Insgesamt sieben Treffer auf der Waldebene, 40 Minuten Unterbrechung in Stetten, Rot für den Trainer des ABV Stuttgart – die Staffel 2 startet turbulent in die Rückrunde.
Was für ein Auftakt! Viel hat nicht gefehlt, und die Rückrunde in der Staffel 2 der Fußball-Kreisliga A Stuttgart/Böblingen hätte mit einer faustdicken Überraschung begonnen. Nur mit Mühe wendete der Tabellenführer und Titelfavorit FSV Waldebene Stuttgart-Ost am Sonntag eine Auftaktschlappe ab. Der Blick auf alle acht Begegnungen des 16. Spieltags.
FSV Waldebene Stuttgart-Ost – MK Makedonija Stuttgart 4:3
Trotz Turbulenzen hinter den Kulissen haben sich die Spieler von Makedonija erst einmal unbekümmert ans Werk gemacht und als Tabellenvorletzter dem Tabellenführer auf eigenem Platz kräftig eingeschenkt. Zuvor, in der Winterpause, hatte sich der Abteilungsleiter Jan Dimitrovski nach Meinungsverschiedenheiten mit dem Trainer Zhivko Kolev sowie einigen Spielern zurückgezogen. Nachdem der Coach aktuell auch noch eine Sperre absitzen muss, übernahmen dessen Sohn Ljupco sowie der verletzte Mittelstürmer Aleksandar Stoilov die Teambetreuung. Völlig losgelöst von allen Wirrungen trat insbesondere Walter Vins auf, der laut Stoilov „das Spiel seines Lebens machte“ und mit seinen Treffern zum 0:1 und 0:3 auch den Waldebene-Trainer Rocco Cesarano beeindruckte: „Beide Tore aus rund 25 Metern Entfernung hatten Tor-des-Monats-Klasse“, sagt er.
Und somit, ja, richtig gelesen, lag der Abstiegskandidat Makedonija beim Titelfavoriten mit drei Toren vorne. „Wir haben den Anfang völlig verschlafen, und die haben dreimal aufs Tor geschossen und dabei dreimal getroffen“, bilanziert Cesarano, der also reagieren musste. Durch Spielerwechsel und Umstellungen schickte er insgesamt fünf Kicker in die Abteilung Attacke. Dementsprechend höher wurde der Druck auf die Gäste. „Wir haben die letzten 25 Minuten im Prinzip nur noch verteidigt. Und es war nur eine Frage der Zeit, wann wir die Treffer kassieren“, beobachtete Stoilov von der Bank – und notierte am Ende einen noch verdienten Sieg des Gegners, der seine Aufholjagd durch einen späten Doppelpack von Ioannis Potsou krönte.
„Es spricht für die Moral, die Qualität und die Fitness der Mannschaft, dass wir das Spiel dann doch noch herumgerissen haben“, sagt Cesarano, der von sich behauptet, selten auf die Tabelle zu schauen. Aber als er feststellte, dass der Verfolger ABV Stuttgart zeitgleich nur eine Punkteteilung erreicht hatte, freute er sich noch mehr.
Trübsal hingegen beim abstiegsbedrohten MK Makedonija Stuttgart. Dort soll nun eine Mitgliederversammlung am 28. März klären, wie es mit dem Verein und der Abteilung weitergeht. „Wir sind jetzt erst einmal unter uns Spielern. Aber ganz klar ist der Klassenerhalt unser Ziel“, sagt Aleksandar Stoilov.
Tore: 0:1 Vins (6.), 0:2 Genter (45.+1), 0:3 Vins (54.), 1:3 Renner (63.), 2:3 Kobuladze (72.), 3:3 Potsou (88.), 4:3 Potsou (90.)
Besonderes: rote Karte für Miroslav Jeremic (Makedonija, 90.+1/Meckern)
Spvgg Stetten – TSV Rohr 1:1
Das Gastgeber-Team von Trainer Erdinc Cakir hat mit der bislang besten Abwehr der Staffel auch gleich nach der Winterpause wieder nur ein Gegentor zugelassen. Doch die Partie gegen den TSV Rohr, „wahrlich keine Laufkundschaft mit einem sehr guten Trainer“, so Cakir, wurde von einer schweren Verletzung überschattet. Bei einem Zusammenprall mit einem Mitspieler in der 64. Minute verletzte sich der Stettener Dennis Dast schwer am Unterarm. Ein Rettungswagen wurde benötigt. Das bis dahin torlose Spiel musste für 40 Minuten unterbrochen werden. Umso erstaunlicher, dass die Heimelf, die den Unfall ihres Teamkollegen zu verdauen hatten, danach durch einen Treffer von Robin Hock in Führung ging – zum Ärger des Rohrer Trainers Klaus Kämmerer: „Wir hatten mindestens fünf oder sechs hundertprozentige Torchancen und waren klar die bessere Mannschaft, aber wir lassen einen Punkt liegen“, sagt er.
