Das Gastronomenpaar Luise Rohner und Emre Demiryüleyen schließt eine Versorgungslücke, die sich im Freilichtmuseum Beuren (Kreis Esslingen) aufgetan hat. Allerdings nur vorübergehend.
Sie sind wieder da: Viele Jahre lang haben Luise Rohner und Emre Demiryüleyen unter dem Namen „Landhaus Engelberg“ die Gastronomie im Freilichtmuseum Beuren betrieben, bevor sie das „Friedrichs“ in der örtlichen Panorama-Therme übernahmen. Das Restaurant haben sie Ende vergangenen Jahres aufgrund von Personalnot aber wieder aufgegeben – und nun sind sie zurück im Museumsdorf. Allerdings bleibt das Gastropaar nur bis Ende Juli und bewirtschaftet lediglich die Gartenwirtschaft in dem historischen Ambiente des „Neckarland-Dorfes“. Danach haben die beiden wieder andere Pläne.
Vorübergehend schließen Rohner und Demiryüleyen eine Lücke, die sich überraschend zum Start in die diesjährige Saison aufgetan hatte. Eigentlich läuft der Pachtvertrag, den der Landkreis Esslingen als Träger des Museums für ländliche Kultur mit Jens Caspar, dem Inhaber des Stuttgarter Unternehmens „Herr Kächele“, 2022 abgeschlossen hatte, noch bis zum Ende der Saison 2026. Doch das Verhältnis zwischen beiden Seiten ist offenbar heillos zerrüttet. Dazu äußern will sich keine der Parteien.
Gekriselt hatte es schon länger. Vor allem die eingeschränkten Zugangsmöglichkeiten zu Gaststätte und Biergarten außerhalb der Öffnungszeiten des Museums waren ein großer Streitpunkt. Ende vergangenen Jahres hatte der Pächter schließlich die Gastronomie zum Winterhalbjahr geschlossen und allen Mitarbeitern gekündigt. Aus wirtschaftlichen Gründen, wie es damals zur Begründung hieß. Die Kreisverwaltung monierte, dieser Schritt sei im Vorfeld nicht mit ihr abgesprochen gewesen – was Caspar dementierte und für sich reklamierte, die irreführende Darstellung schade seinem Ruf erheblich. Eine einvernehmliche Lösung wurde nicht mehr gefunden: Das Freilichtmuseum öffnete am 30. März ohne ein gastronomisches Angebot.
Als Rohner und Demiryüleyen von dieser Notlage erfuhren, sei die Entscheidung schnell gefallen, berichten sie. Denn: „Uns ist das Freilichtmuseum ans Herz gewachsen. Es ist ein Ort, den wir nie ganz losgelassen haben.“ Von 2012 bis 2019 hatten sie als Pächter mit mehr als 650 Veranstaltungen und „einem hochklassigen kulinarischen Angebot das gastronomische Gesicht des Museums geprägt“, hebt das Esslinger Landratsamt in einer Mitteilung hervor. „Sie kochten mit Leidenschaft, bildeten junge Talente aus und machten die Gartenwirtschaft zu einem Ort voller Begegnung, Genuss und Erinnerungen“, heißt es darin weiter.
Es geht nicht um Events und Gourmetküche
Von dieser Zeit schwärmen Rohner und Demiryüleyen, die zuvor das Restaurant Cavallerie in Traben-Trabach geführt hatten, noch heute. „Diese Jahre waren aufregend, intensiv und familiär“, erzählen die beiden mit leuchtenden Augen. Deshalb waren sie auch spontan bereit einzuspringen. Zwischen Zusage, Gewerbeschein, Konzession und dem ersten servierten Essen habe nicht einmal eine Woche gelegen. „Das Museumsteam um Leiterin Petra Naumann hat uns sehr unterstützt.“
Doch die beiden kehren nicht als Restaurantbetreiber im klassischen Sinn zurück. „Es geht nicht um große Events oder Gourmetküche. Es geht darum, den Gästen die Möglichkeit zu bieten, sich zu stärken, zu verweilen, ein Stück Kuchen zu genießen und die besondere Atmosphäre im Museum zu spüren“, beschreiben Rohner und Demiryüleyen ihren Ansatz. Das Pächterpaar versteht sein Engagement als eine Übergangslösung mit Herz: „Wir wollen, dass unsere Gäste das museale Flair genießen, sich willkommen fühlen und eine kleine, aber feine Verpflegung erhalten, mit ganz viel Liebe zum Detail.“
Das neue gastronomische Angebot bleibt bewusst überschaubar und flexibel. Neben kühlen Getränken und einfachen Speisen gibt es dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr wöchentlich wechselnde Kleinigkeiten und die Kuchen der Bäckerei Schlotz aus Reudern. Auch Gäste, die nur die Gartenwirtschaft in der Hofanlage Mannsperger besuchen möchten, sind willkommen. Laut dem Landratsamt erhalten sie freien Eintritt an der Museumskasse – außer bei Schwerpunktveranstaltungen im Freilichtmuseum.
Wie es mit der Museumsgastronomie weitergeht, ist offen
Wie es nach dem 30. Juli bis zum Saisonende am 2. November – und danach – mit der Museumsgastronomie weitergehen wird, ist noch offen. Wer sich selbst vorstellen kann, diesen besonderen Erlebnisort künftig dauerhaft gastronomisch zu betreiben, ist laut dem Esslinger Landratsamt eingeladen, sich zu melden. „Wir beantworten gerne alle Fragen und helfen beim Einstieg“ bietet Emre Demiryüleyen an. „Wir wünschen uns sehr, dass die Museumsgastronomie bald wieder in feste und liebevolle gastronomische Hände kommt“, fügt Luise Rohner hinzu.
Freilichtmuseum Beuren
Geschichte
Eröffnet wurde das Museum des Landkreises Esslingen für ländliche Kultur im Jahr 1995 – damals mit acht Häusern. Inzwischen zählt es 25 historische Gebäude aus der Region Stuttgart und von der Schwäbischen Alb. Es ist eins von sieben Freilichtmuseen in Baden-Württemberg. Seit der Eröffnung wurden mehr als zwei Millionen Gäste begrüßt.
Attraktionen
Ob Bauernhaus, Scheuer oder Tageslichtatelier – es gibt viel zu entdecken im Museumsdorf. Dazu gehören neben den Gebäuden unter anderem auch verschiedene Hausgärten, Streuobstwiesen, Nutztiere, das Erlebnis-Genuss-Zentrum mit Schauküche und ein großer Themenspielplatz.
Programm
Informationen zu den Veranstaltungen, Führungen und buchbaren Aktionen findet man online unter www.freilichtmuseum-beuren.de