Zehntausende Besucher säumten am Sonntag die Strecke des Fasnetsumzugs in Neuhausen. 68 Narrengruppen aus ganz Baden-Württemberg begeisterten die Zuschauer.
Es war ein begeisternder Nachmittag mit närrischem Treiben, Jux und Tollerei. Erneut erwies sich der vom Narrenbund Neuhausen organisierte traditionelle 61. Fasnetsumzug als Publikumsmagnet: Schon lange vor dem Start um 13.33 Uhr säumten Zehntausende Zuschauer die Straßen des Filderorts. Jeder wollte sich einen optimalen Platz sichern, um den Umzug aus nächster Nähe zu erleben.
„Es ist toll, dass heute so zahlreiche Zuschauer aus Nah und Fern unseren Umzug begleiten“, freute sich Dietmar Schaller, der als Elferrat auch im Programmausschuss des Narrenbunds sitzt. Dem bestens gelaunten Volk wurde Einiges geboten: Schier endlos zog sich die Schlange mit 68 Maskengruppen, Kapellen und Wagen über die zwei Kilometer lange Umzugsstrecke. Und auch das Wetter machte mit: Es war zwar kalt, aber Petrus hielt seine Schleusen dicht.
Fasnetsgruppen aus ganz Baden-Württemberg
Immer wieder ertönte der Neuhäuser Narrenruf „Auf die Pauke haut’se – Bauze Bauze“, die Wernauer Narren skandierten ihr „Hecke Heale – Hoi, Hoi, Hoi“, und in das „Narri - Narro“ der Narrenzunft „Nautle“ aus Burladingen klinkten sich die Zuschauer lautstark ein.
Mit ihren sehr unterschiedlichen, jedoch allesamt eindrucksvollen Masken prägten die zahlreichen Formationen des Narrenbunds Neuhausen den Umzug. Tatkräftig unterstützt wurden sie dabei von befreundeten Fasnetsgruppen aus ganz Baden-Württemberg, von Tuttlingen bis Kornwestheim, und die aus Franken angereiste Brauchtumsgruppe Pumpernickel Greding brachte mit ihren kräftig geschwungenen Peitschen den Zuschauern das Fürchten bei. Für internationales Flair sorgten die Hochbarrer Deifel aus dem französischen Ort Saverne.
Fasnet: ein immateriellen Kulturgut
Auch für hübsche Mädchen war es ein überaus gefährlicher Nachmittag: Die Neuhäuser Rotenhäne machten Jagd auf sie. Nach spektakulärer Gefangennahme wurde eine nach der anderen in einem Drahtkäfig eingesperrt. Doch zum Schluss war alles gut, und die Mädels wurden wieder in die Freiheit entlassen.
Über die Vielfalt und Fantasie der Maskengruppen konnte man nur staunen. Es war eine eindrucksvolle Demonstration der Schwäbisch-Alemannischen Fastnacht, die 2014 von der deutschen Unesco-Kommission zum nationalen immateriellen Kulturgut ernannt worden ist. Diesem Titel machte jede der zahlreichen Gruppen Ehre. Ob die NBN-Hexen, die Sauhag-Eichele, die fantasievoll kostümierten Narren der Krumme Naht oder die mit furchterregenden Masken auftretenden Narren aus Großengstingen – alle drückten dem Fasnetsumzug ihren ganz individuellen Stempel auf.
Doch es gab nicht nur Balsam fürs Auge, auch kleine Geschenke hatten die Narren mit dabei. Das Neuhäuser Prinzenpaar überschüttete die Zuschauer mit Süßigkeiten, die Clowns transportierten ihre Mitbringsel in einem Bollerwagen, und die Moscht-Mala verwöhnten die Zuschauer mit Äpfeln und Neuhäuser Moscht.
Granada Fetza aus Deizisau stießen kräftig ins Horn
Während einige Gruppen flott das Tanzbein schwangen, wagten sich andere an waghalsige akrobatische Übungen. Die Feuerteufel Gerhausen bauten eine bunte Pyramide auf, und die Wölfe der Cecilia Wernau begeisterten mit wilden Figuren.
Auch die Wagenbauer hatten sich mächtig ins Zeug geworfen. Unter dem Motto „Deifl’s Kiche – Knalle Muas“ rauchte es beim Wagen der Geesgassendeifel aus Wernau gewaltig, die Wagenbaugruppe Hintere Mühle zockte in einem Spielcasino und die Neuhäuser Greifer luden auf ihrem Wagen in einen Western-Saloon ein.
Natürlich gab es auch viel Musik. Für den guten Ton sorgten die Musikvereine, etwas deftiger ging es hingegen bei den wunderbar kostümierten Guggenmusiken zu. Die Granada Fetza aus Deizisau stießen ebenso kräftig ins Horn wie die Sau Glogg Gugga aus Köngen und die gewaltig auftrumpfende Guggamusigg Hexenbusters aus Wolfschlugen.
Als sich schließlich die Neuhäuser Lokalmatadore Omägenie lautstark und mit viel Schlagzeuggedröhne ankündigten, erreichte die Begeisterung einen Höhepunkt. Zwar boten die Guggen nicht immer höchste Klangkunst, sie sorgten jedoch für jede Menge Stimmung, und in ihren tollen Kostümen waren sie eine wahre Augenweide. Als nach dem Umzug die extra aus Burladingen angereiste Schlachtenbummlerin Franziska Schneider lobte „Das hat super Spaß gemacht. Der Umzug war fantastisch“, sprach sie damit sicherlich den vielen Zuschauerinnen und Zuschauern aus der Seele.
Hüter des Kulturguts Fasnet: Der Narrenbund Neuhausen
Historie
Im Jahr 1447 wird urkundlich erstmals die „Fastnacht in Neuhausen“ erwähnt, und bereits 1781 berichtet die Chronik vom Auftreten maskierter Narren. Den ersten Umzug organisierte 1886 der Gesangverein „Eintracht“. Durch die kriegerischen Wirren in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kam diese Tradition zum Erliegen. 1965 wurde der Narrenbund Neuhausen gegründet, der seither die jährlichen Umzüge mit bis zu 5000 Teilnehmenden und an die 50 000 Besuchern organisiert.
Narrengruppen
Unter dem Neuhäuser Narrenruf „Auf die Pauke haut’se – Bauze, Bauze“ sind 15 historische Narrengruppen, von den Rotenhänen über die Bierwecken bis zu den Fleinsbachbibern, im närrischen Treiben aktiv. Hinzu kommen Fantasiegruppen wie die Krumme naht, die Feuerteufel und die Plattfüss. Drei Wagenbaugruppen komplettieren das närrische Oeuvre.
Tanzsport
Die Tanzgruppen des Narrenbunds setzen bei den Fasnetsveranstaltungen stets besondere Akzente. Der Minigarde mit fünfjährigen Mädchen folgt die Kindergarde, in der Mädchen im Grundschulalter das Tanzbein schwingen. In der Juniorengarde werden Jugendliche im Marschtanz perfektioniert, und die Prinzengarde bietet Tanzsport auf höchstem Niveau. Herausragende Tänzerinnen können es bis zum Tanzmariechen bringen.