Genau so wie sein Gegenüber Cakir gelobt hebt auch Kämmerer den Stettener Torschützen Hock hervor. „Wir selbst haben lauter gute Jungs, aber eben keinen kühlen Knipser wie ihn. Und so reicht es den Gegnern oft, unsere Fehler zu bestrafen“, sagt Kämmerer. Wenigstens sei dann kurz vor dem Ende noch der Ausgleich gelungen.
Für die Stettener war das Ergebnis in Anbetracht der Umstände derweil eher unwichtig. „Wir hätten lieber verloren und Dennis Dast wäre gesund geblieben“, sagt Cakir. Besondere Tragik: Den Routinier hatte er aufgrund zahlreicher Ausfälle über die Winterpause erst als Aushilfe aus der AH-Mannschaft aktiviert.
Tore: 1:0 Robin Hock (68.), 1:1 Seker (85.)
Besonderes: 40 Minuten Spielunterbrechung aufgrund eines Rettungswageneinsatzes (64.)
TSV Heumaden – SV Sillenbuch 1:3
Ernüchterung beim Drittletzten TSV Heumaden. „Dass es für uns gegen Sillenbuch nicht so gut gelaufen ist, ist noch positiv ausgedrückt“, sagt Akim Linke vom Trainerteam der Gastgeber. „Über unseren Auftritt vor allem in der ersten Halbzeit sind wir eigentlich sprachlos.“ Dabei sei es in der Rückrundenvorbereitung gut gelaufen. Drei Testspiele, drei Siege, alle waren zuversichtlich gestimmt. Und dann das. „Und wenn es nicht läuft, dann eben durch Kämpfen, Kratzen, Beißen. Aber der Kampfgeist hat gefehlt. Als ob nicht alle bereit wären“, sagt Linke. Die Sillenbucher Elf habe völlig verdient gewonnen. Was deren Co-Trainer Nico Hering – kein Wunder – ebenso sieht. „Wir hätten eigentlich noch mehr Torchancen nutzen müssen, insofern hätte es für uns um einiges entspannter laufen können. Aber selbst, als fast aus dem Nichts heraus der Anschlusstreffer fiel, haben wir uns nicht weiter irritieren lassen“, konstatiert er.
Herings Team holt mit diesem souveränen Auftritt wertvolle Derby-Punkte und klettert in der Tabelle auf den elften Rang, während der TSV Heumaden weiterhin auf einem Abstiegsplatz verweilt.
Tore: 0:1 Gulde (12.), 0:2 Auhagen (18.), 1:2 Floeter (48.), 1:3 Curic (63.)
Besonderes: –
KF Kosova Bernhausen – Sportfreunde Stuttgart 5:3
An einem Spieltag, der reichlich Punkteteilungen zu verzeichnen hatte, ragt die Begegnung des bisherigen Tabellenvierten Kosova mit dem Tabellendreizehnten Sportfreunde Stuttgart heraus: Gleich acht Treffer fielen. Und es hätten sogar noch mehr werden können, hätten die Bernhausener nicht gleich zwei Elfmeter verschossen.
Viel los also für Tim Schwab, der sich sonst um die zweite Mannschaft der Sportfreunde kümmert, aber am Sonntag den im Urlaub weilenden Tim Eichler an der Seitenlinie vertrat. „Wir haben uns 60 Minuten lang in Unterzahl schwer wehren müssen“, sagt er. Lukas Tieke hatte wegen eines Foulspiels glatt Rot gesehen. Doch das Auflehnen gegen den vermeintlich übermächtigen Gegner gelang zunächst prächtig. Erst erzielte Max Hermann kurz vor dem Pausenpfiff den Ausgleich. Dann gingen die Degerlocher durch eigenen Strafstoß sogar in Führung. „Man hat jedenfalls nicht gemerkt, dass wir aus dem Tabellenkeller kommen“, sagt Schwab. Und auch Shefki Gjuraj, Trainer des nun Tabellendritten Kosova, sieht die Sportfreunde besser, als ihr Tabellenplatz vermuten lässt.
