Im Spiel um Platz drei kämpft der Stammheimer Fynn Erlenmayer (rechts) an der Leine. Foto: Lars Neumann

Die Faustballer des TV Stammheim müssen sich beim Final Four um die deutsche Meisterschaft mit dem vierten Platz begnügen.

Lautstark mit Rasseln und Trommel wurden sie gefeiert, die Faustballer des TV Stammheim. Brav bedankten sie sich applaudierend bei ihren mehr als 100 Fans. Doch an der Mimik aller Akteure war zu erkennen: Der Frust saß tief, den Heimvorteil nicht genutzt zu haben. Denn beim „Finale daheim“, dem Final Four um die deutsche Hallenmeistermeisterschaft in der heimischen Scharrena, verlor die Belegschaft aus dem Stuttgarter Norden auch das „kleine Finale“. Nach etwas mehr als zwei Stunden Spielzeit und einem 5:3-Erfolg (11:6, 12:10, 7:11, 11:5, 11:4, 7:11, 10:12, 11:7) jubelte der TV Brettorf über Platz drei.

 

Natürlich habe man einen Platz auf dem Treppchen angepeilt, sagte der Stammheimer Trainer Bertram Sailer enttäuscht, aber Nuancen hätten im Spiel um Bronze den Ausschlag zugunsten des Gegners gegeben. Der Abwehrmann und Nationalspieler Felix Klassen wurde da schon deutlicher, sah den „Unterschied in der Angabe und im Zuspiel. Da haben wir Schwächen offenbart“. Ähnlich äußerte sich auch einer der beiden brasilianischen World-Games-Sieger in Diensten der Stammheimer, Gabriel Heck. „Die Angabe war ein Manko von uns, das kann ich besser“, konstatierte er selbstkritisch mit einem Blick ins Leere.

Stammheimer Ernüchterung hatte es zuvor auch bereits im Halbfinale gegen den amtierenden und zehnfachen Hallenmeister TSV Pfungstadt gegeben. Hatten die TVS-Faustballer in der Hauptrunde der Gruppe Süd beim ebenfalls 1:5 noch durchaus Chancen gehabt, mehrere Sätze zu gewinnen, ließen die Favoriten aus Hessen dieses Mal so gut wie keinen Zweifel aufkommen, wer gewinnt. Gleiches Ergebnis, deutlichere Klarheit in den Sätzen – aus Stammheimer Sicht 3:11, 3:11, 11:7, 8:11, 8:11 und 2:11. „Du hast gegen die nur eine Chance, wenn du deine beste Leistung zeigst und sie schwächeln“, sagte Sailer. Beides war aber nicht der Fall, zudem überzeugte der Ex-Nationalspieler und einer der besten Faustballer der vergangen Jahre, Patrick Thomas, über weite Strecken der Partie. Zum Spieler des Spiels wurde aber Fynn Erlenmayer gewählt. Der Stammheimer kam im dritten Satz für Gabriel Heck (Hauptschlag) und hatte großen Anteil am Gewinn des immerhin dritten Satzes.

Spieler des Spiels in der Partie um Platz drei wurde hingegen der Brettorfer Hauke Rykena. Jener spielte in den ersten beiden Sätzen keine Rolle. Er saß nur auf der Bank. Satz eins hatten die Seinen nach einem 7:0-Start sicher nach Hause gebracht. In Satz zwei bedeutete die erste Stammheim-Führung des Spiels gleich Satzball. Doch diesen nutzten die Stuttgarter nicht, verloren jenen Durchgang noch in der Verlängerung. Erst nach dem 0:5-Rückstand in Satz drei betrat der 1,97 Meter große Angreifer Rykena das Parkett, half tatkräftig zum 7:7-Ausgleich mit. Jedoch brachten die Stammheimer mit vier Punkten in Serie den Satz doch noch nach Hause. In den weiteren Sätzen nutzte das Team aus der Nord-Gruppe aber häufig die Lufthoheit Rykenas für entscheidende Punkte und dafür, dass die nie aufgebenden Stammheimer nicht mehr als zwei weitere Satzgewinne schafften. „Man hat gemerkt, dass noch kaum einer im Team im Finale um die deutsche Meisterschaft stand, dementsprechend hat uns auch die Erfahrung gefehlt“, erklärte Klassen.

Eine Feier stand am Abend bei den Stammheimern dennoch an. Mit einer Party wurden die beiden brasilianischen „Gabis“ – Heck und Drumm – verabschiedet. Für sie geht es an diesem Montag zurück nach Südamerika. „Es war eine tolle Zeit, ich habe viele neue Freude gewonnen“, sagte Heck.

Mit einer Überraschung endete das Männer-Finale. Der Serienmeister Pfungstadt unterlag dem TV 1880 Käfertal mit 3:5. Bei den Frauen sicherte sich der TV Segnitz durch ein 3:1-Sieg über den Ahlhorner SV den Titel.