Das Firmengelände von Wennberg hat eine beträchtliche Größe. Foto: Simon Granville

Papierdruck ist in der Krise – und mit ihm die Betriebe einer ganzen Branche. Jetzt geht die Firma Wennberg in Vaihingen an der Enz (Kreis Ludwigsburg) in die Knie.

Nach mehr als 160 Jahren Firmengeschichte steht die Wennberg GmbH vor dem vorläufigen Insolvenzverfahren. Das traditionsreiche Unternehmen aus Vaihingen an der Enz, einst eine feste Größe in der industriellen Buchbinderei und Katalogproduktion, ist damit ein weiteres Beispiel für den tiefgreifenden Strukturwandel der Druckbranche.

 

„Übertrieben ist es nicht“, sagt der Gesellschafter Martin Wennberg auf die Frage, ob sein Unternehmen Opfer der technischen Entwicklungen und der fortschreitenden Digitalisierung geworden sei. Als klassischer Papierverarbeiter sei man unmittelbar von den Druckaufträgen der Kunden abhängig. „Wenn Druckerzeugnisse durch digitale Produkte ersetzt werden, geht das zwangsläufig auch zu Lasten der Druckverarbeiter.“

Wennberg galt als gute Adresse, wenn es um größere Druckprojekte ging. Foto: Simon Granville

Ein oft genannter Einschnitt ist der Verlust des Ikea-Auftrags. Jahrzehntelang war der Möbelkonzern der größte Einzelkunde. Zwar lief der Auftrag nur einmal im Jahr, dann aber über mehrere Wochen und passte gut in den Produktionsmix. „Der Verlust von Ikea allein wäre jedoch nicht unternehmensgefährdend gewesen“, betont Wennberg.

Reisekataloge brachen in der Corona-Zeit weg

Schwerer wog eine Kette weiterer Auftragsverluste: In der Corona-Zeit brachen nahezu alle Reisekataloge weg, die zuvor gleichmäßig über das Jahr verteilt gedruckt wurden. Hinzu kamen Großkataloge, die infolge der massiven Papierpreisexplosion eingestellt wurden. Auch die Abkehr vieler Handelsunternehmen von gedruckten Ausgaben – etwa bei Galeria Kaufhof, Karstadt und zahlreichen weiteren Katalogen – führte zu erheblichen Umsatzeinbrüchen.

Dass sich Wennberg dennoch vergleichsweise lange behaupten konnte, führt der Geschäftsführer auf mehrere Faktoren zurück. Zum einen habe das Unternehmen in der Branche einen Ruf für hervorragende Qualität und absolute Termintreue gehabt. Zum anderen sei das Leistungsportfolio breiter gewesen als bei vielen Wettbewerbern. Neben der klassischen buchbinderischen Verarbeitung bot Wennberg Sonderleistungen wie postalische Adressierungen für in- und ausländische Postsysteme oder das Aufspenden von Booklets und Karten an.

Hinzu kamen bewusst aufgebaute weitere Standbeine. Bereits 2011 errichtete das Unternehmen ein eigenes Wärmenetz durch städtisches Gebiet. Mit einer industriellen Häckselanlage für Einweg- und defekte Europaletten wurde schon seit 2008 CO2-freie Wärme erzeugt, die nicht nur das eigene Werk, sondern auch die örtliche Walldorfschule und einen weiteren Industriebetrieb versorgte. Für dieses Projekt erhielt Wennberg einen Umweltpreis des Landes Baden-Württemberg und erzielte jährliche Erlöse.

Emotional sei die Situation dennoch schwierig gewesen, räumt der 63-jährige Wennberg ein. Über Jahre auf Print setzen zu müssen, während digitale Aktivitäten kaum möglich waren, habe viel Durchhaltevermögen verlangt. Mut gemacht hätten vor allem zwei Dinge: das Vertrauen der Kunden, die dem Unternehmen auch in schwierigen Zeiten Aufträge erteilten, und die Belegschaft.

Papierdruck wandert nach Polen und Tschechien ab

„Unsere Mitarbeiter standen größtenteils loyal und mit großem Einsatz zum Unternehmen“, sagt Martin Wennberg, den nach 30 Jahren im Betrieb das Schicksal seiner Beschäftigten nicht kalt lässt. „Ich höre mich derzeit bei anderen Firmen für sie um – es sieht dort aber auch nicht gut aus.“ Als Unternehmer beobachte er innerhalb der EU ein Missverhältnis: „Länder wie Polen oder Tschechien erhalten immer noch Förderungen zum Aufbau ihrer Wirtschaft – können aber mit deutlich niedrigeren Kosten für Energie und Lohn produzieren.“ So würden viele Papierdrucke aus Deutschland dorthin verlagert.

Aktuell beschäftigt Wennberg noch rund 70 Mitarbeiter. Die Produktion lief vollumfänglich bis zum 13. Dezember 2025 und wird in eingeschränktem Umfang noch bis Ende Februar 2026 fortgeführt. In einer Mitarbeiterversammlung kündigte der vorläufige Insolvenzverwalter an, die Arbeitsverhältnisse nach Eröffnung des Verfahrens, voraussichtlich Anfang Januar, zu beenden.

Der damalige Ministerpräsident Günther Oettinger (links) besucht im Jahr 2005 die Firma Wennberg. Foto: Wennberg GmbH

Fragen zu offenen Forderungen einzelner Beschäftigter oder zur genauen Höhe und Struktur der Insolvenzmasse verweist Wennberg an den Insolvenzverwalter. Zum Zeitpunkt der Anmeldung des vorläufigen Insolvenzverfahrens am 29. Oktober 2025 habe das Unternehmen allerdings noch über einen positiven Kontostand im sechsstelligen Bereich verfügt, alle fälligen Rechnungen seien bezahlt gewesen.

Das Wärmenetz ist an die Stadt Vaihingen verkauft worden

Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Jochen Sedlitz von der Kanzlei Brugg-Grubber bestellt. Er wird nun die nächsten Schritte prüfen – von der Fortführung einzelner Betriebsteile bis zur möglichen Verwertung von Vermögenswerten.

Ein besonderer Aspekt betrifft die Wärmeversorgung im Gebiet Fuchsloch/Leimengrube. Das von Wennberg aufgebaute Wärmenetz wurde im Sommer 2025 an die Stadt Vaihingen verkauft und ist inzwischen Teil des städtischen Wärmenetzes Vaihingen-Nord. Es ist voll funktionsfähig und unabhängig von der Wennberg GmbH. Derzeit speist das Unternehmen über seine Hackschnitzel-Brennanlage weiterhin Wärme ein. Ob dies über die Heizperiode 2025/2026 hinaus der Fall sein wird, ist Gegenstand laufender Verhandlungen.