Torhüter mit Torriecher: Niklas Wegner (gelb) erzielte für den SV Prag Stuttgart gegen seinen Ex-Verein den späten Ausgleich. Foto: Günter Bergmann

Während das Spitzenduo Türkspor und Beograd im Gleichschritt marschiert, zieht der TB Untertürkheim nach dem Kellerduell die Trainer-Reißleine.

Am achten Spieltag der Fußball-Kreisliga A Stuttgart/Böblingen, Staffel 1, hat die Schießbude weiter an ihrem Ruf der Wundertüte gearbeitet. Derweil lässt es Türkspor einmal mehr krachen und sorgt beim SV Prag Stuttgart ein Spieler für die kurioseste Geschichte des Sonntags. Der Blick auf die Begegnungen.

 

SG Stuttgart-West – Türkspor Stuttgart 2:7

Nach dem 6:2-Sieg gegen den TV Zazenhausen hat der Tabellenzweite Türkspor das nächste Schützenfest folgen lassen. Und anders als in der Woche zuvor war der Trainer Memik Erdogan dieses Mal rundum zufrieden. „Wir haben über 90 Minuten unser Spiel durchgezogen und dem Gegner eigentlich keine Chance gelassen“, sagt er. Zwar habe dieser versucht, „mit allem, was er hatte, dagegenzuhalten“, insgesamt sei West in seinem Spiel aber zu unsauber gewesen. Erfolgreichster Schütze war einmal mehr der Ligatoptorjäger Emir Dogansoy, der in der ersten Hälfte noch per Elfmeter am gegnerischen Keeper gescheitert war, in der Schlussphase aber noch einen Dreierpack schnürte und bei nunmehr 16 Saisontoren steht. Etwas überrascht war Erdogan ob der Leistung der Gastgeber aber doch: „Normalerweise kassieren sie nicht so viele Tore“, sagt er, und fügt mit einem Augenzwinkern an: „Ich hoffe, nächste Woche machen sie es besser.“

Dann muss die SG Stuttgart-West beim OFK Beograd ran, der dank der um zwei Treffer besseren Tordifferenz vor Türkspor auf Platz eins liegt. Die Erwartungen vor dieser nächsten Mammutaufgabe? „Beograd spielt viel durch das Zentrum, darauf sind wir vorbereitet“, sagt Senai Tasfaldet, Coach der West-Stuttgarter, und fügt an: „Aber sie haben nicht die individuelle Klasse wie die Kicker von Türkspor.“ Neben Dogansoy war es vor allem der Kapitän Ugur Capar, der dem Tabellensechsten das Leben schwer machte. Tasfaldet schränkt aber ein: „Nimmt man die beiden raus, ist das Spiel ein anderes.“ Die Fehler auf der eigenen Seite: „Uns haben die Entschlossenheit und der Mut gefehlt, offensiv wie defensiv.“

Tore: 0:1 Damir Bosnjak (15.), 0:2 Genc (17.), 1:2 Fetsch (26.), 2:2 Ertan Bozkurt (30., Eigentor), 2:3 Haklaj (33.), 2:4 Capar (55.), 2:5 Dogansoy (67.), 2:6 Dogansoy (72.), 2:7 Dogansoy (83.).

Besonderes: Maier (West) wehrt Foulelfmeter von Dogansoy ab (30.).

TSV Münster – SG Weilimdorf 2:1

Der TSV Münster hat sich von der 0:3-Pleite bei Beograd erholt und bleibt dank des Sieges gegen Weilimdorf in Schlagdistanz zum Spitzentrio. Als spielentscheidend stellte sich die rote Karte für den Gästeakteur Anton Dietzhausen nach 40 Minuten beim Stand von 1:1 heraus. „Der Platzverweis wurde dem Gegner zum Verhängnis. Davor hat Weilimdorf sehr stark dagegengehalten“, konstatiert der Trainer Uwe Braun. „Danach war es aber nur eine Frage der Zeit, bis wir das Tor machen.“ Gerechtfertigt war die Hinausstellung allemal. Dies sieht auch Brauns Gegenüber Tilmann Janik nicht anders: „Er ist mit viel Risiko von hinten in den Spieler gegangen, und das nahe der Mittellinie am Rand des Spielfelds. Übermotiviert und unnötig“, sagt er. Beim Gefoulten handelte es sich um Daniel Weiß, der zuvor noch das frühe 1:0 für die Gastgeber erzielt hatte und der die Situation glücklicherweise schadlos überstand.

