Eine Miene, die Bände spricht: der scheidende Cannstatter Trainer Christopher Eisenhardt beim Saisonfinale. Foto: Eibner-Pressefoto/Sascha Walther

Der Aufstiegstraum des bisher Zweiten platzt am letzten Spieltag. Derweil fallen beim TSV Münster und ABV Stuttgart Trainerentscheidungen und erhält der Meister eine weitere Absage.

Eigentlich musste es ja fast so kommen. Welches andere Ende hätte zu dieser Premierensaison der Fußball-Bezirksliga Stuttgart/Böblingen gepasst? Zu einem Spieljahr, das gefühlt sämtliche Torrekorde brach und in dem man sich rein von den Ergebnissen her mitunter hätte fragen können, ob man versehentlich in der falschen Sportart gelandet ist. Nun zum Abschluss also dies: ein sage und schreibe 8:2 beim Showdown um die Vizemeisterschaft. Auf drastische Weise hat die Spvgg Holzgerlingen damit die Aufstiegsträume der Spvgg Cannstatt beendet und jene noch vom Relegationsplatz zwei verdrängt. Nahezu alle anderen wichtigen Entscheidungen waren in der Staffel schon zuvor gefallen – klammert man einmal das Kopf-an-Kopf-Rennen um die Torschützenkanone und die bislang offenen Trainerfragen bei den Absteigern TSV Münster und ABV Stuttgart aus. Auch in diesen Punkten hat das Pfingstwochenende Antworten gebracht.

 

Spvgg Holzgerlingen – Spvgg Cannstatt

Bei der Spvgg Cannstatt war die Erschütterung derweil auch am Tag danach noch groß. Was für ein Saisonfinale! Am Mittwoch erst hatte ein Brand die Geschäftsstelle des Vereins in Asche gelegt. Dann auf dem Rasen im wichtigsten Spiel der Runde acht (!) Gegentore. Quasi pulverisiert hat sich der Traum vom erstmaligen Aufstieg in die Landesliga. „Das Ergebnis ist extrem hart. Das tut natürlich richtig weh“, sagt der Trainer Christopher Eisenhardt, der selbst somit ohne die von ihm erhoffte Abschiedszugabe geht. Der erst in der Winterpause eingestiegene Coach wechselt wie berichtet zum Staffelrivalen TSV Musberg.

Das aus Eisenhardts Sicht eigentlich Verrückte vom Samstag: Eine Hälfte lang attestierte er den Seinen nicht zu Unrecht „unsere mit beste Leistung der Rückrunde“. Pausenstand 1:1. Nach Michael Zieglers Ausgleichstreffer lief bis dahin noch alles nach Cannstatter Plan. Ein Remis hätte ja gereicht. Dann aber folgten die ebenso unstrittig elf schwärzesten Minuten der Saison. Ein von Daniel Fichte verursachter Foulelfmeter leitete das Debakel ein. Während die Gäste zwei, drei Großchancen zur Wende vergaben, konterte ihr Gegner sie eiskalt aus. „In dieser Phase haben wir völlig den Faden verloren. Und am Ende haben wir uns auch ein Stück weit ergeben“, konstatiert Eisenhardt. Müßig die Frage, ob es anders gelaufen wäre, hätten im Abwehrchef Markus Lurz und dem Torjäger Behar Hasanaj nicht zwei Eckpfeiler gefehlt. Der eine weilte erneut beruflich in China, den anderen setzt ein Nasenbeinbruch außer Gefecht.

Somit unter dem Strich also nur Platz drei, die „Blechmedaille“. Wobei: was heißt eigentlich „nur“? „Bei mir überwiegt trotzdem der Stolz auf das, was wir seit Januar geleistet haben“, sagt Eisenhardt. „Die Relegation wäre die Kirsche auf der Torte gewesen. Aber auch so bleibt: Hier haben sich wieder eine Mannschaft und eine Einheit gefunden.“ Eine, bei der nun der Nachfolger Damian Nagler übernimmt. Beim aktuellen Grillabend nach dem Spiel war der 37-Jährige, der wie berichtet vom Neckar/Fils-Bezirksligisten TSV Deizisau kommt, schon einmal dabei.

