Wenn das Wetter auch nur halbwegs mitspielt, genießen viele die stimmungsvollen Kinonächte auf der Esslinger Burg. Foto: Roberto Bulgrin

Mit 16 800 Besuchern hat das 30. Filmfestival des Kommunalen Kinos Esslingen das Ergebnis des verregneten Vorjahres deutlich übertroffen – trotzdem bleibt die unsichere Witterung ein Risikofaktor. Zum Abschluss zogen die Veranstalter nochmals alle Register.

Das Open-Air-Filmfestival auf der Esslinger Burg ist zu Ende, und als das Team des Kommunalen Kinos (Koki) am späten Samstagabend Bilanz zog, blickten der Vereinsvorsitzende Marko Ehrt und seine Mitstreiter „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“ auf die vergangenen elf Abende zurück. Ein Katastrophensommer wie im vergangenen Jahr mit fast durchweg verregneten Abenden war ihnen diesmal erspart geblieben. Weil das Wetter jedoch auch diesmal an einigen Abenden Kapriolen schlug, war auch das jüngste Festival ein gutes Stück von früheren Publikumsrekorden entfernt. Dennoch zeigt sich Ehrt zufrieden: „Wir hatten sehr stimmungsvolle Abende, das Publikum war bester Laune, und unsere Ehrenamtlichen haben sich ein weiteres Mal sehr bewährt. Viele freuen sich schon aufs nächste Jahr.“ Kein Wunder, schließlich zog das Koki zum großen Finale nochmals alle Register und zeigte, wie reizvoll ein Abend im Kino auf der Esslinger Burg sein kann.

 

Wetter bleibt ein Risikofaktor

16 800 Zuschauerinnen und Zuschauer wurden diesmal an elf Abenden gezählt – deutlich mehr als 2023, als man sich mit 12 900 Gästen begnügen musste. Dass trotzdem Luft nach oben blieb, hat nach Marko Ehrts Einschätzung verschiedene Gründe: „Die Witterung war an vielen Tagen nicht stabil genug, um für ausverkaufte Vorstellungen zu sorgen. Unser Publikum ist zwar sehr wetterfest, aber wenn man an manchen Abenden sogar mit Unwettern rechnen muss, sind das nicht die besten Voraussetzungen. Dazu kommt, dass sich das Publikumsverhalten seit Corona verändert hat. Und auch die Filmauswahl war in vielen Jahren schon einfacher gewesen.“

Was bei idealen Voraussetzungen möglich ist, zeigten stark frequentierte Filme wie Ivan Calbéracs Sommerkomödie „Liebesbriefe aus Nizza“, die schon vor dem Bundesstart auf der Burg lief, Sam Taylor-Johnsons Amy-Winehouse-Filmbiografie „Back to Black“ und natürlich der Eröffnungsfilm „Bob Marley: One Love“: Weil die Stadt nach einigem Hin und Her 2000 ehrenamtlich Engagierte als Dank für deren unermüdlichen Einsatz zu diesem Abend eingeladen hatte, wurden die Tickets knapp.

Ein „runder“ Genuss

Für den Koki-Vorsitzenden Marko Ehrt und seine Mitstreiter gibt es am Erfolgsmodell des Kinos auf der Burg, das wie immer von unserer Zeitung präsentiert und von der Kreissparkasse und der Zukunftsstiftung Heinz Weiler gefördert wurde, nichts zu deuteln: „Esslingen hat mit der Burg einen der attraktivsten Open-Air-Veranstaltungsorte weit und breit. Die Verbindung von Film, Live-Musik und Gastronomie sorgt für einen ‚runden’ Genuss. Schöner kann man Kino unter freiem Himmel nicht genießen.“ Davon durfte sich das Publikum am letzten Abend einmal mehr überzeugen, denn die Veranstalter haben nochmals alle Register gezogen: Zunächst ließen es die Zydeco Playboys mit Musik aus den Südstaaten der USA krachen, dann zeigten Tänzerinnen und Tänzer aus Gregory Darcys Ensembles „Die TanzKompanie“ und „Die TanzKompanie junior“ einige Choreografien – ihr „Solo für drei Autisten“ war wie geschaffen, um das Publikum auf Marc Rothemunds Film „Wochenendrebellen“ einzustimmen, der bewegende Einblicke in die akustisch-visuelle Welt eines Autisten bot.

Während das Kino auf der Burg damit fürs Publikum für dieses Jahr zu Ende war, hieß es für das Koki am Sonntag, den aufwendigen Abbau der ganzen Open-Air-Kino-Infrastruktur zu meistern. Marko Ehrt war davor allerdings nicht bang: „Unsere Ehrenamtler sind unser größtes Pfund – auf sie können wir uns jederzeit verlassen. Das Kino auf der Burg ist für unseren Verein immer der Höhepunkt im Jahresprogramm, und diejenigen, die geholfen haben, dieses Festival zu stemmen, dürfen stolz sein auf das, was sie in den vergangenen Tagen geleistet haben. Das schweißt alle noch viel mehr zusammen.“

Fortsetzung mit dem Kino am Campus

Zugabe
 Das Filmfestival auf der Esslinger Burg ist vorüber, doch damit muss die Open-Air-Saison für Kino-Fans noch lange nicht zu Ende sein: Vom 15. August bis zum 4. September lädt das Kommunale Kino allabendlich zum Kino am Campus ein. Anders als auf der Burg, wo bis zu 3000 Besucher möglich sind, genießt man Filme am Hochschul-Campus in der Innenstadt in kleinerem, aber nicht minder stimmungsvollem Rahmen. 2011 hat das Kommunale Kino (Koki) anlässlich des 30-jährigen Bestehens die Premiere dieser Open-Air-Reihe gefeiert. Die Idee kam so gut an, dass daraus eine Dauereinrichtung wurde. Seither bietet der Biergarten der Koki-Gastronomie am Hammerkanal Platz für bis zu 130 Gäste. Diesmal darf sich das Publikum auf reizvolle Filme wie „Zwei zu eins“, „Juliette im Frühling“ oder „Es sind die kleinen Dinge“ freuen.

Ehrenamt
 160 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer haben das Kino auf der Burg erst möglich gemacht. Eigentlich hätten sie es verdient gehabt, am ersten Abend auf der Burg genau wie viele andere Ehrenamtler aus unterschiedlichen Bereichen für ihr Engagement mit einer entspannten Filmvorstellung belohnt zu werden. Doch während die anderen genießen durften, mussten sie zupacken. Damit auch die fleißigen Helferinnen und Helfer des Kommunalen Kinos auf ihre Kosten kommen, gehört ihnen ein exklusiver Abend im Kino am Campus.