nachfolger des scheidenden Noch-Coachs Björn Lorer (Fußballpause) fest. Und 14 Spieler des aktuellen Kaders haben wie ebenfalls berichtet ihren Verbleib zugesagt. Darüber hinaus aber? „Wegen der ungeklärten Ligazugehörigkeit sind wir ein bisschen in einem Vakuum, das die Planung sehr schwierig macht“, sagt Luchetta.
Für diesen Sonntag ist es immerhin so, dass sich bei den zuletzt angeschlagen fehlenden Mertcan Özocak, Daniel Rudolph und Denzel Debrah eine Rückkehr ins Aufgebot abzeichnet. Weiter raus ist der Defensivallrounder Filip Primorac. Er weilt auf Geschäftsreise.
TSV Plattenhardt – SV Böblingen (Sonntag, 15 Uhr)
Vorschau siehe hier.