Mit Pfisterer-Produkten sichern die Plattformen BorWin4 und DolWin4 eine effiziente Übertragung von Windenergie von der Nordsee ans Festland. Foto: Siemens AG/Ulrich Wirrwa

Der Energietechnik-Spezialist Pfisterer aus Winterbach bei Stuttgart will Anleger elektrisieren und strebt an die Börse. Mit den gut 100 Millionen Euro, die so in die Kasse kommen sollen, will der Mittelständler künftiges Wachstum finanzieren.

Das Familienunternehmen Pfisterer aus Winterbach (Rems-Murr-Kreis) strebt im zweiten Quartal 2025 den Gang an die Börse an. Wie die Pfisterer Holding SE mitteilte, soll der Börsengang rund 100 Millionen Euro in die Kasse spülen.

 

Der Mittelständler, der Produkte für den Anschluss und die Isolierung von elektrischen Leitern an Schnittstellen von Stromnetzen entwickelt, produziert und verkauft, profitiert von der Energiewende und sieht große Wachstumschancen. Mittelfristig seien 665 bis 735 Millionen Euro Umsatz möglich, bei steigenden Margen, teilte das Unternehmen mit, das 2024 den Umsatz um knapp 15 Prozent auf gut 383 Millionen Euro gesteigert hat.

Mindestens 25 Prozent Streubesitz geplant

Der Auftragseingang lag bei mehr als 423 Millionen Euro, was einem Zuwachs von mehr als 18 Prozent entspricht. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) erreichte im vergangenen Jahr 64,6 Millionen Euro (nach 52,3 Millionen Euro 2023). Pfisterer will nach eigenen Angaben etwa 30 Prozent des Gewinns als Dividende ausschütten. Die bestehenden Aktionäre hätten sich verpflichtet, einen Teil der Aktien abzugeben, so dass mindestens 25 Prozent des Unternehmens im Streubesitz sind, heißt es in der Mitteilung weiter.

„Der geplante Börsengang markiert das nächste Kapitel in der Erfolgsgeschichte von Pfisterer und wird unsere führende Position weiter stärken. Er ermöglicht es uns, unser Wachstum durch mehrere klar identifizierte Investitionen zu beschleunigen, unsere finanziellen Fähigkeiten zu stärken und unsere Unabhängigkeit als spezialisierter Anbieter von elektrischen Anschluss- und Isolationslösungen für Stromnetzschnittstellen zu wahren“, sagte Pfisterer-Vorstandssprecher Johannes Linden.

Foto: Pfisterer

Mittelfristig sollen den Angaben zufolge aus den Erlösen aus dem Börsengang und den Gewinnen des Unternehmens insgesamt rund 215 Millionen Euro investiert werden – vor allem in den Ausbau der Produktionskapazitäten im In- und Ausland, sowie kleinere Zukäufe. Erst kürzlich wurde die Übernahme von Power CSL abgeschlossen, einem führenden spezialisierten Ingenieurunternehmen, das Produkte und Dienstleistungen für die Verbindung von Unterseekabeln für die globale Offshore-Industrie anbietet.

Pfisterer beschäftigt 1200 Mitarbeiter an 17 Standorten weltweit und wurde 1921 von Karl Pfisterer als „Fabrik elektrotechnischer Spezialartikel“ gegründet. Produkte des Mittelständlers sind etwa in Hochspannungsnetzen, Umspannwerken, Zügen, aber auch in Windrädern auf hoher See und Erdkabel-Anlagen.

Beim Börsengang sind unter anderem die Investmentbank Berenberg, die Commerzbank aber auch die Landesbank Baden-Württemberg mit im Boot. Die Aktien sollen im sogenannten Scale-Segment, dem Wachstumsmarkt für kleine und mittelständische Unternehmen der Frankfurter Wertpapierbörse, aufgenommen werden. Weitere Details will das Unternehmen später mitteilen.