Im simulierten Sturm wird die Aerodynamik des CLA getestet. Diese ist für E-Autos besonders wichtig. Foto: Mercedes-Benz AG

Der Umweltverband DUH lässt den elektrischen Kompaktwagen testen und hält ihn für das beste E-Auto aller Zeiten. Mit diesem Ergebnis geht die DUH ungewohnt zurückhaltend um.

Dem Technikexperten Axel Friedrich macht so schnell niemand etwas vor. Der promovierte Chemiker war lange Jahre Abteilungsleiter im Umweltbundesamt und gilt als Schrecken vieler Automanager. Sein Emissions-Kontroll-Institut (EKI) testete im Zuge des Dieselskandals Hunderte von Fahrzeugen und überführte viele Hersteller, deren Autos offenkundig im realen Verkehr viel mehr Schadstoffe ausstießen als auf dem Prüfstand.

 

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH), für die Friedrich als Sachverständiger und als Projektleiter tätig ist, brachte die Ergebnisse dann an die Öffentlichkeit. „Ich werfe Daimler-Chef Dieter Zetsche persönlich vorsätzliche Körperverletzung mit Todesfolge in vielen Tausend Fällen vor”, sagte DUH-Chef Jürgen Resch vor rund zehn Jahren angesichts der damaligen Schadstoffwerte der Mercedes-Diesel.

Einst setzte DUH-Chef Jürgen Resch Dieselfahrverbote in Stuttgart durch. Nun lässt er den Verbrauch von E-Autos testen. Foto: dpa

Über die personalisierte, emotionalisierende Kritik des Vollblut-Aktivisten Resch, der seit 37 Jahren an der Spitze des Verbands steht, echauffierten sich nicht nur Mercedes-Manager. Fragten die Chefs aber ihre Ingenieure, ob Friedrichs Messungen angreifbar sind, ernteten sie meist nur ein Schulterzucken. Als Experte ist Friedrich in der Industrie gefürchtet, aber auch hoch respektiert.

Auch im E-Zeitalter setzt der 77-Jährige seine Auswertungen fort. Anstelle des Ausstoßes von CO2, Feinstaub und Stickoxiden misst er nun den Stromverbrauch von Elektroautos. „Ein E-Auto, das zu viel Strom verbraucht, verschwendet kostbare erneuerbare Energie“, sagt er.

Verbrauch noch niedriger als von Mercedes angegeben

Beim neuen Mercedes CLA, dem vollelektrischen Technologie-Flaggschiff des Konzerns, war das Ergebnis frappierend: Der gemessene Verbrauch im realen Verkehr lag bei 12,22 Kilowattstunden (kWh) pro 100 Kilometer und ist damit selbst für diese Fahrzeugklasse extrem niedrig. Mehr noch: „Bei vorsichtiger Fahrweise lässt sich das Auto sogar mit nur 10,4 kWh pro 100 Kilometer betreiben“, so Friedrich – deutlich weniger als die 12,2 kWh, die Mercedes selbst für den vorgeschriebenen Messzyklus angibt, der eher weniger anspruchsvoll ist als die Realität auf den Straßen. Der CLA sei das „beste E-Auto, das ich bisher gemessen habe“. Er habe sogar den bisher erstplatzierten Tesla geschlagen.

Dabei war man sich bei Mercedes offenbar unsicher, wie man mit Friedrichs Anfrage nach einem Testfahrzeug umgehen solle. Friedrich zufolge ging seine Anfrage bis zum Entwicklungschef Markus Schäfer. „Zunächst rief mich Schäfer an und erklärte, ich würde das Auto bekommen“, so Friedrich. Tags darauf habe Schäfer dann bei einem weiteren Anruf erklärt, das Auto sei leider noch nicht zugelassen – für Friedrich eine klare Ausrede. „Daraufhin habe ich interveniert und erneut einen Rückruf von Schäfer bekommen.“ Diesmal mit der Zusage.

Aber war das Fahrzeug überhaupt identisch mit denen, die später in Serie gingen? Davon geht Friedrich aus. „Die wissen ganz genau, dass ich nachmesse, wenn ein Auto tatsächlich auf den Markt kommt. Sollte sich dann zeigen, dass das Testauto gegenüber dem Serienfahrzeug verändert war, hätten sie ein Riesenproblem.“ In der Autoindustrie hätten „schon einige schmerzhaft erfahren, dass ich unerbittlich bin, wenn man versucht, mich hinters Licht zu führen“.

Von der DUH ist über diese Messung von Friedrichs Institut allerdings nicht viel zu hören. Sie findet kurz Erwähnung in einer Sonderpublikation des „Tagesspiegel”, die sich für 199 Euro im Monat abonnieren lässt; auf den für die breite Öffentlichkeit zugänglichen Websites der DUH oder in Pressemitteilungen kommt der Test dagegen nicht vor.

Veröffentlicht die DUH Testergebnisse also nur, wenn sie die Autohersteller schlecht aussehen lassen? DUH-Chef Jürgen weist diesen Eindruck entschieden zurück. „Ich habe Ola Källenius das gute Abschneiden noch am Tag des Tests per SMS mitgeteilt und der Berliner Tagesspiegel hat die Messwerte veröffentlicht“, sagte Resch. Allerdings dürfe „kein Hersteller mit unseren Messergebnissen Werbung machen. Wir sind ein gemeinnütziger Verein und niemand, der an die Industrie irgendwelche Gütesiegel verkauft.“

DUH-Chef ist skeptisch gegenüber Testfahrzeugen

Es habe sich überdies um ein Auto gehandelt, das von Mercedes für den Test zur Verfügung gestellt worden sei, bevor dieses Modell beim Händler stand. Man wolle „keine möglicherweise optimierten Fahrzeuge“ messen und besorge sich Testfahrzeuge üblicherweise anonym, so Resch. Im Dieselskandal habe sich gezeigt, was die Hersteller alles tun können, damit die Fahrzeuge beim Test einen niedrigeren Verbrauch haben. „Auch bei E-Autos lässt sich der Verbrauch speziell für Tests verringern.” Den Vorwurf tatsächlicher Manipulationen erhebt er jedoch nicht.

Für eines allerdings könne die DUH Tests mit Autos, die vom Hersteller zur Verfügung gestellt werden, gut verwenden: „Sie zeigen, was technisch möglich ist.“ Das werde eine Rolle spielen bei der schon lange erhobenen Forderung der DUH, den Stromverbrauch von E-Autos gesetzlich zu begrenzen.

Womöglich lieferte der Mercedes-Konzern mit dem genügsamen CLA neuen Stoff für die Kritiker der Autobranche, die nun auf die Einführung scharfer Grenzwerte auch für E-Autos pochen könnten.