Viel Diskussion, viel Kritik: Die Stadt Korntal-Münchingen hat beschlossen, wie sie Anwohner vor Lärm schützen will. Ob das alles klappt? Unklar.
Es ist vollbracht, die Stadt Korntal-Münchingen hat ihren Lärmaktionsplan beschlossen. Darin steht, was getan wird, um Anwohner vor Krach zu schützen. Mit dem Planungsbüro Accon hatte die Stadt drei Lärmschwerpunkte ermittelt – die Südstraße, dazu die Solitudeallee bis zur Zuffenhauser Straße sowie der Kreuzungsbereich der B 10 und A 81 – und Maßnahmen vorgeschlagen, damit es für die betroffenen Anwohner leiser wird. Was leichter gesagt ist als getan.
So sollte es nach dem Vorschlag der Stadtverwaltung an den beiden erstgenannten Lärmschwerpunkten im Stadtteil Korntal ein Tempolimit von 30 geben. Auf der Südstraße ist aktuell 60 erlaubt. 30 Stundenkilometer sind es auf einem Teil der Zuffenhauser Straße, sonst 50. Letztlich stimmte der Gemeinderat mit knapper Mehrheit für Tempo 40 – an beiden Lärmschwerpunkten, aus Sicht der Anwohner keine Verbesserung. Außerdem soll es auf der Südstraße Geschwindigkeitskontrollen geben, auf der Solitudeallee bis zur Zuffenhauser Straße dazu lärmarmen Asphalt. Das letzte Wort hat allerdings das Landratsamt als zuständige Straßenverkehrsbehörde – das ein Tempolimit ablehnt.
Korntal-Münchingen verhandelt mit Verkehrsbehörden über Lärmschutz
Ähnlich sieht es bei der Autobahn aus: Für die A 81 ist die Autobahn GmbH zuständig. Höhere Lärmschutzwände indes müsste die Stadt selbst bezahlen – und das würde richtig teuer. Daher nimmt sie von der Idee Abstand. Als nächsten Schritt unterbreitet Korntal-Münchingen den übergeordneten Verkehrsbehörden und Straßenbaulastträgern die beschlossenen Vorschläge.
Der Gemeinderat segnete den Lärmaktionsplan trotz Kritik aus der Bevölkerung ab: Anwohner der Südstraße hätten sich mehr Daten zum Bahnlärm gewünscht und grundsätzlich die Berücksichtigung der Strohgäubahn. Für den Lärm von S-Bahn und Güterzügen samt lärmmindernden Maßnahmen ist aber das Eisenbahn-Bundesamt verantwortlich. Und die Strohgäubahn bleibt außen vor, weil laut den vorliegenden Zahlen dort pro Jahr weniger als 30 000 Züge verkehren – weshalb die Strohgäubahn nicht zum Pflichtteil eines Aktionsplans gehört. Anwohner bezweifeln die Richtigkeit der Zahlen.
Stadt Korntal-Münchingen informiert online über Bahnlärm
Mittlerweile veröffentlicht die Stadt auf ihrer Internetseite weitere Informationen zur Lärmbelastung durch den Schienenverkehr – Lärmemissionen, die an den Gebäuden der Bahntrasse in Korntal ankommen.
Obendrein passierte der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) ein Kartierungsfehler, worauf die Anwohner hinwiesen: Demnach wird das Bauwerk über der Südstraße als geschlossener Tunnel eingestuft – er ist aber auf einer Seite offen, eine Galerie. „Da kommt nach der Kalkulation kein Lärm raus. So verhält es sich aber nicht. Höhere Beurteilungspegel sind die Folge“, sagen die Anwohner. Auch eine neue Anhörung der Bürger wäre nötig gewesen, so die Kritik: „Die betroffenen Bürger hatten aber keinerlei Möglichkeit, sich dazu zu äußern. Der Beschluss ist folglich mit einem Rechtsfehler behaftet.“
Stadt bewertet Kartierungsfehler anders als die Anwohner
Die Korntal-Münchinger Stadtverwaltung widerspricht. Nachberechnungen zeigten, dass es „zu keinen abwägungsrelevanten Änderungen am Lärmschwerpunkt selbst kommt und auch die Auswirkungen auf die Gebäude gegenüberliegend des Bauwerks keinen Lärmschwerpunkt ergeben hätten“. Somit habe der Kartierungsfehler weder unmittelbare Auswirkungen auf die Fortschreibung des Lärmaktionsplans noch auf einen möglichen Verfahrensfehler im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung. Der Transparenz wegen steht der Hinweis nun auch im Lärmaktionsplan, dessen Fortschreibung kommendes Jahr weitergeht.