Während Braun von einem verdienten Sieg spricht, ist auch Weilimdorfs Janik – abgesehen von der roten Karte – nicht unzufrieden mit dem Auftritt der Seinen. „Wir haben unglücklich verloren, haben aber ein sehr gutes Spiel gemacht. Nach dem Platzverweis war aber klar, dass irgendwann ein Ball durchrutschen würde“, konstatiert er. So geschehen durch Ismet Alkan, der als Abwehrspieler bereits das dritte Tor im fünften Spiel für Münster erzielte. In der kommenden Partie empfangen die siebtplatzierten Weilimdorfer das Kellerkind TV Zazenhausen. Janik ist aber gewarnt: „Wenn wir keine 100 Prozent geben, sind wir anfällig. Wir dürfen sie nicht unterschätzen.“

Tore: 1:0 Weiß (6.), 1:1 Schdanowitsch (35.), 2:1 Alkan (70.).

Besonderes: rote Karte für Dietzhausen (Weilimdorf, 40./grobes Foulspiel).

TSV Weilimdorf II – Sportvg Feuerbach 0:1

Das aktuell formstärkste Team der Staffel kommt aus Feuerbach. Der Sieg in Weilimdorf bedeutet für den Bezirksliga-Absteiger den vierten Dreier in Folge. „Die Mannschaft nimmt die Liga an und entwickelt sich in die richtige Richtung“, sagt der Trainer Sven Damnig zufrieden. Dabei entpuppte sich der Gegner als schwierige Aufgabe. „Das ist keine typische Kreisliga-Truppe. Das Team ist gespickt mit guten Spielern und bekommt natürlich durch Aushilfen aus seiner Verbandsliga-Mannschaft enorme Qualität“, beschreibt der Coach den Gegner. Für den letztlich verdienten Sieg der Seinen machte er die große Disziplin und „tolle Umschaltmomente“ verantwortlich. Einziger Makel: „Wir waren zu schlampig vor dem Tor und haben Weilimdorf am Leben gelassen.“

Als der gastgebende Aufsteiger in den Schlussminuten noch einmal aufdrehte, waren es Keeper der Raphael Kugel und der Abwehrmann Felix Grimmelsmann, die mehrmals „in letzter Instanz retteten“ und so den Auswärtssieg sicherten. Im Einsatz waren auf Weilimdorfer Seite zwei Spieler aus dem ursprünglichen Kader der „Ersten“: Fadel Boukari und Anthony Jeremy Raheem, der inzwischen aus beruflichen Gründen kürzer tritt.

Tore: 0:1 Kalkat (64.).

Besonderes: –

TV Zazenhausen – OFK Beograd Stuttgart 0:4

Der Spitzenreiter hat sich auch beim Kellerkind keine Blöße gegeben und am Ende deutlich gesiegt. Vorausgegangen ist aber ein hartes Stück Arbeit. „Zazenhausen hat hinten den Bus geparkt,“ sagt der Trainer Sasa Aleksic. „Fünferkette in der Abwehr, zwei Meter davor nochmal drei Spieler, das ist nicht einfach.“ Stolz macht den Coach aber ein Faktor, auf den der 53-Jährige größten Wert legt: „Die Jungs haben die Ruhe bewahrt.“ Unmittelbar vor der Pause besorgte David Lazic die Führung, ehe in Hälfte zwei Nikola Lakovic und zweimal Nikola Sijakovic den standesgemäßen Sieg in Sack und Tüten brachten. Im Gegensatz zu vielen Konkurrenten in der Liga, die laut Aleksic „aggressiv und mit wenigen Kontakten“ nach vorne spielen, ist er auf ein geordnetes Aufbauspiel und gute Organisation in der Offensive bedacht. Für ihn von elementarer Bedeutung: das Torwartspiel. In Jovan Tesic kehrte der Stammkeeper nach Verletzungs- und anschließender Urlaubspause in die Startelf zurück. „Ein guter Torwart ist die halbe Mannschaft“, sagt der Trainer über seinen Schlussmann.

Auf der anderen Seite steht bei Zazenhausens Coach Stefan Schuon die Erkenntnis: „Beograd ist der verdiente Spitzenreiter. Das war die beste Mannschaft, gegen die wir bisher gespielt haben.“ Worte, die Gewicht haben, blickt man auf die vergangenen Gegner der Zazenhausener wie Türkspor, SG Stuttgart-West und TV 89 Zuffenhausen zurück. Immerhin aber erkennt Schuon auch bei den Seinen eine positive Entwicklung: „Mit unseren Leistungen aus den ersten Saisonspielen wären wir gegen Beograd mit 0:14 untergegangen. Langsam und mühsam geht es also bergauf.“

Tore: 0:1 Lazic (45.+3), 0:2 Lakovic (50.), 0:3 Sijakovic (55.), 0:4 Sijakovic (86.).

