Arminia Bielefeld hat am vergangenen Wochenende den Aufstieg in die zweite Liga gefeiert. Nun fiebert der Club von Sport-Geschäftsführer Michael Mutzel (rechtes Foto, li.) auf das Pokalfinale gegen den VfB Stuttgart hin. Foto: IMAGO/foto2press

Zwischen 2002 und 2004 spielte Michael Mutzel für den VfB Stuttgart. Nun trifft er als Geschäftsführer von Arminia Bielefeld seinen Ex-Club – ausgerechnet im Finale des DFB-Pokals.

Wer die Saison von Arminia Bielefeld ein bisschen verfolgt hat in den vergangene Wochen, der wird sich nicht wundern, wenn Michael Mutzel, der Geschäftsführer Sport des bisherigen Drittligisten, sagt: „Es sind auf jeden Fall verrückte Tage und Wochen.“ Zuletzt aber hat diese Verrücktheit eben noch einmal ein ganz neues Level erreicht.

 

Am Samstag wurden die Bielefelder als Fernsehzuschauer Aufsteiger in die zweite Liga. Der spontanen kleinen Feier folgte die große Sause nach dem 2:1 bei der SpVgg Unterhaching am Sonntag. „Gefühlt sind momentan alle rund um die Arminia durchgedreht“, sagt Michael Mutzel, „und dann reisen wir am Montagmorgen nach Berlin zum Cup-Handover.“ Denn: So richtig verrückt ist die Zeit in Bielefeld derzeit ja nicht nur wegen der Rückkehr in die zweite Liga. Sondern vor allem, weil das Team des Trainers Mitch Kniat parallel dazu auch noch das Pokalfinale erreicht hat. Vier Bundesligisten mussten auf dem Weg nach Berlin dran glauben, am 24. Mai ist der fünfte der Gegner. Der für Michael Mutzel noch eins obendrauf setzt auf diese ungewöhnliche Geschichte. „Dass der VfB Stuttgart unser Kontrahent im Endspiel ist, macht die Sache für mich noch besonderer“, sagt der 45-Jährige, „wahrscheinlich sollte es einfach so sein.“

Michael Mutzel und der VfB – diese Liaison ist eine Weile her. Felix Magath hat den damals noch jungen Mittelfeldspieler im Sommer 2002 nach Stuttgart geholt, gemeinsam feierten sie im Jahr darauf die Vizemeisterschaft in der Bundesliga und den Einzug in die Champions League. Im zweiten Jahr fiel Mutzel wegen Problemen an der Patellasehne samt Operation zwar fast komplett aus, bangte sogar um seine Karriere und wechselte 2004 nach nur zwei Jahren zum Karlsruher SC. Dennoch sagt er heute: „Ich hatte in Stuttgart eine echt gute Zeit.“ In der er auch seine Frau kennenlernte, mit der er mittlerweile drei Kinder hat.

Michael Mutzel im Trikot des VfB, für den er zwischen 2002 und 2004 spielte. Foto: baumann

Weil die Schwiegereltern nach wie vor in Stuttgart leben, ist Michael Mutzel noch öfters in der baden-württembergischen Landeshauptstadt zu Gast. In der er einst an der Seite von Timo Hildebrand, Alexander Hleb, Philipp Lahm, Zvonimir Soldo oder Krassimir Balakov spielte. „Wir hatten viele tolle Spieler in unserem Kader“, erinnert sich der Sportchef der Arminia, „leider war ich selbst zu selten körperlich in einer Topverfassung.“ Die Kraft und Wucht des VfB hat er schon damals wahrgenommen, seit die Vorbereitungen auf das Endspiel laufen, erlebt er sie noch mal aufs Neue.

Aber: Mit dem Duell David gegen Goliath hat die Arminia in dieser Pokalsaison ja gute Erfahrungen gemacht. Der 1. FC Union Berlin, der SC Freiburg, der SV Werder Bremen und sogar Bayer Leverkusen scheiterten auf der Alm. Und zwar nicht mit ganz viel Pech gegen eine rein kämpferisch überzeugende Bielefelder Mannschaft. Nach jedem dieser Duelle bescheinigten Fans wie Experten dem Außenseiter, auch richtig guten Fußball gespielt zu haben.

Die Pokalerfolge tun der Arminia finanziell gut

„Das“, sagt Mutzel, „macht mich und uns besonders stolz.“ Die Pokalserie beruhe nicht auf Glück, sondern: „Es waren Spiele auf Augenhöhe. Und am Ende waren wir jeweils ein bisschen besser als unsere Gegner.“ Was an der Ausgangslage des Endspiels aber nichts ändert: „Dass wir absoluter Außenseiter sind, ist klar.“

Allerdings einer, der sein großes Saisonziel schon erreicht hat: den Aufstieg in die zweite Liga. Das, so könnte man meinen, senkt den Druck der Bielefelder fürs Endspiel zusätzlich. Mutzel sieht den Zusammenhang zwischen Aufstieg und Pokalerfolgen jedoch ein wenig anders. Eben durch die Siege im Cupwettbewerb sei der Druck in der Liga eher gesunken. Sportlich, aber vor allem auch finanziell. „Als Drittligist hast du ja kaum Möglichkeiten, Einnahmen zu generieren“, sagt Mutzel. Und weil nach dem Absturz von der ersten in die dritte Liga der wirtschaftliche Druck groß war, kamen nun die Prämien aus dem DFB-Pokal gerade recht.

„Die Erfolge im Pokal haben uns finanzielle Stabilität gebracht“, sagt Mutzel, „wir schwimmen nun zwar nicht im Geld, haben uns aber erholt.“ Nach dem geglückten Aufstieg will er die Arminia nun auch sportlich in der zweiten Liga stabilisieren – damit das stete Auf und Ab der Vergangenheit angehört. Doch erst einmal steht nach dem letzten Ligaspiel ja noch das große Finale in Berlin an – das die Arminia theoretisch ja auch noch in die Europa League führen könnte.

Dass es überhaupt so weit kam, dafür war eine Steigerung in der Rückrunde verantwortlich. „Wir haben in den letzten drei Monaten die Rakete gezündet“, sagt Mutzel, der auch schon in der Vorrunde nicht unzufrieden gewesen ist. „Wir haben da ähnlich gut gespielt, uns fehlte aber die Effektivität im letzten Drittel“, erinnert er sich. Die kam durch das Comeback von Noah Sarenren Bazee und die Verpflichtung von Joel Grodowski im Winter. Von den vergangenen 14 Drittligaspielen hat die Arminia nur eines verloren, dazu kamen die beiden Siege im Pokal-Viertel- und -Halbfinale. „Wir haben schon über die gesamte Saison“, sagt Mutzel, „eine sehr gute Energie in der Mannschaft.“

Die am 24. Mai auch der VfB Stuttgart zu spüren bekommen soll.