Bei den Siebenmühlental-Hexen gibt es vor, während und nach der Fastnacht viel zu tun: Vom Besenbinden übers Stricken bis zum Schuhe bekleben.
Auf dem großen Tisch in der Zunftstube im Alten Ritter in Musberg steht eine Kiste mit Reisig. Solche Zweige gehören offenbar zu jedem (un)ordentlich geführten Hexenhaus. Rund um einen harten Holzstiel gebunden, entstehen aus ihnen die traditionellen Hexenbesen, die sich in der Fastnacht für allerlei Schabernack eignen.„Es ist eine schöne Tradition bei uns, dass wir die Besen zwischen Weihnachten und Neujahr binden“, erzählt die Zunftmeisterin der Siebenmühlental-Hexen Mirja Brosig. Weil sich die Reisigbesen schnell abnutzen, müssen sie immer wieder repariert werden. Und dazu braucht es einen kleinen Vorrat.
Der Reisig, der nach Hexenart im Herbst im tiefen, dunklen Wald gesammelt wird, ist für die Musberger Hexen aber weit mehr als ein hexentypisches Accessoire. Denn die dünnen Zweige spielen auch in der Geschichte Musbergs eine wichtige Rolle: Demnach, so erzählen es die Siebenmühltal-Hexen, sei 1820 im Ort das allgemeine Holz- und Haurecht abgeschafft worden. Der Preis für Holz stieg in der Folge auf das Doppelte, weshalb sich ein Gutteil der Musberger weiterhin oder jetzt erst recht im zwischenzeitlich scharf verfolgten „Waldfrevel“ übte. Selbst das Reisigsammeln soll damals unter Strafe gestanden haben.
Warum in Musberg eine Hexenfigur die Narrenzunft dominiert
„Aus diesem Reisig stellten die Musberger Besen her, die sie auf dem Markt in Stuttgart verkauft haben“, erzählt Mirja Brosig. Die Obrigkeit soll die Holzdiebe aber nicht nur bestraft, sondern ihnen auch Hexerei nachgesagt haben. Ganz nach dem Motto: Wer nachts in den Wald geht, muss zwangsläufig als Hexe wieder herauskommen. Womit in kurzen Worten auch erzählt wäre, weshalb in Musberg bis heute eine Hexenfigur die 1991 gegründete Narrenzunft dominiert.
Die zweite, weit weniger furchteinflößende Figur der Zunft ist der Waldfrevler. „Sie stellen die normalen Musberger Bürger dar“, sagt Brosig. Sozusagen, bevor sie zu Hexen wurden. Ihr Häs sei angelehnt an die damalige Arbeitskleidung von Mann und Frau. Traditionell gehen sie beim Umzug voraus, die Hexen hinterher. Rund 90 Hexen, 15 Waldfrevler und einige Kinder bilden aktuell die Aktivengruppe der Zunft.
Die Musberger Hexen sind für ihre Pyramide bekannt
Besen, Häs und Schuhe sind beim traditionell wilden Hexentreiben schwer beansprucht: Bekannt sind die Musberger Hexen neben ihren eingeübten Tänzen für ihre sechsstöckige Pyramide, die aus Sicherheitsgründen auf der Straße eine Etage niedriger ist. Dabei kann beim Häs aus Jacke, Schurz, Rock und gestrickten Wollstrümpfen und -handschuhen schon mal eine Naht reißen. „Repariert werden müssen aber auch immer wieder die Schuhe“, sagt Brosig. Sie seien rundum mit Sackleinenfetzen beklebt, die sich mit der Zeit lösten. Die gestrickten Strümpfe, Handschuhe und die Mütze, die getragen wird, wenn die Hexe ihre Maske absetzt, sind am schwierigsten auszubessern. Der Grund: „Gut stricken können immer weniger“, sagt Brosig. „Da suchen wir immer auch Leute, die uns dabei helfen können.“ Hexenkünste helfen da wenig.
Ihre Masken schnitzen die Musberger Hexen wie fast alle Zünfte nicht selbst: Sie kommen aus der Werkstatt von Frank Kühfuß, der in Frickenhausen seine Schnitzer-Werkstatt hat. Weil die Masken aus Lindeholz sehr stabil sind, gehören sie zu den unempfindlichsten Teilen des Häs. Die große rote Nase, die weißen Hauer, die über die Lippe ragen, die schwarzen Hexenwarzen und die mächtigen Augenbrauen finden sich auf jeder der mehrere hundert Euro teuren Masken, die zusammen mit einem rotweiß gepunkteten Kopftuch getragen werden. „Im Detail sind die einzelnen Masken aber immer ein wenig verschieden“, erklärt die Zunftmeisterin.
„Am schmutzempfindlichsten sind übrigens die weißen Hexenunterhosen“, betont Mirja Brosig. Doch egal, was nach dem Start der Musberger Fasnet am 6. Januar passiert: Es wären keine liederlichen Hexen, wenn das Häs vor dem Aschermittwoch in die Waschmaschine kommen würde. Davor werde nur gelüftet und gebürstet, sagt Brosig. „Nach der Wäsche verschwindet alles in den Schränken, bis es am kommenden Dreikönigstag wieder hervorgeholt wird.“
Die nächsten Termine der Hexen
Umzüge
Wer die Siebenmühlental-Hexen erleben will, kann das am 8. Februar beim Umzug in Ahldorf bei Horb, am 12. Februar beim „Schmotz’ger“ in Musberg, dann wird auch der Narrenbaum aufgestellt, bei der Hallenfasnet „Lassada Fatza“ in Musberg am 14. Februar oder beim Umzug in Neuhausen auf den Fildern am 15. Februar. Alle Termine finden sich unter: https://siebenmuehlental-hexen.de