Torraumszenen zuhauf bekamen die Zuschauer beim aufregenden und zugleich traditionellen Besenhockey-Duell der Glatzen gegen die Locken (weiße Trikots) zu sehen. Foto: Eva Herschmann

Das Fellbacher Benefiz-Besenhockey-Duell am Neujahrstag hat Tradition. Wer in diesem Jahr das kuriose Hockeymatch gewonnen hat und wie viel Geld gesammelt wurde, lesen Sie hier.

Wie ausgelassene Kinder sind die Locken nach dem 6:4-Erfolg gegen die Glatzen übers Eis gehüpft. Der Jubel im Lager der Sieger über den Erfolg – und die gelungene Revanche für die 0:3-Schlappe vor einem Jahr – war riesig. Doch auch die Verlierer hatten Grund zur Freude, denn gemeinsam haben die Freunde bei ihrem mittlerweile 22. Benefiz-Besenhockeyspiel am Neujahrstag auf der Fellbacher (Rems-Murr-Kreis) Eisbahn 30 500 Euro gesammelt – so viel Geld wie noch nie zuvor für die gute Sache.

 

„Die Locken haben es sich ein Jahr lang anhören müssen, dass sie zu Null verloren hatten. Jetzt geht es zwölf Monate andersrum“, sagt Uwe Scholz, der die Rutschpartie schon lange moderiert und seit diesem Jahr auch organisiert, mit einem Grinsen. Denn wenn erwachsene Männer am Neujahrstag in Straßenschuhen und mit gestutzten Straßenbesen in der Hand auf der Eisfläche einem bunten Plastikball hinterherjagen, geht es ihnen natürlich um die Ehre. Keiner weiß das besser als Siegfried Fleischmann, der Initiator des Benefiz-Besenspiels, der für die bisherigen 21 Auflagen von Glatze gegen Locke hauptverantwortlich gezeichnet hatte. Als Dankeschön gab es für die „Katze“, so sein Spitzname als Torwart der Locken, ein Trikot mit der Unterschrift aller Akteure.

„Das Ergebnis ist einfach sensationell“: Rekordspenden beim Besenhockey

Die Rivalität auf dem Eis dient aber vor allem dazu, möglichst viel Geld für gute Zwecke einzutreiben. Und diesmal kam so viel zusammen, wie noch nie seit der ersten Begegnung im Jahr 2002. „Das Ergebnis ist einfach sensationell“, sagt Uwe Scholz. „Wir hatten im Vorfeld viele Sponsoren, Firmen und Unternehmen aus Fellbach, aber auch aus der Umgebung, angesprochen und schon einiges an Spenden eingesammelt, aber es ist tatsächlich auch beim Spiel sehr viel Geld zusammengekommen.“

Feierliche Aufstellung vor Spielbeginn Foto: Eva Herschmann

Dass die bisherige Rekordspendensumme aus dem Vorjahr, immerhin 19 500 Euro, so deutlich getoppt werden konnte, damit hatten weder der 67-Jährige noch die engagierten Gladiatoren gerechnet. Nur einer hatte es geahnt: Bedebä, eine Legende aus den Reihen der Locken, der während des Events unermüdlich mit einem großen Fischernetz durch die Zuschauerreihen marschierte und Scheine einfing. „Schon in der ersten Runde sind einige 50er ins Netz gegangen“, so Bernd Zeitvogel, ein Urgestein des Besenhockeys.

Geschätzt waren mehr als 1200 Zuschauende gekommen. Das Duell „Glatze gegen Locke“ am Neujahrstag ist eine Fellbacher Spezialität und hat längst Kultstatus erlangt. Die Fans auf den Tribünen und rund herum auf dem Guntram-Palm-Platz feuerten ihre Teams an und stießen mit Glühwein aufs neue Jahr an. Bevorzugt tranken sie das Heißgetränk natürlich aus der „Glatze-Locke-Tasse“, die in diesem Jahr feuerrot war und bei vielen Fellbacherinnen und Fellbachern als begehrtes Sammlerstück gilt.

Heißes Duell auf dem Eis: Glatzen und Locken im Wettstreit

Feurig war auch die Begegnung auf der Eisfläche bei der Schwabenlandhalle. Die rot-weiße Stadtfahne mit drei Wolfsangeln trugen die Glatzen und die Locken am Anfang voller Stolz gemeinsam in die Arena. Und das Fellbach Lied – „Wo der Kappelberg sich hebet, Reben duften, Reben glühn, wo ein fleißig Völklein lebet, wo sich Jung und Alte mühn, dort ist meiner Heimat Glück“ – sangen die Kontrahenten voller Inbrunst miteinander. Doch als die Schiedsrichter Cüneyt Karacuha und Adriano Marrazzo das Spiel angepfiffen hatten, war es erst einmal vorbei mit trauter Einheit. Zu den Hits, die DJ Scheffus auflegte, ging es fortan in drei Dritteln à 15 Minuten auf dem Eis heiß her.

Die Kontrahenten lieferten sich haarige Besen-Duelle, und lange stand die Partie auf des Messers Schneide. Wenn die Locken vorlegten, zogen die Glatzen nach. Erst in der Schlussphase gelang es dem Rekordsieger, den beharrlichen Gegner abzuschütteln. In der Gesamtbilanz stehen nun 15 Siege für die Locken und sechs für die Glatzen – und ein Unentschieden bei der allerersten Auflage, die noch ohne Verlängerung und Penaltyschießen ausgespielt wurde.

Obwohl die mit mehr Haaren oder zumindest einer haarigen Gesinnung am Ende triumphierten, können sich auch die Unterlegenen beim Benefiz-Besenhockey als Sieger fühlen. Und die wahren Gewinner sind sowieso diejenigen, denen das Sponsoren- und Spendengeld von 30 500 Euro zugute kommt.