In der Schlussphase erzwang der Favorit um den Doppeltorschützen Artian Sylaj dann aber doch die Wende. „Im Grunde hat es bei uns ganz gut geklappt“, sagt Gjuraj. „Wir haben viele junge, aber sehr gute Spieler, die noch ein wenig lernen müssen, aber derzeit läuft es bei uns.“
Tore: 0:1 Hassoun (12.), 1:1 Babaj (17.), 2:1 Ramadani (25.), 2:2 Hermann (45.), 2:3 Amann (53., Foulelfmeter), 3:3 Sylaj (68.), 4:3 Sylai (79.), 5:3 Babaj (90.)
Besonderes: Shahin (Sportfreunde) wehrt Foulelfmeter von Ajet Shatrolli ab (8.); rote Karte für für Lukas Tieke (Sportfreunde, 32./grobes Foulspiel); Babaj (Bernhausen) verschießt Foulelfmeter (49.)
KV Plieningen – ABV Stuttgart 1:1
Gemischte Gefühle beim KV Plieningen: „Wenn man in der 79. Minute das Führungstor erzielt, ist man natürlich enttäuscht, wenn es nicht zum Sieg reicht“, sagt der Trainer Nikolai Pozorski. Doch mit Abstand betrachtet, freut er sich über eine gute Leistung seiner Mannschaft gegen den Tabellenzweiten. „Es zeigt uns, dass wir uns vor niemandem verstecken müssen, und in diesem Sinne werden wir weiterarbeiten.“
Ein wenig anders sieht das Achim Häusler, seines Zeichens Trainer des Gegners ABV Stuttgart. „Wir sind gegen ein Team angetreten, das nicht wollte und nicht konnte. Einzig lange Bälle schlagen, führt halt nicht zu einem richtigen Fußballspiel“, lautet seine Kritik. „Wir dagegen haben versucht, Fußball zu spielen.“ Allerdings hat auch seine Truppe trotz stetig zunehmender Vehemenz wenig Erfolg gehabt und mehrfach freistehend vor dem Torwart die Chancen nicht genutzt – während der Gegner gleich beim ersten und nach Häuslers Meinung einzig ernstzunehmenden Torschuss durch Djellon Dragusha erfolgreich war. Bedient war Häusler dann zudem durch seine Hinausstellung in der 86. Minute. „Ein Torwartabschlag ging in unsere Richtung, also zur Trainerbank. Der Ball sprang auf, und weil ich vermeiden wollte, dass der Ball über den Zaun im Dickicht verschwindet, habe ich ihn halt zurück ins Feld gefaustet. Dieses Vorgehen wurde als Spielverzögerung geahndet“, schildert er das Geschehen. Der Schiedsrichter zog Rot.
In der Tabelle haben Häusler und sein Team nun fünf Punkte Rückstand auf den Spitzenreiter Waldebene. Der KV Plieningen rutscht einen Platz nach unten auf Rang neun.
Tore: 1:0 Dragusha (79.), 1:1 Omoregie (85.)
Besonderes: rot Karte für Trainer Häusler (ABV Stuttgart, 86./Ballwegschlagen, Spielverzögerung)
Spvgg Möhringen – TV Kemnat 2:2
Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Wenn man den Tabellenletzten empfängt, kann man schon mal im Voraus an drei Punkte auf der Habenseite denken. Pustekuchen! „Das Unentschieden ist völlig gerechtfertigt“, sagt Tobias Fuchs, der Trainer des Tabellenzehnten Spvgg Möhringen. „Wir waren anfangs zu ideenlos und wurden früh mit zwei Toren bestraft.“ Doch sein Team habe sich nicht weiter beirren lassen. Die Grundtugenden würden stimmen. Positiv für Fuchs: „Wir sind dran geblieben und haben uns noch eine Punkteteilung erkämpft.“ Dabei sei der Anschlusstreffer von Tom Fresser überragend herausgespielt worden. In der Folge machte sein Team weiter Druck und kam durch Maurice Ottilie zum Ausgleich. Weitere Gegentreffer verhinderte der Möhringer Torhüter Denis Agovic mit einigen Paraden. „Die Liga ist eng. Jeder kann jeden schlagen. Insofern wurmt es mich aber, seitdem ich gesehen habe, dass unsere Konkurrenz auch nur bei Punkteteilungen beteiligt war und wir die Chance verpasst haben, einen guten Sprung nach oben zu machen“, sagt Fuchs.
Zudem schickt er Genesungswünsche Richtung Kemnater Gäste. Deren doppelter Torschütze Dean Kovacevic musste in der 78. Minute verletzt ausgewechselt werden.
