Martin Schäfer war Vorsitzender des Aufsichtsrats, als der VfB Stuttgart 2016 absteigen musste. Er stellte die Weichen neu. Jetzt fordert er ein Korrektiv für seinen Nachfolger Wolfgang Dietrich und kritisiert „menschenverachtende Äußerungen über ihn in den sozialen Netzwerken“.
Stuttgart - Schon vor zwei Jahren warnte er nach dem Abstieg in die zweite Liga davor, „jetzt alles in Schutt und Asche zu legen“. Nach dem neuerlichen Absturz wiederholt Martin Schäfer sinngemäß seinen Appell. Der VfB sei besser aufgestellt als 2016, Änderungen in der Vereinsführung sind in seinen Augen aber zwingend.
Herr Schäfer, Sie waren nach dem VfB-Abstieg 2016 einer der Hauptverantwortlichen. Haben Sie den späteren Rücktritt aus dem Aufsichtsrat seither bereut?
Nein, es ist bis heute unverändert richtig. Ich wollte den Platz räumen für einen Neuanfang.
Den Neuanfang gab es, aber die Probleme sind die gleichen.
Man muss unterscheiden. Strukturell ist der VfB auf dem richtigen Weg, sportlich. . .
. . . gab es ein neuerliches Desaster. Wie nah sind Sie dem Verein noch?
Sehr nah, wann immer es meine Zeit erlaubt, bin ich bei den Spielen. Auch zuletzt bei Union Berlin.
Alles in geordneten Bahnen
Welchen Eindruck haben Sie aktuell?
Große Teile der Fangemeinde sind total gefrustet. Das ist verständlich. Aber im Verein läuft alles in geordneten Bahnen. Es gibt personelle Kontinuität. Das ist der wesentliche Unterschied zu 2016. Damals mussten der Trainer, der Sportvorstand und der Präsident in kurzer Zeit ersetzt werden. Da brach alles über uns zusammen.
Trotzdem haben Sie mit den öffentlich abgetauchten Resten Ihres Aufsichtsrats und die verbliebenen Vorstände Röttgermann und Heim die Krise bewältigt.
Ja, aber es war ein Drahtseilakt. Ich habe etliche Nächte schlaflos zugebracht.
Haben Sie Kontakt zum jetzigen Präsidenten und Aufsichtsratschef Wolfgang Dietrich?
Wir sehen uns bei den Spielen, ab und zu telefonieren wir.