Andreas Contino ist der neue Mann an der Seitenlinie des Tabellenelften. Noch vor wenigen Monaten stand er beim Erzrivalen von der anderen Seite des Neckars unter Vertrag.
Eines kann man der Fußballabteilung des TSV Münster wahrlich nicht vorwerfen: Lethargie. Nur eineinhalb Wochen, nachdem der Trainer Stefan Schuon überraschend hingeworfen hat und Uwe Braun interimsweise an der Seitenlinie übernahm, ist eine Lösung mit langfristiger Perspektive gefunden: Andreas Contino ist von sofort an neuer Coach des kriselnden Bezirksliga-Elften. Er soll das Mindestziel Klassenverbleib sichern, stünde aber wohl auch andernfalls weiter zur Verfügung. „Wenn die Mannschaft so zusammenbleibt, wie sie jetzt ist, wäre ich auch in der Kreisliga A dabei“, sagt der 38-Jährige, „aber natürlich ist der Plan, den Abstieg zu verhindern.“
Genauso wie Schuon, der in Bad Cannstatt geboren ist und mehr als 18 Jahre in Diensten der Spvgg Cannstatt stand, hat Contino eine sportliche Vergangenheit beim großen Rivalen von der anderen Seite des Neckars: Erst im Dezember hat er die Cannstatter trotz guter dortiger Hinrunde im Zwist verlassen. Danach heuerte er als Co-Trainer beim Landesligisten TSV Ehningen an, ehe er nun auf den Chefposten in Münster wechselt. Mit seinem neuen Verein und dessen jetzt Ex-Trainer Schuon kam er bereits im Hinspiel auf Tuchfühlung. „Da ging es heiß her im Derby. Stefan und auch Andreas können schon Emotionen zeigen“, sagt Benjamin Beck, der Münsterer Abteilungsleiter grinsend, „aber das ist vier Monate her und längst vergessen.“
Der erneute Hintergrund beim Erzfeind? „Spielt keine Rolle“, versichert Beck und fügt an: „Viel wichtiger ist, dass wir frischen Wind in die Mannschaft bekommen.“ Auch Contino ergänzt, angesprochen auf die Club-Rivalität: „Es zählt nur, welches Wappen ich auf der Brust habe, und für das Team gebe ich 110 Prozent.“ Zustande kam die Zusammenarbeit auf Initiative von Contino. Als er die Nachricht von Schuons Aus hörte, meldete er sich selbst beim Verein.
„Danach hatten wir gute Gespräche, auch die Teamkapitäne Daniel Weiß und Marco Kreidl waren anwesend“, sagt Beck. „Wir sind im Abstiegskampf, die Lösung muss schnell funktionieren. Deswegen wollten wir alle an Bord haben.“ Contino lernte die Mannschaft bereits in einem kurzen Training am Dienstag kennen. „Es ist ein intaktes Team“, konstatiert er, „aber es gilt einige Kleinigkeiten zu verfeinern.“ Welche das sind, will er vorab nicht verraten. Er selbst bezeichnet sich jedenfalls als einen „emotionalen, gebundenen Trainer, der viel Kontakt zu dem Einzelnen“ hat. Auf seinen vorherigen Stationen galt er als geradlinig, aber bisweilen auch impulsiv. Einer, der mit forschem Mundwerk schon auch mal aneckte.
Der erste echte Gradmesser für den Neuen steht bereits am diesem Sonntag (15 Uhr) an. Dann sind die Münsteraner beim Tabellenzweiten, der Spvgg Holzgerlingen, zu Gast. Ihr eigener elfter Rang würde gerade noch zum Klassenverbleib reichen. Allerdings beträgt der Vorsprung zur Abstiegszone nur noch einen Punkt.