Ben Matschke löst in der neuen Saison bei Frisch Auf Göppingen Markus Baur ab. Was reizt den künftigen Trainer des Bundesligisten an der Aufgabe? Welche Idee hat der 41-Jährige von Handball? Wo will er mit dem Traditionsclub hin?
Zuletzt zeigte die Tendenz bei Frisch Auf Göppingen unter Markus Baur deutlich nach oben. Doch bereits im November hatte der Handball-Bundeslist entschieden, in der kommenden Saison auf einen neuen Trainer zu setzen: Ben Matschke (41) soll den Neuanfang mit einem verjüngtem Team leiten und bastelt fleißig am Kader.
Herr Matschke, wie sehr beschäftigen Sie sich derzeit mit Ihrem künftigen Club?
Ich mache mir schon Gedanken und stehe im regelmäßigen Austausch mit der sportlichen Leitung. Aber man muss bei der Personalplanung auch sensibel vorgehen. Bei dem straffen Programm vor Weihnachten war es nicht einfach, Zeitfenster für Gespräche mit Spielern zu finden.
Sie mögen doch aber Herausforderungen.
Sie spielen auf meine Tätigkeit bei den Eulen Ludwigshafen oder bei der HSG Wetzlar an?
Wo Sie speziell bei den Eulen aus wenig oft viel gemacht haben.
Auch bei Frisch Auf werde ich mich in einem Spannungsfeld bewegen. Zum einen werden wir im Zuge der Budgetreduzierung den Kader verjüngen und verstärkt Talente integrieren. Zum anderen gibt es bei einem Traditionsclub wie Frisch Auf auch immer eine gewisse Erwartungshaltung. Von daher, ja, auch in Göppingen wartet auf mich eine sehr herausfordernde Aufgabe, auf die ich mich sehr freue.
Stimmen die kolportierten Zahlen, dass Hauptsponsor Teamviewer sein Engagement von 1,5 Millionen Euro auf 500 000 Euro pro Saison reduziert?
Zu den genauen Zahlen kann ich nichts sagen. Das ist nicht mein Aufgabenbereich.
Warum haben Sie das Angebot von Frisch Auf angenommen?
Es hat für mich etwas von einer Rückkehr in die Heimat. Ich habe in Stuttgart studiert, in Kornwestheim gespielt, ich bin in Heilbronn geboren, der Großteil meiner Familie, meine Geschwister leben noch in Weinsberg. Dazu hat dieser Verein eine Riesenstrahlkraft. Der Reiz, dort etwas entwickeln zu können, ist enorm groß.
„Markus hat Sachverstand und Erfahrung“
Sie sind seit der Trennung von der HSG Wetzlar im November 2022 ohne Trainerjob. Zuletzt lief es zwar deutlich besser bei Frisch Auf, aber schließen Sie im Fall einer Niederlagenserie im neuen Jahr kategorisch aus, dass Sie schon im Laufe dieser Saison bei Frisch Auf einsteigen?
Das war und ist kein Thema. Das Team hat unter Markus Baur in wichtigen Spielen immer gepunktet, wie zu Hause gegen Balingen oder bei den Füchsen Berlin und gegen die SG Flensburg-Handewitt. Markus hat genügend Sachverstand und Erfahrung, um die Saison gut zu beenden und auch den Abschied zu bekommen, den er verdient hat.
Hatten Sie zuletzt Kontakt mit ihm?
Wir hatten SMS-Kontakt. Ich schätze Markus sehr, er ist eine super Persönlichkeit.
Worin liegt für Sie mittelfristig die Idee von Frisch Auf? Wo will der Verein hin?
Die lange Tradition spürst du in der Stadt, der Region, auf der Geschäftsstelle, in der EWS-Arena. Diese Tradition soll und muss uns den Weg leuchten. Die Tugenden, die schon vor Jahrzehnten in der damaligen Hohenstaufenhalle zum Tragen kamen, sehe ich als Verpflichtung. Ich möchte den Spielern nicht nur eine Spielidee an die Hand geben, sondern Ihnen auch erklären, was es bedeutet, dieses Trikot zu tragen.
Das klingt jetzt aber sehr pathetisch.