Tore: 0:1 Dean Kovacevic (27., Foulelfmeter), 0:2 Dean Kovacevic (29.), 1:2 Fresser (43.), 2:2 Ottilie (83.)
Besonderes: –
FV Germania Degerloch – SV Hoffeld 2:2
Zahlenspiele: Der Tabellendritte tritt beim Tabellensechsten an. Nur eine Mannschaft sorgt für die Tore. Am Ende teilen sich beide Teams die Punkte. Geht nicht? Geht doch! Möglich machte dies ein doppeltes Pech des Hoffelders Daniel Ade, dem gleich zwei Eigentore unterliefen. „Wir haben ihn getröstet. So etwas kann jedem passieren, das geschieht auch bei den Profis“, sagt der Trainer Grigorios Dimoulatos zum rabenschwarzen Tag seines Abwehrspielers, der sich wohl am liebsten vom Degerlocher Erdboden weggebeamt hätte. Glück somit für die Gastgeber auf ihrem kleinen Spielfeld, obwohl sie dann noch zwei „richtige“ Tore kassierten. Der Germania-Trainer Claudio Marques sieht es so: „Wir mussten mit dünner Personaldecke antreten, inklusive drei A-Jugendlichen in der Startelf. Nach einer eher mittelmäßigen Vorbereitung habe ich nicht viel erwartet.“
Nach dem ersten Treffer von Ade drückten die Hoffelder mehr und schafften den Ausgleich durch Hans Fakner. Doch ein großes Strafraum-Getümmel nach einem Eckball nur drei Minuten später führte dazu, dass Ade erneut als Torschütze notiert wurde – aber eben wieder auf der falschen Seite. „Es war schwer zu sehen, wer letztendlich die letzte Ballberührung hatte. Aber der Ball war halt hinter der Linie“, sagt der Degerlocher Coach Marques.
Beide Trainer sind nach dem kuriosen Spielverlauf mit der Punkteteilung einverstanden. Beide Mannschaften rutschen dadurch in der Tabelle aber einen Rang tiefer. Die Gastgeber sind nun Siebter, die Gäste Vierter.
Tore: 1:0 Ade (13., Eigentor), 1:1 Fakner (53.), 2:1 Ade (56., Eigentor), 2:2 Wüst (66.)
Besonderes: –
GFV Ermis Metanastis Stuttgart – SV Vaihingen II 4:3
Richtig gewählt: Die Neuzugänge Grigorios Almpantis (vom Bezirksligisten TSV Berkheim) und Ardi Kryeziu (vom Bezirksligisten Türkspor Nürtingen, zuvor TSV Heumaden) haben sich bei ihrem Debüt für Ermis Metanastis gleich in die Torschützenlisten eingetragen und mit dazu beigetragen, dass ihre neue Mannschaft auf den fünften Tabellenplatz klettert. Der Trainer Jetmir Fetai ist dementsprechend zufrieden. „Trotz einiger Ausfälle in der Defensive haben die Jungs super gut gearbeitet“, sagt er. Erst gegen Ende der Partie gesellte sich seiner Meinung nach der Schlendrian hinzu – vielleicht auch verständlich, wenn man mit 4:1 vorne liegt und nicht mehr lange zu spielen ist.
Für den Vaihinger Spielertrainer Oliver Heringhaus brachte die Partie nicht viel Neues. Die neunte Niederlage in Serie, und wieder war es die Verteidigung, an der es hakte. „Tore schießen können wir, aber hinten ist unsere Baustelle. Da fehlt uns der letzte Punch“, sagt Heringhaus, den das Ergebnis weniger schmerzt. Er weiß: „Wir müssen unsere Punkte gegen Teams holen, die hinter uns platziert sind.“ Der aktuelle Gegner gehörte nicht dazu. Außerdem sieht der Coach gegenüber dem vergangenen Jahr durchaus eine Entwicklung in seiner Mannschaft, die ihn positiv stimmt. Und der Kampfgeist stimmt auch: Trotz einem 1:4-Rückstand gab sein Team nicht auf und beschönigte das Resultat in den letzten drei Minuten noch etwas.
Tore: 1:0 Almpantis (12.), 2:0 Gkiagkiaev (31., Foulelfmeter), 2:1 Di Nunno (35.), 3:1 Kryeziu (42., Handelfmeter), 4:1 Kryeziu (84.), 4:2 Kousol (88.), 4:3 Pisacane (90.+1)
Besonderes: –