Klassische Nachhilfe oder doch lieber Lernen mit der KI? Wir haben den Test gemacht. Foto: dpa

Wie gut sind die KI-Nachhilfelehrer von Duden und Schülerhilfe? Können sie gar die klassische Nachhilfe ersetzen? Wir haben einen solchen KI-Tutor mit Matheaufgaben und Vokabeln gefüttert – und nebenbei sogar einen Tipp für die Abendgestaltung bekommen.

Schlechte Noten im Halbjahreszeugnis, zu viele Hausaufgaben oder Überlastung beim Lernen – für viele Schülerinnen und Schüler ist Nachhilfe eine wichtige Stütze im Schulalltag. Doch es geht auch einfacher, das suggerieren zumindest Anbieter von KI-unterstützten Lernprogrammen. Die Schülerhilfe und auch Duden haben solche KI-Tutoren entwickelt. Sie werben mit dem persönlichen Lernhelfer fürs Kind, der immer und überall greifbar ist. Doch was steckt dahinter? Kann die KI den Nachhilfelehrer oder die Nachhilfelehrerin gar ersetzen?

 

Wir haben die KI von Duden genauer unter die Lupe genommen. Sie heißt Kim. Mit Tutor Kim können Schülerinnen und Schüler über den Messenger-Dienst Whatsapp kommunizieren. Er unterstützt in Deutsch, Mathe, Englisch und sechs weiteren Schulfächern ab der vierten Klasse. Kim sei geduldig bei allen Fragen und halte passende Erklärvideos und Übungen bereit, heißt es im Werbevideo auf Youtube. Ein Schnappschuss mit dem Handy genüge, die Aufgabe per Whatsapp an Kim geschickt, und schon helfe der KI-Tutor dabei, das Problem zu verstehen und selbstständig zu lösen.

Zuerst hilft die KI bei Mathe und Vokabeln, dann bei der Abendgestaltung

Wir nehmen mit Kim via Whatsapp Kontakt auf. Das klappt problemlos. Wir schicken der KI ein Foto mit Englischvokabeln. „Ich muss diese Wörter für einen Test lernen. Kannst du mir helfen?“, lautet die erste Frage an die KI. „Klar, ich helfe dir gerne! Versuche mit den Vokabeln eigene Sätze zu bilden oder eine kleine Geschichte zu schreiben. Das hilft dir dabei, die Wörter in einen Kontext zu setzen. Du kannst auch ähnliche Wörter miteinander verbinden und dir ein kleines Quiz erstellen, um dich selbst zu testen.“ Das Foto mit ein paar selbst geschriebenen Sätzen ist schnell geschickt. Kims Antwort überrascht positiv. Die KI kann die Handschrift lesen und findet alle Fehler.

Als nächstes fragt unsere Redaktion die KI in Mathe um Hilfe. Es geht um das Auflösen von Klammern. Kim hat mit dieser Aufgabenstellung keine Probleme und findet immer wieder neue Erklärwege, wenn sie die Rückmeldung bekommt, dass man es immer noch nicht verstanden habe. Zudem nennt sie einen Link. Dieser führt zu weiteren Übungen und Lernvideos auf der Online-Plattform von Learnattack. Kims Antworten kommen grundsätzlich sowohl als Text- als auch als Sprachnachricht.

Nun haben wir genug vom Lernen und fragen den KI-Tutor nach einem einfach zu kochenden Abendessen und einem schönen Familienfilm. Auch dabei kann Kim helfen. Er liefert ein Rezept für einen Nudelauflauf und schlägt uns die Biografie „Hidden Figures – Unbekannte Heldinnen“ vor. Der Film erzähle die Geschichte dreier brillanter Mathematikerinnen, die in der Raumfahrt arbeiten, erklärt die KI, fügt dann aber noch hinzu: „Und vergiss nicht, danach ein paar Vokabeln oder Matheaufgaben durchzugehen.“

Kim von Duden soll die klassische Nachhilfe ergänzen

Auf die Frage, wieso Kim auch bei dieser Frage einen Vorschlag hat, antwortet Elias Eberhagen, Marketingleiter bei Duden Learnattack: „Der KI-Tutor ist trainiert und angereichert mit Lerninhalten und darauf eingestellt, dass er sich nur in diesem Rahmen bewegt.“ Aber darüber hinaus könne die KI auch Informationen aus dem dahinterliegenden, allgemeinen Sprachmodell – aktuell ist das Chat GPT 4 – nutzen und so auf allgemeine Fragen reagieren. Allerdings sei Kim auch darauf trainiert, dann immer wieder aufs Lernen zurückzukommen.

Prinzipiell hilft Kim Lernenden in Deutsch, Mathe, Englisch, Biologie, Physik, Chemie, Französisch, Latein und Geschichte. Weitere Fächer sind in Arbeit. Den Assistenten gibt es seit März 2024. Das Feedback von Nutzerinnen und Nutzern sei insgesamt sehr positiv, sagt Elias Eberhagen und ergänzt: „Eine aktuelle Umfrage hat ergeben, dass der KI-Tutor für viele Lernende nicht mehr verzichtbar ist. Eine Auswertung des Nutzerverhaltens der WhatsApp-Nachhilfe zeigt außerdem eine intensive, natürliche und zielführende Nutzung des Tutors.“ In den vergangenen zwölf Monaten habe es eine sechsstellige Anzahl an Interaktionen zwischen den Lernenden und dem KI-Tutor gegeben – mit stark steigendem Trend.

