Museen gehören zu den Topenergieverbrauchern in den Städten. Klimaanlagen laufen oft nur aus Angst. Wenigstens Ausstellungen sollen jetzt nachhaltiger werden. Tipps wie das funktionieren kann, hat nun die Landesstelle für Museen zusammengestellt.
Das nennt man konsequent. Wenn es um Umweltthemen geht, wird gern viel versprochen – und in der Praxis doch nicht umgesetzt. Stefanie Dathe ist es dagegen ernst. Sie ist die Chefin des Museums Ulm, das derzeit nicht nur saniert und energetisch auf den neuesten Stand gebracht wird. Dathe geht noch weiter: Das Team unternimmt keine Kurierreisen mehr. Die Zahl der Sonderausstellungen wird reduziert und auf Leihgaben verzichtet man ganz.
Solche Konsequenz ist nicht selbstverständlich, das musste auch Stefanie Dowidat feststellen. Sie ist in der Landesstelle für Museen in Baden-Württemberg tätig und hat mit Kollegen gerade einen Leitfaden fertiggestellt, der den Museumsleuten helfen soll, nachhaltigere Ausstellungen zu machen. Wenn bisher Material gespart werde, so meist nur, weil das Geld fehle, meint Dowidat, habe man aber ein Budget, investiere man es gern in die Ausstellungsarchitektur. Und wenn die Zeit kurz vor der Vernissage knapp werde, „dann bestellt man auch mal schnell etwas bei Amazon“.
Neuer Leitfaden
Damit sich das ändert, gibt der neue Leitfaden „Nachhaltig Ausstellen“ ganz konkrete Hilfestellungen – und zeigt etwa eine Materialampel, dass man lieber schrauben als kleben sollte und Holz besser als Plexiglas oder gar Aluminium ist. Noch besser wäre allerdings, sich Podeste oder Vitrinen auszuleihen statt zu kaufen. „Das ist leider nicht immer kostengünstiger“, sagt Dowidat, „aber Medientechnik kann man problemlos leihen.“
Der Leitfaden will dazu motivieren, auch aus ökologischer Sicht darüber nachzudenken, welche Leihgaben wirklich notwendig sind für eine Ausstellung. Ziel ist nicht, auf alles zu verzichten, sondern den konkreten Verbrauch in Entscheidungen einzubeziehen. Das lässt sich bei Ausstellungen gut realisieren, weil Museen da in der Regel über das Budget frei verfügen können. „Das ist ein perfekter Ausgangspunkt, um einzusteigen“, sagt Shahab Sangestan, der die Landesstelle für Museen leitet.
Es wird umgedacht
Das Thema selbst ist freilich viel größer. Museen gehören zu den Top-Energieverbrauchern der Städte, weil in den vergangenen Jahrzehnten eine immer aufwendigere Klimatisierung üblich wurde – obwohl einige Experten sie für das Gros der Objekte für unnötig halten. Der Ukraine-Krieg hat den Deutschen Museumsbund zumindest umdenken lassen, sodass er die extremen Vorgaben gelockert hat: Nun wird ein Klimakorridor empfohlen, bei dem eine Temperatur zwischen 16 und 24 Grad genüge. Trotzdem herrsche noch große Unsicherheit bei den Verantwortlichen, meint Stefanie Dowidat.
Die meisten kleineren Museen in Baden-Württemberg haben zwar keine Klimaanlage, aber trotzdem eine schlechte Öko-Bilanz, weil sie häufig in denkmalgeschützten Gebäuden untergebracht sind. In der Region schlagen oft auch die langen Anfahrtswege der Besucher negativ zu Buche. Trotzdem sollten sie lieber an anderer Stelle auf mehr Nachhaltigkeit setzen, schließlich wolle man, so Shahab Sangestan, „das Publikum ja nicht aus Umweltfreundlichkeit wegsparen.“