TSV Plattenhardt – Sportvg Feuerbach

Unterdessen freuen sich die Kollegen vom TSV Plattenhardt über die nun auch offizielle Bestätigung ihres Saisonerfolgs. Vor dem abschließenden 4:1-Sieg gegen die Sportvg Feuerbach erhielten die Filderstädter den Meisterwimpel. Und für einen von ihnen, wie seit Samstag feststeht, gibt es ein persönliches Topping obendrauf: Aristidis Perhanidis hat sich im Wettstreit um die traditionell von unserer Zeitung verliehene Torkanone durchgesetzt. Mit einem finalen Doppelschlag schaffte es der 30-Jährige sogar noch, die von ihm angepeilte 40-Tore-Schallmauer zu durchbrechen. Das ist in der 47-jährigen Vorgängergeschichte der Bezirksliga Stuttgart lediglich vier Spielern gelungen: Adnan Akcan (NAFI Stuttgart, 46 Tore), zweimal Raphael Hahn (MTV Stuttgart(45 und 44), Admir Osmanovic (SG Stuttgart-West, 43) und Petros Tengelidis (Omonia GFV Vaihingen, 41).

Meisterwimpel für den Kapitän Emre Göcer. Links: der Staffelleiter Sandro Mendicino. Foto: Eibner-Pressefoto/Sascha Walther

„Insgesamt haben die Jungs den Lauf von zuletzt mitgenommen“, lobt der Plattenhardter Abteilungsleiter Sascha Krammer, der allerdings zugleich hinter den Kulissen einen weiteren Dämpfer hinnehmen muss. Stichwort Neuzugänge. Nach den Wunschkandidaten Denis Lübke (bleibt beim 1. Göppinger SV) und Luis Miguel Pereira Almeida (TSG Tübingen) hat auch Georgios Kaligiannidis abgesagt. Den bisherigen Offensivmann des FV Neuhausen zieht es stattdessen in die Verbandsliga zu Calcio Leinfelden-Echterdingen.

SV Vaihingen – TSV Rohr

Einziger bislang fixer Plattenhardt-Einsteiger ist somit Fabijan Krpan – der Spieler, der soeben das Kopf-am-Kopf-Rennen mit seinem künftigen Teamgefährten Perhanidis um die besagte Schützenkönig-Trophäe verloren hat. Krpans Zähler steht bei 38, nachdem er sich beim Derby-2:0 des SV Vaihingen gegen den TSV Rohr mit einem Treffer begnügen musste. „Die Jungs haben versucht, jeden Ball für ihn aufzulegen“, sagt der Vaihinger sportliche Leiter Benjamin Schifffner, „aber ich glaube, er selbst hat sich einen zu großen Kopf gemacht.“ Siehe zahlreich verballerte Chancen.

Positiv für die Vaihinger, bei denen außer Krpan und dem Coach Jeremiah Geywitz auch der Mittelfeldmann Marco Wanes (Ziel unbekannt) verabschiedet wurde: Für den Kader des neuen Trainers Tim Schumann (bisheriger „Co“) stehen inzwischen fünf weitere Zugänge fest. Deren Namen: Kim-Jonas Takacs (25, GSV Maichingen), Mert Cengiz (21, TSV Plattenhardt II), Philipp Borutta (28, 1. FC Altburg), Leon Ajvazi (21, TSV Bernhausen) und Niko Kemner (20, nach USA-Aufenthalt/zuvor eigene Junioren).

Schwieriger gestaltet sich die Suche beim Rohrer Nachbarn – aus einfachem Grund, wie dessen Trainer Klaus Kämmerer weiß: „Wir zahlen kein Geld und wir steigen ab.“ Im Schwarzbach-Nachbarschaftsduell ist sein Verein seit sechs Jahren ohne Sieg. Der bislang letzte datiert vom Mai 2019, damals ein 4:2. Gefolgt sind sechs Niederlagen, die aktuelle inklusive, und drei Unentschieden.

TSV Münster – ABV Stuttgart

Insgesamt sind Kämmerer und die Seinen einer von gleich sechs Absteigern. Schicksal in diesem Übergangsjahr nach der Bezirksreform, in dem die Starterzahl von 18 auf 16 reduziert wird. Im direkten Vergleich zweier Betroffener gelang dem TSV Münster mit einem 2:0 gegen den ABV Stuttgart immerhin ein guter Schluss. Was diese beiden Kontrahenten zudem eint: Sie sind die beiden einzigen Stuttgart/Filder-Clubs der Staffel, bei denen die Trainerfrage noch ungeklärt war. Betonung auf „war“, zumindest für die Gastgeber. Bei denen hat der im April eingestiegene Andreas Contino trotz gescheiterter Rettungsmission für ein Jahr verlängert. Als spielender Co-Trainer wird ihn fortan sein Ex-Cannstatt-Kicker Fabio Maringolo (momentan TV Aldingen) unterstützen. Vom bisherigen Personal machen Stand jetzt bis auf Danny Dos Santos, Yücel-Emre Coskun (beide zu Palästina Al Q’uds) und Rene Weinhardt (will kürzer treten) alle weiter.

