Führungswechsel Blecker wird neuer Breuninger-Chef

Von Anne Guhlich 

Der 47-jährige Holger Blecker wird im September neuer Breuninger-Chef Foto: Breuninger
Der 47-jährige Holger Blecker wird im September neuer Breuninger-Chef Foto: Breuninger

Holger Blecker folgt im September Willy Oergel an die Spitze der Stuttgarter Kaufhauskette Breuninger. Der 47-Jährige ist bereits seit 1990 im Unternehmen tätig und seit 2012 Mitglied der Unternehmensleitung.

Stuttgart - Die Stuttgarter Kaufhauskette Breuninger bekommt im September einen neuen Chef. Wie das Unternehmen am Freitag mitteilte, zieht sich Willy Oergelam 18. September diesen Jahres in den Beirat zurück, weil er die Altersgrenze von 65 Jahren erreicht hat. Nachfolger wird kein Mitglied aus einer der Eigentümerfamilien, sondern Holger Blecker. Der 47-jährige ist bereits seit 1990 im Unternehmen tätig und seit 2012 Mitglied der Unternehmensleitung. Dort verantwortet er den Bereich Einkauf, Multichannel und zwei Breuninger Häuser.

„Breuninger ist ein faszinierendes Unternehmen mit einem besonderen Spirit, erfolgreich und sehr eigenständig positioniert“, sagte Oergel am Freitag. „Diese Entwicklung zusammen mit dem großartigen Breuninger Team mitgestalten zu dürfen, war eine große Ehre für mich.“ Er freue sich darauf, das Unternehmen mit seinen bundesweit elf Häusern und über 5500 Mitarbeitern künftig als Mitglied des Beirats zu begleiten.

Oergel hat die Digitalisierung konsequent voran getrieben

Zu den Leistungen des 65-Jährigen, der insgesamt seit über 30 Jahren im Unternehmen tätig ist, zählt unter anderem, dass es konsequent den Wandel vom stationären Handel hin zum Multikanalunternehmen voran getrieben hat. Der Umsatz, den die Kaufhauskette mit dem Verkauf über das Internet macht, liegt inzwischen bei 20 Prozent der Gesamterlöse – das entspricht fast 160 Millionen Euro.

Der Ausbau der digitalen Aktivitäten, deren Internationalisierung und die Optimierung des Zusammenspiels zwischen digitalem und stationären Handel soll auch weiterhin ein Schwerpunkt bei Breuninger sein. „Ein Unternehmen wie Breuninger zu führen, ist Herausforderung und Verantwortung zugleich“, sagte Blecker. „Mein Ziel ist es, Breuninger als führendes Fashion- und Lifestyle-Unternehmen erfolgreich weiter zu entwickeln und dabei zu wachsen – stationär und im digitalen Bereich“, so der neue Breuninger-Chef.

Der stationäre Handel ist auch unter Oergel kräftig gewachsen. So fällt in seine Amtszeit die Eröffnung des Breuninger-Ladens im Düsseldorfer Einkaufstempel Kö-Bögen im Jahr 2013. Auf vier Stockwerken und 16 000 Quadratmetern Verkaufsfläche bietet das Kaufhaus dort vor allem Artikel im gehobenen Preissegment an.

Eröffnung des Einkaufszentrums Dorotheen Quartier als ein Höhepunkt

Als ein weiterer Höhepunkt gilt die Eröffnung des Einkaufszentrums Dorotheen Quartier in Stuttgart am 30. Mai. Das 200 Millionen Euro teure Prestigeobjekt soll nicht nur die Zukunft von Breuninger sichern, sondern auch mehr Menschen in die Innenstadt locken. Geplant wurde es bereits von Willem van Agtmael, dem Vorgänger von Willy Oergel. Aus dem Breuninger-Beirat hieß es am Freitag, Oergel habe mit Herz, Neugier und Offenheit für neue Ideen das Unternehmen visionär weiterentwickelt. Der Mehrheitsanteil von Breuninger liegt zu je 40 Prozent bei den Familien des ehemaligen Breuninger-Chefs van Agtmael und des Juristen Wienand Meilicke. Dieser war Vertrauter und Testamentsvollstrecker des 1980 verstorbenen Heinz Breuninger.

Nachdem sich die Familien Meilicke und van Agtmael 2010 über die Rolle, welche ihre Kinder im Unternehmen spielen sollten, zerstritten hatten, sitzen die Söhne Jeroen van Agtmael und Harald Meilicke seit 2012 dem Beirat vor.

Für das Unternehmen und die Gesellschafter freue er sich, dass Holger Blecker bereit sei, als neuer CEO die erfolgreiche Arbeit von Willy Oergel und seine klare Ausrichtung auf die immer stärker werdende Bedeutung der digitalen Aktivitäten fortzusetzen und auszubauen, sagte Jeroen van Agtmael. (CEO ist die englische Abkürzung für Chef einer Geschäftsleitung.)

Harald Meilicke ergänzte: „Es freut mich, dass wir die neue Unternehmensleitung intern besetzen konnten mit Bereichsleitern, die seit Jahren ihre Arbeit erfolgreich unter Beweis gestellt haben.“

Ursprünglich sollten Familienmitglieder nachrücken

Wienand Meilicke hatte ursprünglich vorgesehen, dass nach Oergels Amtszeit die Söhne Jeroen und Harald ins operative Geschäft wechseln. So hat er es 2010 in einem Brief an van Agtmael beschrieben, der unserer Zeitung vorliegt: „Aus heutiger Sicht könnten wir uns für eine Übergangszeit gut Herrn Oergel als CEO vorstellen, bis dann Jeroen und Harald in einer noch zu findenden Zusammenarbeit die aktive Leitung übernehmen“, heißt es in dem Schreiben.

Meilicke zeigte sich damals gegenüber van Agtmael zuversichtlich, „dass die nächste Generation zueinander finden wird, nachdem Sie am 19. September 2012 aus dem Unternehmen ausgeschieden sind und die Gemüter eine Abkühlungsphase durchgemacht haben“.

Aus informierten Kreisen heißt es jedoch, dass sich die Junioren von dieser Idee entfernt und im Beirat ihren Platz gefunden hätten. Eine Position an der Spitze der Kaufhauskette streben sie demnach derzeit nicht an. „Das familienfremde Management hat sich bewährt.“ Und so betonen die beiden Beiratsvorsitzenden, dass die Gesellschafter mit der Struktur der neuen Unternehmensleitung ein deutliches Zeichen für Kontinuität und die strategische Weiterentwicklung des Traditionsunternehmens setzen wollen. Breuninger hat 2016 mit seinen elf Häusern insgesamt rund 800 Millionen Euro Umsatz gemacht.

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