Zu den wichtigsten Vorteilen, die ein KI-Tutor gegenüber der klassischen Nachhilfe biete, zählen laut Elias Eberhagen:

  • Der KI-Tutor sei rund um die Uhr erreichbar.
  • In der WhatsApp-Variante könne man nicht nur mit Kim schreiben, sondern auch in vielen Sprachen mit dem Tutor per Sprachnachricht kommunizieren, was insbesondere für nicht-deutschsprachige Lernende eine große Hilfe sei.

Auch gegenüber kostenlosen Chatbots wie Chat GPT habe Kim deutliche Vorteile.

  • Der KI-Tutor werde im didaktischen Modus betrieben. Das heißt, er nenne nicht die Lösung, sondern helfe beim Finden einer Lösung. Zum Beispiel in Mathe indem er mit Hilfe ähnlicher Aufgaben das allgemeine Prinzip erkläre.
  • Kim greife auf von Lehrkräften geprüfte Inhalte zurück und werde stetig verbessert.
  • Kim sammle keine persönlichen Daten, sondern treffe sogar aktiv Vorsorge, dass keine persönlichen Daten im Internet landen.

Ein KI-Tutor sei nicht unbedingt ein Ersatz für persönliche Nachhilfe, sondern eher eine wichtige Ergänzung, räumt Elias Eberhagen ein. Ohnehin eigne sich Kim vor allem für motivierte Lernende. Denn eine KI könne nicht extrinsisch motivieren, wie es etwa eine Nachhilfekraft vor Ort könne. Sprich, wer keine Lust zum Lernen hat, der wird auch mit der KI keine besseren Noten bekommen. Zusätzlich zum KI-Tutoren bietet Duden Learnattack eine umfangreiche Online-Plattform mit Lernvideos, Übungen und Probeklausuren zu vielen Themen in zehn verschiedenen Fächern an.

Kira von der Schülerhilfe nutzt ausschließlich Inhalte des Lernzentrums

Das Nachhilfeinstitut Schülerhilfe bietet seit September 2024 eine KI-Tutorin an. Doch anders als Kim von Duden Learnattack greift Kira ausschließlich auf die Inhalte des Online-Lernzentrums der Schülerhilfe zurück. „Antworten werden nicht wild im Internet gesucht und sind dann möglicherweise nicht korrekt“, sagt Nadesha Dietz. Darum könne Kira auch keinen Film für einen gemeinsamen Fernsehabend vorschlagen, ergänzt die Teamleiterin Kommunikation und Creatives bei der ZGS Bildungs-GmbH, zu der auch die Schülerhilfe gehört.

Lernen am Computer – das ist auch bei der Schülerhilfe möglich. Kerngeschäft sollen aber die Nachhilfestunden vor Ort in Kleingruppen bleiben. Foto: Schülerhilfe

Davon abgesehen funktioniert Kira ähnlich wie Kim. Das Angebot gibt es derzeit für die Fächer Mathe, Deutsch, Englisch, Französisch und Latein und richte sich vorrangig an Kinder an weiterführenden Schulen. Kerngeschäft der Schülerhilfe sollen aber die Nachhilfestunden vor Ort in der kleinen Gruppe bleiben. „Das ist das best- und meistgenutzte Angebot. Dabei können die Lehrkräfte individuell auf die Bedürfnisse und Defizite der Kinder eingehen. Die persönliche Betreuung steht bei uns im Vordergrund“, sagt Dietz.

Aber wenn es ad-hoc Hilfe brauche, sei Kira durch die permanente Erreichbarkeit im Vorteil. Zudem antworte die KI-Tutorin in jeder Sprache, in der eine Frage gestellt werde. Auch das könne eine Nachhilfekraft vor Ort nicht bieten. „Das erste Feedback von Nutzerinnen und Nutzern ist extrem positiv“, sagt Dietz, „auch wenn es gerade in Deutschland noch gewisse Vorbehalte gegenüber KI gibt“. Kira wurde in den vergangenen Monaten und werde weiterhin kontinuierlich ausgebaut und verbessert. „Das würden wir nicht machen, wenn uns der Erfolg nicht Recht geben würde“, betont Dietz.

Das kosten KI-Tutoren

Learnattack
Die Nutzung der Lernplattform von Duden Learnattack, die zur Cornelsen-Gruppe gehört, mit mehr als 40 000 Videos, Übungen und Probe-Klassenarbeiten kostet aktuell 14,99 Euro im Monat, inklusive KI-Nachhilfe-Chat sind es 19,99 Euro, mit KI-Nachhilfe per Whatsapp zahlt man aktuell 23,99 Euro.

Schülerhilfe
Eine Nachhilfestunde im Präsenz- oder Online-Unterricht in der Kleingruppe mit drei bis fünf Teilnehmenden kostet bei der Schülerhilfe im Schnitt 8,76 Euro. Die Verträge haben meist eine Laufzeit von zwölf oder 24 Monaten. Den Zugang zum Online-Lerncenter mit mehr als 230 000 Aufgaben und interaktiven Tests, mehr als 10 000 Erklärungen und Webinare sowie etwa 2000 Lernvideos gibt es gratis dazu. Wer darüber hinaus Kira nutzen möchte, zahlt monatlich etwa zehn Euro extra.

Weitere Anbieter
KI-Tutoren für Schülerinnen und Schüler als Nachhilfelehrkraft sind noch recht neu. Im Internet sind einige weitere Anbieter zu finden, deren Angebote zumindest in der Basisversion zum Teil auch kostenlos sind. Allerdings sollten Eltern prüfen, welche Informationsgrundlage dieses Assistenten haben und in welchem Umfang sie persönliche Daten sammeln und Nutzerprofile erstellen.