Statt um Bauprojekte oder Investitionen ging es beim Filderstädter Neujahrsempfang um Frieden und Inklusion, auch die Themen Antidiskriminierung und Integration ziehen sich wie rote Fäden durchs Handeln der Verwaltung. Der Impuls kommt von ganz oben.
Sechs inhaltliche Themen hatte die erste Sitzung des Jahres für den Bildungs-, Kultur- und Sozialausschuss des Filderstädter Gemeinderats, zwei davon befassten sich mit der Vielfalt in der Stadt. Zunächst berichtete Christos Slavoudis, der Leiter des Amts für Integration, Migration und Soziales, von der Teilnahme der Stadtverwaltung am Bundesmodellprojekt Amplifying Voices, das zum Ziel hat, die Erfahrungen von Menschen mit Rassismus und Diskriminierung hörbar zu machen. Schließlich legte er dar, welche konkreten Projekte der Maßnahmenkatalog 2025 zur Umsetzung des Vielfaltkonzepts für ein chancengerechtes Filderstadt enthält. Dazu gehören diverse Integrations- und Sprachkurse, Hausaufgaben- und Spielgruppen, der Austausch mit hiesigen Unternehmen, die Übersetzung von Infomaterial in leichte Sprache oder mehr Quartiersarbeit. Die Interkulturellen Wochen in der Stadt sollen ebenso weiterentwickelt werden wie die Internationale Woche gegen Rassismus. „Sie sehen, hier ist eine Kontinuität da“, sagte er.
Dass der Wunsch, solche Themen intensiv in den Blick zu nehmen, in Filderstadt von ganz oben kommt, war auch jüngst beim Neujahrsauftakt der Stadt zu sehen. Während Verwaltungen Neujahrsempfänge zumeist nutzen, um mit der Bürgerschaft das abgelaufene Jahr Revue passieren zu lassen und einen Ausblick auf anstehende Projekte zu geben, ging es in Filderstadt nicht ums Parkhaus in Bernhausen, den S-Bahn-Bau oder ein mögliches neues Verwaltungsgebäude, stattdessen in zwei Podiumsdiskussionen um Krieg, Verfolgung und Frieden einerseits und um Inklusion andererseits. Auf dem Podium saßen auch Mitglieder des Jugendgemeinderats.
Der Jahresauftakt war zweigeteilt. Morgens Ehrungen und Tradition, abends „New Life – Werte einer Stadt in Vielfalt und Frieden“. Die Grundidee dazu stammt vom Oberbürgermeister Christoph Traub selbst. Er habe sich „sehr bewusst“ dafür entschieden, „alle Teile der Stadtgesellschaft abzubilden“. Ihm gehe es um gesellschaftlichen Zusammenhalt und Engagement, um die freiheitliche und demokratische Grundordnung, und diese Werte stünden über allem. Für ihn steht fest: „Wenn es uns nicht gelingt, gute Rahmenbedingungen zu halten, werden uns Projekte nicht gelingen.“ Dass sich Christoph Traub über die Filderstädter Kernthemen hinaus engagiert, ist nicht neu. Seine Social-Media-Kanäle nutzt er auch, um sich in Sachen Holocaust-Gedenktag oder Geburtstag des Grundgesetzes zu positionieren, um Zeichen gegen Extremismus und Demokratiefeindlichkeit und für Menschenrechte zu setzen. 2024 hat er ein neues Ehrenamt übernommen und wurde in den Beirat der Kurdischen Gemeinde Deutschland berufen. Auf dem Neujahrsempfang der Stadt spielte eine deutsch-kurdische Band. Der OB sagt, es gehe ihm um Signale und Impulse. „Ich versuche dort Verantwortung zu übernehmen, wo ich es kann. Die kommunale Ebene ist für mich die Wahrheitsebene.“ Auch hier müsse man Antworten auf übergeordnete Problemstellungen finden.
Filderstadt feiert 2025 sein 50-Jahr-Jubiläum. Auch in diesem Rahmen will er seinen Kurs beibehalten. „Es wird Wiederholungsmomente geben“, kündigt er an. Am 24. Februar jährt sich der Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine. In Filderstadt herrscht durch die Partnerstadt Poltawa eine besondere Betroffenheit. Und auch den 80. Jahrestag des Kriegsendes werde man in Filderstadt würdigen. Der OB kündigt fürs Jahr diverse Publikationen und Formate an. „Wir werden Gelegenheit finden, sei es als Stadt oder als Christoph Traub.“