Nach dem fünften Sieg in Serie kommt auf den Außenseiter das Thema „Landesliga“ zu. Derweil stürzt die Spvgg Cannstatt den bisherigen Spitzenreiter mit Hilfe eines Neuzugangs.
Es sind an diesem Samstag nur zwei Spiele gewesen. Die aber haben es in der Fußball-Bezirksliga Stuttgart/Böblingen in sich gehabt. Hurra bei der Spvgg Cannstatt, die den Tabellenführer Darmsheim gestürzt hat. Und noch mehr Hurra beim ASV Botnang, der davon profitiert. Neuer Spitzenreiter ist – richtig: der Aufsteiger, dessen furioser Rückrunden-Lauf damit das vermeintliche Unmögliche immer möglicher werden lässt. Gelingt dem vormals krassen Außenseiter am Ende gar tatsächlich der Durchmarsch?
TV Echterdingen II – ASV Botnang
Der Trainer Alexander Schweizer bekam die aktuellen Nebenwirkungen des Erfolgs jedenfalls direkt auf dem Rasen zu spüren. Gleich mehrere Fans stürmten nach dem Abpfiff auf ihn zu und hielten ihm den Schwarz-auf-weiß-Beleg jubilierend vor die Nase. Die flugs aufgerufene Tabelle auf dem Handy ließ keinen Zweifel zu. Neuer Erster: ASV Botnang. Und zumindest bis Ostermontag wird es dabei bleiben. Vorbeiziehen kann an diesem Spieltag nur noch der Mitaufsteiger TSV Jahn Büsnau, der aber dafür in seiner schweren Auswärtspartie in Holzgerlingen mit mindestens zwei Toren Unterschied gewinnen müsste.
Die Botnanger selbst haben bereits erneut gewonnen. Ihr 3:1 beim TV Echterdingen II bedeutet für die West-Stuttgarter den fünften Sieg in Serie, welcher den Coach Schweizer in Erklärungsnot bringt. 40 Punkte hatte er als Saisonziel ausgegeben gehabt – dieses hat seine Mannschaft nun schon neun Spieltage vor Schluss erreicht. Was also jetzt? „Für möglich gehalten hätte ich das nie“, sagt Schweizer und fügt an: „Wenn man zu einem solchen Zeitpunkt der Runde dort steht, wo wir stehen, dann wird es wohl nicht zu Unrecht sein.“
Klar ist: Die Lust, dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen, ist da. Auch wenn beim Thema Landesliga manch einem im Verein mulmig werden mag. Und gleichwohl Schweizer nach wie vor eine „eigentlich surreale Situation“ erkennt. „Die Mannschaft und ich kümmern uns weiter um das Sportliche. Zu allem anderen, was da dann organisatorisch auf uns zukommen würde, habe ich schon zu unserem Abteilungsleiter Achim Rausch gesagt: Das sind deine Dinge“, sagt Schweizer und lacht.
Auf dem Rasen läuft es einstweilen wie gehabt. Defensiv lässt das Überraschungsteam wenig zu. Und offensiv, da kann der Coach den Seinen „einen gerade richtigen Lauf“ bescheinigen. So gelangen seinem Bruder Daniel dessen Saisontreffer Nummer 14 und 15. Und zuletzt setzte Rick Hachenbruch noch das Tor des Tages drauf: Nach einer Vorlage von Edison Qenaj nahm er den Ball mit der Brust an, gefolgt von einem krachenden Volleyschuss. Zack und drin. So etwas klappt dann auch nicht alle Tage.
Sascha Blessing, der Trainer des aktuellen Gegners, formuliert es so: „Man merkt, dass bei denen momentan viel Euphorie dabei ist.“ So etwas beflügelt – oder kostet im umgekehrten Fall Luft und Leichtigkeit. Für die Echterdinger ihrerseits steht der Zähler nun bei drei Niederlagen am Stück. „Auch gebeutelt durch Verletzungen und Krankheiten waren wir diesmal nicht richtig auf der Höhe“, sagt Blessing. Bezeichnend aus seiner Sicht das erste Gegentor: Emre Celik schoss beim Abwehrversuch einen Gegenspieler an, von dem sprang der Ball in Ping-Pong-Manier dem Torschützen Schweizer vor die Füße. Da half es auch nichts mehr, dass der Youngster Matti Theobaldt als Aushilfe aus der eigenen ersten Mannschaft mitwirkte.
Spvgg Cannstatt – TV Darmsheim
Die für die Botnanger bei ihrem Gipfelsturm-Coup nötige Hilfe kam wie erwähnt von der Spvgg Cannstatt. Die Neckarstädter haben sich mit einem 2:0 gegen den bisherigen Ersten TV Darmsheim aus dem Krisenmodus der vergangenen Wochen katapultiert und verbessern sich damit fürs Erste selbst auf den vierten Tabellenplatz. Die Matchwinner? Zum einen der Torhüter Robin Spajic, der einen Pausenrückstand seiner Mannschaft verhinderte. „In einer Szene eine Riesenparade von ihm“, lobt der Trainer Damian Nagler. Zum anderen Marvin Haller und Claudio Caruso, die mit ihren Treffern im zweiten Durchgang für die Entscheidung sorgten.
Haller jagte die Kugel von der Strafraumgrenze aus flach ins Netz, Caruso vollendete einen Konter. Der Vorlagengeber dabei: ein kurzfristiger weiterer Neuzugang. Muhammedali Akdag gab als Einwechselspieler sein Cannstatter Heimdebüt. Der 19-Jährige war zuletzt vereinslos. Für die Stuttgarter Kickers kickte er einst in der Junioren-Bundesliga.
Dass beim Gegner derweil Flaute war? Nagler erklärt es sich nicht zuletzt mit der Personalie Simon Lindner. Dem Toptorjäger der Gäste droht wie berichtet wegen einer Knieverletzung das vorzeitige Saisonende. „Er ist in der Liga ein absoluter Unterschiedsspieler. Das hat man gemerkt, dass er fehlt“, sagt Nagler, der mit seinen Team, so sehr es nach Phrasenschwein-Satz klingt, nun „von Spiel zu Spiel“ schauen will.
Geht nach vorn vielleicht doch noch was? Schon die nächste Partie könnte die Richtung weisen. Auswärtsgegner am kommenden Sonntag ist, wie es der Zufall will: der neue Spitzenreiter ASV Botnang.
Die Statistik zu den Samstag-Spielen
TV Echterdingen II – ASV Botnang 1:3. Tore: 0:1 Daniel Schweizer (5.), 1:1 Theobaldt (13.), 1:2 Daniel Schweizer (33.), 1:3 Hachenbruch (75.). Besonderes: –
Spvgg Cannstatt – TV Darmsheim 2:0. Tore: 1:0 Haller (60.), 2:0 Caruso (74.). Besonderes: Gelb-Rot für Fichte (Cannstatt, 86.) und Kuonath (Darmsheim, 88.)