Fabian Bergmann, Steffen Kurz und Uwe Throm (von rechts) präsentieren ihren Golf im Deutschland-Look, mit dem sie an diesem Freitag von Künzelsau nach Stuttgart fahren. Foto: red/Florian Dürr

Drei Männer aus Künzelsau folgen der deutschen Nationalmannschaft zum Viertelfinale nach Stuttgart – mit einem schwarz-rot-goldenen Golf. Auf der Motorhaube haben alle Spieler aus dem EM-Kader unterschrieben, im Innenraum sogar der Kaiser.

Der Kaiser würde schmunzeln, wenn er den schwarz-rot-goldenen Golf von oben sehen könnte – da ist sich Fabian Bergmann sicher. Während der 45-Jährige über die deutsche Legende Franz Beckenbauer spricht, kämpft er mit den Tränen. „Leider Gottes kann er das dieses Jahr nicht miterleben“, sagt der Mann, vor dessen Garage das umgebaute Fahrzeug steht. Doch in Gedanken ist der Kaiser immer dabei: mit seiner Unterschrift an der Decke im Inneren des Autos. Ein Bild zeigt Beckenbauer, wie er mit einem Stift in der Hand auf der Beifahrerseite unterschreibt.

 

An der roten Ampel steigt Oliver Pocher aus und unterschreibt auf dem Golf

2006 war das, im Jahr der Heim-WM, Beckenbauers Herzensprojekt. Seitdem strahlt der Golf im Fußball-Look. Jetzt, 18 Jahre später, schließt sich der Kreis: Wieder ein großes Turnier in Deutschland, wieder wird das schwarz-rot-goldene Auto in Künzelsau (Hohenlohekreis) und der Umgebung präsentiert. Dieses Mal ohne den Kaiser, Franz Beckenbauer verstarb im Januar dieses Jahres. Aber wenn Fabian Bergmann an diesem Freitag den EM-Golf über die Straßen lenkt, ist er in Gedanken auch beim Kaiser.

Es geht von Künzelsau nach Stuttgart – zum Viertelfinale der deutschen Nationalmannschaft gegen Spanien (18 Uhr). Bergmann und seine zwei Kumpels Steffen Kurz und Uwe Throm sind glückliche Besitzer von Tickets für das Kracherspiel in der Landeshauptstadt. Mit dem umgebauten Fahrzeug, das ihr gemeinsames Projekt ist, werden sie am Freitag die Blicke auf sich ziehen. Das war 2006 in Stuttgart nicht anders, an eine Szene können sie sich besonders gut erinnern: „Als wir an einer roten Ampel standen, hat eine schwarze Mercedes-Limousine neben uns gehalten, Oliver Pocher ist ausgestiegen und hat auf dem Golf unterschrieben“, erzählt Bergmann.

Nationalspieler Robert Andrich: „Was ist das denn für eine geile Karre?“

Das Auto, Baujahr 1991, 75 PS, war sein erstes, seit seinem Abitur 1998 besitzt der VfB-Fan den Golf. Im Jahr 2006 hatte das Fahrzeug eigentlich ausgedient. Aber für ein paar Hundert Euro verscherbeln? Das wollte Bergmann nicht. Die Idee zu dem schwarz-rot-goldenen Auto, wie es heute vor seiner Garage steht, entstand im Kreise mehrerer Spieler des FV Künzelsau, wo Bergmann, Kurz und Throm früher aktiv gekickt haben. Mit einer Gruppe von sechs Männern starteten sie das Projekt, heute sind die drei übrig geblieben. „Aus der Idee ist Passion geworden“, sagt Steffen Kurz.

Für die Heim-EM in diesem Jahr wollten sie den Golf noch einmal auf Vordermann bringen. An die 100 Stunden Arbeit haben sie dafür investiert – inklusive Nachtschichten. Uwe Throm ist der Mann fürs Technische, er hatte früher eine eigene Werkstatt. Aber auch Bergmann, der bei Würth arbeitet, und sein Schwager Kurz, für ein Tochterunternehmen des Konzerns tätig, kennen sich mit Schrauben aus.

Der EM-Golf wird auf Instagram, Youtube und Tiktok bekannt gemacht

An Kreativität hat es ihnen bei der Gestaltung jedenfalls nicht gemangelt: Tornetze innen an den Türen, halbe Fußbälle auf den Radkappen, ein Tipp-Kick-Spiel auf der Abdeckung im Kofferraum, oben auf dem Dach ein silberner Trikotkoffer, Kunstrasen im Fußraum. Und das Highlight auf der Motorhaube: die Unterschriften aller Nationalspieler im aktuellen EM-Kader. In der vergangenen Woche sind die drei dafür mit dem EM-Golf ins DFB-Quartier nach Herzogenaurach gefahren. „Was ist das denn für eine geile Karre?“, soll Mittelfeldmann Robert Andrich gesagt haben. Alle Spieler seien total locker drauf gewesen.

Es sind Erinnerungen, die bleiben werden und die sie auch auf ihren Kanälen auf Instagram, Youtube und Tiktok unter dem Titel „emgolf2024“ teilen. „Ich habe mit Hochzeit und der Geburt meiner drei Kinder schon viel erlebt, aber jedem Nationalspieler die Hand zu schütteln – so was vergisst du nicht“, sagt Bergmann. Und wie lebt es sich mit dem 45-Jährigen? „Er hat meine volle Unterstützung, aber es ist nicht immer ganz einfach mit einem verrückten Mann“, sagt seine Ehefrau.

Ein Ziel: der EM-Golf soll ins Deutsche Fußballmuseum nach Dortmund

Fabian Bergmann und seine zwei Kumpels haben noch zwei Ziele vor sich: Im Herbst wollen sie sich die Unterschriften der 2014er-Weltmeister sichern, wenn diese in Südtirol im Passeiertal residieren. Und dann soll der Golf einen Platz im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund finden – am besten mit dem Titel im eigenen Land.

Auf dem Weg dorthin wollen die drei Männer die Nationalmannschaft begleiten: erst an diesem Freitag zum Viertelfinale nach Stuttgart, dann zum Halbfinale nach München und schließlich für das Finale nach Berlin. Geht der Traum vom Triumph in Erfüllung, ist auch ein Schmunzeln des Kaisers, des Münchners im Himmel, garantiert.