Göppingen hat ein sehr fachkundiges Publikum, das Frisch Auf seit Jahrzehnten begleitet. Da ist Identifikation und Emotionalität sehr wichtig. Aber völlig klar: Wir müssen das mit Inhalten füllen, Woche für Woche ehrlichen, authentischen Handball zeigen, damit man uns auch abnimmt, von was wir reden.
Welche Spielweise schwebt Ihnen vor?
Wir wollen aus einer variablen, aggressiven Abwehr heraus Tempohandball spielen.
Birgt ein zu großer Umbruch nicht die Gefahr, schnell am Abgrund zur zweiten Liga zu stehen?
Diese Garantie bekommt man auch mit einem top Kader nicht. Mittlerweile gibt es in der Bundesliga ein sehr breites Mittelfeld. Zwischen Platz sechs und 15 geht es extrem eng zu und Erfolg im vordern Drittel ist schwer kalkulierbar. Natürlich besteht immer ein Risiko, wenn man auf Erfahrung im Kader verzichtet. Wir sind nicht blauäugig und versuchen, eine ausgewogene Mischung auf den Positionen zu generieren. Die Frage ist doch grundsätzlich: Von welchem Weg ist man überzeugt und wie füllt man ihn mit Inhalten?
Was bedeutet die Verjüngung für Sie als Trainer?
Dass wir kreativ und mutig sein müssen, und mit einer guten Hierarchie im Team das Optimale herausholen wollen.
Werden Sie mit dem aktuellen Co-Trainer Stefan Klaus zusammenarbeiten?
Wir haben vor zwei Jahrzehnten vier Jahre lang beim TV Kornwestheim zusammengespielt. Ich würde mich freuen, wenn er weitermacht und mich unterstützt.
Sie wohnen mit Ihrer Familie in Heddesheim, unterrichten an einem Tag in der Woche an einem Wirtschaftsgymnasium in Schwetzingen. Wir sieht Ihre Planung künftig aus?
Es besteht auf jeden Fall die Möglichkeit, mich komplett beurlauben zu lassen. Derzeit befinde ich mich auch schon auf Wohnungssuche rund um Göppingen. Der Job bei Frisch Auf wird mir alles abverlangen, entsprechend werde ich mich aufstellen.
Wie werden Sie die EM verfolgen und wo landet das deutsche Team?
Sicherlich werde ich viele Spiele schon aus beruflichem Interesse verfolgen. Ich glaube, dass die deutsche Nationalmannschaft weit kommen kann. Für den ganz großen Wurf braucht es sicherlich auch das Quäntchen Glück. Ich drücke jedenfalls die Daumen.
Zur Person
Karriere
Benjamin „Ben“ Matschke kam am 19. Juli 1982 in Heilbronn zur Welt. Als Kind spielte er zunächst Fußball beim VfR Heilbronn. Mit Handball begann er im B-Jugend-Alter beim TSV Weinsberg. Drei Jahre lang spielte Matschke in Weinsberg unter Trainer Thomas König in der Oberliga. Gemeinsam mit König wechselte er 2003 zum TV Kornwestheim in die zweite Liga. In der Saison 2004/05 spielte Matschke mit einem Zweitspielrecht für den VfL Pfullingen in der Bundesliga. Weitere Stationen als Spieler waren HBR Ludwigsburg und TSG Friesenheim (heute Eulen Ludwigshafen). Mit den Eulen feierte er 2010 den Bundesliga-Aufstieg. Trainerstationen: TV Hochdorf (2013 bis 2015), TSG Friesenheim (2015 bis 2021), HSG Wetzlar (2021 bis November 2022). Ab 1. Juli 2024 Frisch Auf Göppingen.
Persönliches
Matschke ist Lehrer an einem Wirtschaftsgymnasium in Schwetzingen. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.(jüf)
Fricsch-Auf-Kader 2024/25
(Stand 22. Dezember 2023) Tor: Bart Ravensbergen, Julian Buchele; Linksaußen: Marcel Schiller; Rückraum links: Josip Sarac, Oskar Neudeck; Mitte: Ludvig Hallbäck (Neuzugang von Bjerringro Silkeborg/Dänemark); Rückraum rechts: Erik Persson, David Schmidt; Rechtsaußen: Franko Lastro, Andreas Flodman; Kreis Ymir Örn Gislason (Neuzugang von Rhein-Neckar Löwen). (jüf)