Der Fitz-Faller-Brunnen ist nach seinem millionenschweren Umzug vom Schlossgarten an die Landesbibliothek erst im Juli in Betrieb gegangen. Jetzt ist er ausgelaufen.
Die Bilder sind erschreckend. In der Tiefgarage unter der Württembergischen Landesbibliothek (WLB) in Stuttgart läuft Wasser aus der Decke. Nicht an einer Stelle, nein, auf großer Fläche. Es strömt auf die dort geparkten Autos, steht auf dem Boden.
„Wir sind am Dienstag gegen 9.45 Uhr alarmiert worden. Es gab einen massiven Wasseraustritt“, sagt Daniel Anand, Sprecher der Stuttgarter Feuerwehr. Die Retter rückten mit 16 Einsatzkräften und vier Fahrzeugen an. Die Haustechnik sei glücklicherweise in der Lage gewesen, das Wasser zu stoppen. Dennoch ist die Feuerwehr vier Stunden lang mit mehreren Pumpen im Einsatz gewesen.
Betroffen sind mehrere Aufzüge, die nach wie vor außer Betrieb sind, die Tiefgarage sowie ein Archivraum der WLB. Deren Direktor Rupert Schaab sagt, man sei „mit einem blauen Auge“ davongekommen: „Zum Glück ist der Wassereinbruch schnell entdeckt worden.“ Das sei eher einem Zufall geschuldet gewesen. So seien nur einige Bücher „etwas angefeuchtet“ worden. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn das Magazin der Bibliothek noch mehr Wasser abbekommen hätte. Als Ursache für die ungebetene Flut gibt die Feuerwehr einen Defekt an einer Wasserleitung an.
Interessant ist die Stelle, an der das Problem aufgetreten ist. Denn auf dem Platz vor der WLB sprudelt erst seit wenigen Wochen ein Brunnen. Der denkmalgeschützte Fitz-Faller-Brunnen ist erst im Juli wieder in Betrieb gegangen. Zuvor war aus dem von Bildhauer Hanspeter Fitz sowie Architekt Peter Faller gestalteten Brunnen 13 Jahre lang kein Wasser geflossen. Ursprünglich stand er zwischen dem Ferdinand-Leitner-Steg und dem Planetarium im Mittleren Schlossgarten. Dort gab es drei Bassins mit unterschiedlich hohen Metalltellern, von denen das Wasser floss. Aufgestellt wurde das Brunnenensemble anlässlich der Bundesgartenschau in Stuttgart 1961. Wegen der Bauarbeiten für Stuttgart 21 musste es 2012 weichen.
Kosten steigen auf 2,3 Millionen Euro
Das zuständige Finanzministerium Baden-Württemberg beschloss, den Brunnen nach der Einlagerung auf dem bisher grauen Bibliotheksplatz wieder aufzubauen. Weil unter anderem die Metalltische ersetzt werden mussten, schlugen Umzug und Erneuerung schließlich mit 2,3 Millionen Euro statt der ursprünglich veranschlagten 1,4 Millionen zu Buche. Erst im Juli sind die Bauarbeiten abgeschlossen worden. Der 31,5 mal 9,3 Meter große Brunnen wurde erstmals am neuen Standort mit Wasser befüllt.
„Am 26. August 2025 kam es aufgrund einer defekten Wasserleitung zu einem starken Wasseraustritt im Technikraum in der Ebene unterhalb des Brunnens“, sagt eine Sprecherin des Finanzministeriums. Das austretende Wasser sei in die Tiefgarage und einen Archivraum gelaufen. Durch das rasche Hinzuziehen der Feuerwehr und die schnelle Reaktion der WLB und des für das Gebäude zuständigen Amts Stuttgart Vermögen und Bau habe das Wasser abgepumpt und direkt mit der Trocknung begonnen werden können.
„Derzeit findet die Bewertung möglicher Schäden am und im Gebäude und die Klärung der Ursache für den Wasseraustritt statt. Der Brunnen bleibt daher zunächst außer Betrieb“, so die Sprecherin. Der Betrieb der WLB sei bisher nicht betroffen. In der Tiefgarage abgestellte Fahrzeuge seien nicht in Mitleidenschaft gezogen worden. Im Finanzministerium betont man, ein Probebetrieb des Brunnens im Juli sei ohne Probleme verlaufen. In der zweiten Julihälfte sei die Anlage abgenommen und die bislang abgesperrte Fläche für die Öffentlichkeit freigegeben worden. „Seitdem lief der Brunnen ohne Vorkommnisse.“ Zumindest bis zum Dienstag. Jetzt bleibt er erst einmal wieder trocken – im Gegensatz zu den Räumen darunter.