Bürgerfest wird das Fest, das heute Schwörfest heißt, nach wie vor von vielen genannt. Es ist eine Veranstaltung vornehmlich von Esslingern für Esslinger mit vielen einheimischen Vereinen. Foto: Roberto Bulgrin und Ines Rudel

Tradition steht weit oben auf der Liste der Wörter, die das Esslinger Schwörfest beschreiben. Doch es wird das letzte sein auf dem alten Marktplatz. Warum? Und: Wie geht es weiter?

Mit der Schwörzeremonie am Freitag eröffnete das Schwörfest in Esslingen, das einst Bürgerfest genannt wurde und von vielen Esslingern immer noch so genannt wird. Am Sonntag endet das Fest – und damit könnten auch Zeremonien und Traditionen auslaufen, denn auf diesem Platz wird die Veranstaltung mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nie wieder stattfinden.

 

Warum ist das so? Es ist wie mit dem Fluss, der zwar immer derselbe ist, und dennoch zu jedem Augenblick ein anderer, weil er permanent anderes Wasser trägt. Auch der Esslinger Marktplatz bleibt, wo er ist, aber 2026 wird er zur Baustelle und danach wird er nicht mehr derselbe sein.

Marktplatz-Sanierung 2026: Auswirkungen auf Esslinger Feste

Weil der Marktplatz 2026 generalsaniert wird, hat das Auswirkungen auf alle Veranstaltungen, die sonst dort stattfinden – auch auf das Schwörfest. „Klar ist: Der Umbau des Marktplatzes wirkt sich auch auf die großen Stadtfeste aus“, heißt es seitens der Stadt.

Das größte Fest, der Mittelalter- und Weihnachtsmarkt, wird mit Sicherheit stattfinden, versichert die Stadtverwaltung. „Die Arbeiten befinden sich im Zeitplan und werden nach aktuellem Stand vor dem Aufbau des Mittelalter- und Weihnachtsmarkts abgeschlossen“, sagte der Bürgermeister für Stadtentwicklung, Infrastruktur, Bauen und Umwelt Hans-Georg Sigel. Das Schwörfest bleibt 2026 voraussichtlich auch erhalten, wird sich aber auf andere Plätze in der Stadt verteilen.

Warum wird der Marktplatz in Esslingen saniert?

Der Marktplatz – wunderschön gelegen, umgeben von pittoresken Bauwerken und Neckarkanälen – hat eine auffällig hässliche Oberfläche. Dieser Widerspruch sorgt schon seit Jahren für Gesprächsstoff. Nun bekommt der Marktplatz mit Blick auf das Jubiläumsjahr 2027 eine Generalsanierung. Unterirdisch, wo ein mittelalterlicher Gewölbegang unter dem Platz verläuft, sind Denkmalschützer und Bauarbeiter schon seit Längerem am werkeln. Sichtbar wird das lediglich durch zwei Zugänge in die Tiefe, die wiederum von Bauzäunen verdeckt werden.

Hinter dem Bauzaun liegt die Öffnung in die Tiefe des Marktplatzes. Foto: Johannes M. Fischer

Oberirdisch soll es dann im Januar 2026 losgehen. Die Bauarbeiten werden sich über mehrere Monate erstrecken. Die wichtigsten Änderungen im „Wohnzimmer der Stadt“, wie der Marktplatz auch genannt wird:

Weitere Bäume sollen gepflanzt und Baumbeete angelegt werden. In der Mitte des Marktplatzes sollen ein Fontänenfeld und ein Trinkwasserbrunnen für Abkühlung im Sommer sorgen. Belegt werden soll der Platz mit einem hellen Pflaster, das sich weniger aufheizt als der jetzige dunkle Asphalt. Niederschläge können dann über die Fugen versickern. Das verdunstende Wasser kühlt den Platz zusätzlich ab.

Für die Außengastronomie soll mehr Raum geschaffen werden. Insgesamt soll der Marktplatz „autoarm“ und barrierefrei werden. Das heißt: Alle öffentlichen Parkplätze auf und um den Marktplatz sowie in der angrenzenden Abt-Fulrad-Straße fallen weg. Es bleiben lediglich Parkplätze für Menschen mit Behinderung.

Esslingen 2027: Schwörfest kehrt zum erneuerten Marktplatz zurück

Fertig werden mit allen Arbeiten will die Stadt im Frühjahr 2027 zum Stadtjubiläum. Esslingen feiert dann seinen 1250. Geburtstag. Das bedeutet, dass dann auch wieder das Schwörfest auf dem Marktplatz gefeiert werden könnte. Allerdings wird der dann ein anderer sein – und doch derselbe.

Baubürgermeister Sigel jedenfalls bestätigt: „Ziel ist es, das Schwörfest wieder im Herzen der Stadt zu feiern.“ Es gibt jedoch ein Aber: „Zeitliche Risiken sind insbesondere unerwartete historische Funde und die Witterung.“

Neugestaltung Esslinger Marktplatz

Fläche
Der Marktplatz wird mit einer Fläche von 7500 Quadratmetern neu gestaltet, 3800 Quadratmeter kommen 2028 im zweiten Bauabschnitt in Richtung Abt-Fulrad-Straße hinzu.

Kosten
Die Neugestaltung des Marktplatzes ist mit 7,5 Millionen Euro kalkuliert, weitere 3,7 Millionen Euro kommen für die Neugestaltung der Abt-Fulrad-Straße, die Anschlüsse an Agnesbrücke und Agnespromenade und den Vorplatz der Stadtkirche hinzu. Im Rathaus hofft man auf Fördergelder.