Besonderes: –

SportKultur Stuttgart – TB Untertürkheim 1:1

Kellerduell, zwei rote Karten, zwei Elfmeter – und doch bestimmt bei den Untertürkheimern eine andere Schlagzeile das Wochenende: Ivo Ilijasevic ist seinen Trainerjob los. Am Sonntag stand er noch am Spielfeldrand, dann folgte das Gespräch mit dem Verein – und schließlich die Verabschiedung von der Mannschaft. „Es war sehr emotional auf beiden Seiten“, verrät Ilijasevic. „Man hat gemerkt, dass es zwischen mir und den Jungs gepasst hat.“ Der 28-Jährige, der insgesamt sieben Jahre als Spieler und Trainer beim Verein aktiv war, hatte vor zwei Jahren als Chefcoach übernommen. Nach einem schwachen Saisonstart wartet der Tabellenletzte noch immer auf seinen ersten Sieg – für die Vereinsführung der Grund, die Reißleine zu ziehen. „Es war nicht überraschend, hat mich aber trotzdem getroffen“, sagt Ilijasevic. „Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge und bin dem TBU dankbar für alles.“ Seine Nachfolge ist noch nicht geklärt.

Indes stand das Duell mit dem Gegner aus Wangen, der ebenfalls weiterhin auf den ersten Dreier wartet, spätestens von der 65. Minute an ganz im Zeichen des Abstiegskampfs. Nach Provokation durch einen Gegenspieler brannten SportKulturs Othmann Biachach die Sicherungen durch. Während Ilijasevic von einem „Schlag mit der flachen Hand auf den Nacken“ sprach, sah sein Trainergegenüber Ender Mermer aus der Distanz vielmehr einen heftigen Schubser. Einig sind die beiden sich aber: Die rote Karte für den 17-Jährigen war absolut berechtigt. In der Folge hat sich laut Mermer ein zuvor ruhiges Spiel in ein hitziges Hin und Her verwandelt. Nur rund fünf Minuten später flog auf Gastgeber-Seite auch noch Mert Korkmaz vom Feld, dem der Schiedsrichter unterstellte, per Hand eine Untertürkheimer Torchance vereitelt zu haben. „Eine absolute Fehlentscheidung, unser Torwart hat den Ball gehalten“, sagt Mermer. Im Strafraumgetümmel habe der Offizielle die beiden verwechselt. Den anschließenden Strafstoß verwandelte Yannick Riess-Morales zum 1:1, das die Gastgeber trotz doppelter Unterzahl über die Zeit brachten.

Mermers Fazit: „Wir sind selber Schuld. Auch wenn wir in großen Teilen ein gutes Spiel gemacht haben, darf uns die erste rote Karte nicht passieren.“

Tore: 1:0 Kavraz (34.), 1:1 Riess-Morales (71., Handelfmeter).

Besonderes: rote Karte für Biachach (SportKultur, 65./Tätlichkeit) und Korkmaz (SportKultur, 70./Handspiel).

SV Prag Stuttgart – TV 89 Zuffenhausen 2:2

Als Niklas Wegner in der 90. Minute bei den Pragern zur Einwechslung bereit stand, schwante Zuffenhausens Trainer Umut Yürük bereits Böses. „Wenn der trifft, fress’ ich einen Besen“, sagte er seiner Bank. Die besondere Vorgeschichte: Wegner spielte einst bei Zuffenhausen, in erster Linie als Torwart, wurde aber ob seiner Größe und Kopfballstärke immer wieder als Sturmjoker von der Bank gebracht. Und tatsächlich gelang ihm auch heuer gegen den Ex-Verein der Last-Minute-Treffer per Kopf zum 2:2-Endstand. Der Besen musste am Ende freilich nicht dran glauben, „aber geschluckt habe ich schon“, sagt Yürük lachend. Trotz des späten Ausgleichs war er zufrieden mit dem Punktgewinn, nicht aber mit dem Spiel seiner Mannschaft: „Prag war insgesamt die stärkere Mannschaft und hat sich das Ergebnis definitiv verdient.“

Habe der ein oder andere im Team die Prager wohl auf die leichte Schulter genommen, heißt es vor dem Spitzenspiel am kommenden Wochenende gegen Tabellennachbar Türkspor nun die Sinne zu schärfen. „Wir wollen mindestens einen Punkt holen. Sie haben Schwächen in der Defensive, das müssen wir nutzen“, konstatiert der Coach.

