Nach der Weltpremiere im Jahr 2019 wurde Porsche der E-Sportwagen Taycan jahrelang aus den Händen gerissen. Nun zeigt er im Absatz ähnliche Schwächen, wie viele andere E-Autos. Foto: dpa/Patrick Pleul

Jahrelang wurde das erste vollelektrische Modell dem Autohersteller aus den Händen gerissen. Doch der allgemeinen E-Schwäche kann sich auch Porsche nicht länger entziehen. Nun soll der Taycan nur noch in einer Schicht pro Tag gefertigt werden.

Die allgemeine Schwäche der Elektromobilität trifft nun auch den Stuttgarter Sportwagenhersteller Porsche mit Wucht. Angesichts des schwachen Absatzes will das Unternehmen nun die Fertigung des vollelektrischen Flaggschiffs Taycan neu organisieren. Nach Informationen unserer Zeitung plant Porsche, das in Zuffenhausen gebaute Modell nur noch im Einschichtbetrieb zu produzieren. Demnach laufen derzeit entsprechende Gespräche mit dem Betriebsrat. Stellenstreichungen sind offenbar nicht geplant. Ein Unternehmenssprecher wollte die Informationen nicht kommentieren.

 

Rund fünf Jahre lang war der Taycan das einzige vollelektrische Porsche-Modell. Nun kommt mit dem Macan eine zweite E-Baureihe auf den Markt. Über weite Strecken seiner bisherigen Laufzeit war der Taycan ein Erfolgsmodell. Im vergangenen Jahr überschritt sein Absatz die Marke von 40.000, so dass Porsche mit einem einzigen Modell einen Elektroanteil am Absatz von mehr als zwölf Prozent erreichte.

Diesmal keine Sonderkonjunktur

Mit einer gewissen Verzögerung erreicht die Flaute an den globalen E-Auto-Märkten nun auch den Stuttgarter Sportwagenhersteller, der sich ansonsten in Zeiten schwächelnder Märkte meist eine Sonderkonjunktur schaffen konnte. Der Taycan leidet allerdings ebenso, wie die meisten E-Fahrzeuge aller Segmente, unter der wachsenden Skepsis der Verbraucher. Wer unbedingt ein E-Auto besitzen will, hat es längst. Die neuen Kundenschichten, die man für eine Fortsetzung der Absatzerfolge benötigt, stehen der Technologie aber abwartend, teilweise auch ablehnend gegenüber. Dabei ist das Thema Reichweite für das Modell von untergeordneter Bedeutung, wurde es vom ADAC doch sogar zum Reichweitenkönig erklärt. Auch bei der Ladegeschwindigkeit lotet Porsche die Grenzen des technisch Möglichen aus.

China steht auf Luxus-Verbrenner

Besonders der riesige Markt in China stellt deutsche Luxusauto-Hersteller allerdings vor erhebliche Probleme. Deren Fahrzeuge sind dort fast nur dann gefragt, wenn sie mit einem Verbrennungsmotor ausgestattet sind. Deshalb tut sich der Taycan dort bisher ebenso schwer, wie das vollelektrische Mercedes-Flaggschiff EQS, das Pendant zur S-Klasse. Die beiden Hersteller erwarten zwar, dass sich der Markt dort entwickeln wird und sie sich dann ordentliche Marktanteile sichern können – bisher ist davon aber noch nicht viel zu sehen. Wohl auch deshalb kündigte Mercedes nun an, noch in diesem Jahrzehnt nochmals eine ganz neue S-Klasse mit Verbrennungsmotor auf den Markt zu bringen.

Der Taycan kommt nun im Rahmen der Modellpflege mit einer deutlichen Aufwertung auf den Markt, nicht zuletzt im Bereich der Batterietechnologie. Das dürfte dem Absatz gut tun, zumal ein Teil der gegenwärtigen Kaufzurückhaltung auch dem Warten auf die Erneuerung der Baureihe geschuldet ist. Offensichtlich sieht Porsche die gegenwärtige Nachfrageschwäche aber nur teilweise in diesen zyklischen Schwankungen begründet. Daher plant man nun eine strukturelle Änderung der Produktion. Hohe Rabatte, die den Absatz beflügeln würden, will Porsche nicht gewähren, um eine Beschädigung der Marke und ihrer Wertigkeit zu vermeiden.

Arbeitsplätze sollen durch die Kürzung der Taycan-Fertigung nicht bedroht sein – jedenfalls nicht solche der Stammbeschäftigten. Bereits vor einigen Wochen hatte der Autohersteller angekündigt, mehrere Hundert befristete Arbeitsverträge nicht zu verlängern. Beschäftigte, die beim Taycan nicht benötigt werden, braucht Porsche für andere Modelle, die zumeist deutlich besser laufen.

Der V-förmige Absatz

Nach Aussagen von Porsche-Chef Oliver Blume befindet sich das Unternehmen derzeit in einer V-förmigen Entwicklung der Absatzzahlen, weil vier von sechs Baureihen erneuert werden – neben dem Taycan auch der 911er, der Panamera und vor allem der Macan, der erstmals in einer vollelektrischen Variante auf den Markt kommt, die aus zulassungsrechtlichen Gründen in der EU die Verbrennervariante sogar ersetzen wird. Angesichts dieser ungewöhnlichen Ballung von Modell-Erneuerungen hält sich der Absatzrückgang von vier Prozent im ersten Quartal dieses Jahres in Grenzen. Auch hier zeigt sich mit einem Minus von 24 Prozent aber die Schwäche des chinesischen Marktes.

Der Hoffnungsträger aus Leipzig

Gleichwohl ist China der mit Abstand größte Markt für Elektroautos. In China werden doppelt so viele reine E-Autos verkauft wie im gesamten Rest der Welt. Allerdings konzentriert sich die Nachfrage fast ausschließlich auf das mittlere und untere Segment. Der vollelektrische Macan, der in Leipzig gebaut wird, ist für Porsche insofern ein Hoffnungsträger – zielt er doch auf ein chinesisches Marktsegment, das weit stärker entwickelt ist, als das Luxussegment, in dem man mit dem Taycan unterwegs ist. Porsches Erfolg wird nicht zuletzt davon abhängen, ob es gelingt, sich mit der starken Marke dem extrem scharfen Preiskampf auf Chinas E-Markt zu entziehen.