Schlüsselübergabe für neuen Melanchthon-Kindergarten mitten im Fellbacher Wohngebiet. Kosten für den Holz-Hybrid-Bau liegen bei 10,5 Millionen Euro.
Wer einst mal als Anwohner etwa an der Eugenstraße am Fuße des Fellbacher Kappelbergs (Rems-Murr-Kreis) sein Zuhause hatte und nun nach mehrjähriger Pause mal wieder dort vorbeigekommen sein sollte, dürfte einigermaßen verwundert festgestellt haben: Der eindrucksvolle, recht moderne und weithin sichtbare Turm der Melanchthonkirche steht dort ja gar nicht mehr.
Statt des Gotteshauses samt Kirchturm befindet sich auf dem Areal mittlerweile der neue Melanchthon-Kindergarten. Dieser Tage fand die feierliche Übergabe der Kita durch die Stadt an den evangelischen Verein, den Träger des Kindergartens, statt – inklusive der symbolischen Schlüsselübergabe durch den Generalunternehmer, der Gottlob Rommel GmbH.
Neuer Kindergarten setzt Maßstäbe
Einen neuen Kindergarten zu bauen, das sei „ein wunderbares Vorhaben“, so beschrieb es Oberbürgermeisterin Gabriele Zull in ihrer Einladung zu dem Fest. Ihn so zu bauen, dass er klimaeffizient und nachhaltig ist, das sei „herausfordernd, aber für ein solches Projekt eigentlich zwingend“. Der neu erbaute Kindergarten Melanchthon setze hier Maßstäbe – und trotzdem sei er im Zeit- und Kostenrahmen erstellt worden – „ein hervorragender Grund für eine Feier.“
Tatsächlich war von Anfang an die jetzt gültige Investitionssumme von 10,5 Millionen Euro (inklusive Abbruchkosten) genannt worden. Und beim Richtfest im vergangenen November sagte der Vertreter der Firma Gottlob Rommel zum Zeitplan: „Die Fertigstellung ist für Juni 2025 geplant, sodass die Kinder im August 2025 einziehen können.“
Es handelt sich also fast um eine doppelte Punktlandung: Demnächst zieht in das dreigeschossige Gebäude Leben ein, wenn die 115 Kinder die neue sechsgruppige Kita im Philosophenweg erobern werden. Sie verlassen damit in den kommenden Wochen ihr Interimsquartier auf dem Parkplatz P3 beim Fellbacher Max-Graser-Stadion.
Die neue Melanchthon-Kita, die zum neuen Kindergartenjahr in Betrieb gehen soll, wurde ressourcenschonend in Holz-Hybrid-Bauweise errichtet und entspricht den Nachhaltigkeitsvorgaben der Stadtverwaltung. Die Kita mitten im Wohngebiet entspricht der in Fellbach gepflegten Philosophie, die da heißt: „Kurze Beine, kurze Wege“.
Die Architekten wollten keinen „Flurkindergarten“ und schufen im Innern einen „Marktplatz“ sowie Zugänge von allen Gebäudeseiten. Immer wieder nahmen die Planer die Perspektive der Kinder ein. Architekt Karl Ströhle: „Ein Kind ist 70 Zentimeter groß oder kleiner.“ Die Sicht der Kinder auf die Welt, das Gebäude und auch die Außenanlagen sei daher eine andere als bei Erwachsenen. Das Gebäude bekam daher überall bodentiefe Fenster.
Abbruch der Kirche im Februar 2024
Es war ein nachdenklich stimmendes Spektakel, als zu Jahresanfang 2024 das Kirchengebäude samt Turm, das Gemeindehaus und der seinerzeit deutlich kleinere Kindergarten dem Erdboden gleichgemacht wurden. Und das ziemlich genau 60 Jahre nach dem ersten Gottesdienst am 23. Februar 1964. „Der Abriss der Kirche tut weh“, sagte der evangelische Pfarrer Julian Scharpf seinerzeit – doch angesichts schwindender Mitgliederzahlen war die Zusammenlegung mit der Luther-Kirchengemeinde offenbar unvermeidlich.
Gaby Schröder, Vorständin des Evangelischen Vereins, bedankte sich bei der Oberbürgermeisterin und den Gemeinderäten: „Die Stadt hat richtig Geld in die Hand genommen. Kinder und Bildung sind in Fellbach wichtig.“ Das Haus biete Raum zum Wachsen und Geborgenheit, betonte Schröder. „Dies ist ein wunderbarer Platz in Fellbach“, war mehrfach zu hören.