Indes erzählt Frederik Bruder, Trainer der Prager, die kuriose Geschichte rund um seinen ungewöhnlichen Edeljoker weiter. Als Ersatztorhüter und aktuell mit Leistenproblemen auf der Bank sitzend, war ein Einsatz des 22-Jährigen gar nicht vorgesehen gewesen. „Er hat mich aber so lange bearbeitet, bis ich ihn dann doch eingewechselt habe“, sagt Bruder schmunzelnd. Am Ende sicherte Wegner also als Aushilfsstürmer mit seinem einzigen Ballkontakt zumindest den einen Punkt, der auch aus Prager Sicht schwer verdient war. Unterm Strich herrschen bei Bruder gemischte Gefühle: „Man muss gegen den vorher Tabellendritten erst einmal einen Punkt holen, aber insgesamt wäre mehr drin gewesen.“

Tore: 0:1 Pfitzner (42.), 0:2 Nallinger (45.), 1:2 Rösch (55.), 2:2 Wegner (90.+3)

Besonderes: Gelb-Rot für Aktepe (Zuffenhausen, 81.)

SSV Zuffenhausen – TSV Uhlbach 5:3

War die Trainerfrage bei Zuffenhausen am vorigen Spieltag noch nicht endgültig geklärt, feierte Nevzat Dursun in seinem offiziell ersten Spiel als Cheftrainer nun seinen ersten Sieg. Der 36-Jährige, der in der vergangenen Woche das Amt des geschassten Erhan Atici übernommen hat, ist entsprechend erleichtert: „Wir sind glücklich über die drei Punkte. Es war ein spielerisch guter Auftritt, und man merkt, dass die ganze Mannschaft an einem Strang zieht“, sagt er. Mit tatkräftiger Unterstützung aus der zweiten Garde – Fabio Carrozza, Bünyamin Sahpaz, Rafael Carvalho Loureiro und Fernando Manta spielten von Beginn an – wurden die zahlreichen Ausfälle im Team kompensiert. Gegen „offensiv überraschend starke Uhlbacher“ feierte der Dritte der vergangenen Spielzeit den ersten Schritt in Richtung des vorab verkündeten Saisonziels, „oben mitspielen zu wollen“. Oder, um es mit Dursuns Worten zu sagen: „Da, wo wir hingehören.“

Während die Uhlbacher vom Gegner noch für ihre Angriffsbemühungen gelobt wurden, hat deren Trainer eine andere Meinung: „Wir haben offensiv nicht viel hinbekommen“, sagt Joshua Menger. „Wir waren insgesamt über die 90 Minuten nicht aktiv genug und in den Zweikämpfen immer einen Schritt zu spät.“ Sein Fazit: „Das ein oder andere Gegentor hätte nicht sein müssen, aber am Ende hätten wir auch den Sieg nicht verdient gehabt.“

Tore: 1:0 Yalman (2.), 1:1 Menger (10.), 1:2 Haussecker (12.), 2:2 Yalman (29.), 3:2 Wild (52., Eigentor), 4:2 Öztürkmen (88.), 5:2 Käb (90.), 5:3 Kaisoudis (90.+2).

Besonderes: –

SC Stammheim – TSV Mühlhausen 4:3

Der SC Stammheim bleibt weiterhin eine Wundertüte. Sage und schreibe 50 Tore hat der Absteiger bereits kassiert, gegen Mühlhausen stellte das Team aber unter Beweis: angeschlagene Boxer sind nicht zu unterschätzen. Denn zur Wahrheit gehört auch, dass die Stammheimer mit jetzt 20 erzielten Toren eine ordentliche Trefferquote vorzuweisen haben. Gegen Mühlhausen kam das Team von Trainer Stefan Diesing von einem 0:2-Halbzeitrückstand zurück und feierte dank des Last-Minute-Treffers von Doppelpacker Christian Schwierskott den zweiten Dreier der Saison.

Auf Seiten des geschlagenen Gegners macht der Coach Armend Mehmeti indes allein seine eigene Mannschaft für die Niederlage verantwortlich. „Ab der 63. Minute war es absolute Arbeitsverweigerung. Aber solche Tage gibt es im Fußball“, sagt er. Der umtriebige Nikitas Skordoulis war es, der das schlampige Spiel zweier Mühlhausener Verteidiger bestrafte, dazwischen spritzte und den Ball zum 1:2-Anschluss versenkte. In der Folge kippte das Spiel zugunsten der Stammheimer, die noch drei weitere Treffer erzielten. „Quasi nur durch lange Bälle, das war kein Fußball, bei allem Respekt vor Stammheim“, beschreibt Mehmeti die Gegentore, der aber vor allem die Seinen in die Pflicht nimmt: „Insgesamt war es ein kollektives Mannschaftsversagen; ich werde unter der Woche ein ernstes Wörtchen mit den Jungs reden.“

Tore: 0:1 Bytyci (25.), 0:2 Bjelkic (41.), 1:2 Skordoulis (63.), 2:2 Rupp (72.), 3:2 Schwierskott (79.), 3:3 Nasser (83./Handelfmeter), 4:3 Schwierskott (89.).

Besonderes: –