Beim Gegner ABV Stuttgart gibt es derweil einen Trainerwechsel. Die Degerlocher haben den Amtsinhaber Milos Pojic informiert, dass sie den Neustart in der Kreisliga A ohne ihn planen – worauf Pojic einen sofortigen Ausstieg bevorzugte. Über Pfingsten fehlte er bereits. Wer für ihn kommt? Da befindet sich das Abteilungsleitergremium mit den Spielern Hummel, Friese, Widmann und Wipperfürth noch in der Findungsphase.

Die weiteren Spiele

Auch für alle anderen Stuttgart/Filder-Starter ging es tabellarisch nurmehr um die viel zitierte „goldene Ananas“. Beispiel TSV Musberg, dem nach dem 1:4 in Deckenpfronn der Verlust von zwei weiteren Leistungsträgern droht. Die Routiniers Lukas Zug und Dennis Zschorsch tendieren zum Laufbahnende. Beispiel SV Bonlanden, der nach seinem 3:2 gegen den VfL Oberjettingen Verstärkung für die Abwehr vermeldet – fix ist die Verpflichtung von Julian Schock vom TSV Bernhausen. Und ebenso Beispiel TV Echterdingen II, bei dem sich der Youngster Dorde Smiljic mit seinen Saisontoren Nummer 28 und 29 zum 2:0-Sieg in Stammheim standesgemäß verabschiedete. Wie berichtet macht der 20-Jährige seinen nächste Karriereschritt nun nicht wie eigentlich vereinbart bei der Echterdinger „Ersten“, sondern in der Verbandsliga beim FC Esslingen.

Für die Gelb-Schwarzen, als Aufsteiger starker Abschlusssiebter „einer brutalen Saison“, wie es ihr Trainer Martin Kittelberger benennt, geht es nun wie für fast alle in die Sommerpause. Liga-Wiedersehen erst in der neuen Spielzeit, zu deren Auftakt Ende August. Die beiden Ausnahmen: der Cannstatt-Bezwinger Holzgerlingen und der Türkische SV Herrenberg. Für sie geht die aktuelle Runde mit der Relegation in die Verlängerung. Deren Ansetzungen: siehe hier.

Die Statistik zum 34. Spieltag

TSV Plattenhardt – Sportvg Feuerbach 4:1. Tore: 1:0 Perhanidis (8.), 1:1 Alexis Moissidis (12.), 2:1 Eiberger (26.), 3:1 Eiberger (55.), 4:1 Perhanidis (74.). Besonderes: –

SV Oberjesingen – Türkischer SV Herrenberg 4:3. Tore: 0:1 Ömer Kilic (17.), 1:1 Mehicevic (48., Eigentor), 1:2 Oguz Yüksel (50.), 2:2 Schosda (70.), 3:2 Röhm (85.), 3:3 Mehicevic (89.), 4:3 Metzger (90.+1, Foulelfmeter). Besonderes: Vogtmann (Oberjesingen) wehrt Foulelfmeter von Köse ab (22.)

SV Deckenpfronn – TSV Musberg 4:1. Tore: 1:0 Wunsch (44.), 2:0 Zschorsch (50., Eigentor), 3:0 Völler (59.), 3:1 Pinheiro Martins (66.), 4:1 Modjesch (90.+2). Besonderes: –

Spvgg Holzgerlingen – Spvgg Cannstatt 8:2. Tore: 1:0 Quaranta (18.), 1:1 Ziegler (24.), 2:1 Horn (48., Foulelfmeter), 3:1 Horn (52.), 4:1 Hamm (54.), 5:1 Hamm (58.), 6:1 Hamm (72.), 7:1 Wohlbold (75.), 8:1 Yilmaz (80.), 8:2 Lizoain Garayoa (87.). Besonderes: –

SV Vaihingen – TSV Rohr 2:0. Tore: 1:0 Krpan (38.), 2:0 Haug (42.). Besonderes: –

TSV Münster – ABV Stuttgart 2:0. Tore: 1:0 Kreis (30.), 2:0 Kreis (90.+6). Besonderes: –

SV Bonlanden – VfL Oberjettingen 3:2. Tore: 1:0 Pinna (34.), 2:0 Baur (40.), 3:0 Poet (47.), 3:1 Kravoscanec (57., Foulelfmeter), 3:2 Yannick Ruß (68.). Besonderes: –

Croatia Stuttgart – VfL Herrenberg 1:1. Tore: 1:0 Vucemilovic (48.), 1:1 Barisic (72., Eigentor). Besonderes: –

SC Stammheim – TV Echterdingen II 0:2. Tore: 0:1 Smiljic (40.), 0:2 Smiljic (43.). Besonderes: –