Der Asemwald will weg vom Gas als Energieversorgung. Foto: Imago/Arnulf Hettrich

Momentan werden die 1137 Wohnungen in der Wohnstadt Asemwald mit Gas beheizt. Wie kann sich das bis 2035 ändern, wenn die Stadt Stuttgart ohne Gas auskommen will? Bewohner nehmen die Sache nun selbst in die Hand – mit guten Aussichten.

Die Idee, die für den Asemwald zu einer wichtigen Weiche in die Zukunft werden könnte, ist bei einem Gespräch mit Nachbarn aufgekommen. Das erzählt Thomas Ferwagner. Er ist im Verwaltungsbeirat, der die Interessen der Bewohner der Stuttgarter Hochhaus-Siedlung bündelt. Und als Architekt ist er der Mann für die energetischen und damit die großen Fragen der Wohnstadt.

 

Bereits vor Monaten hatte die Stadt Stuttgart ein Grundstück auf dem Birkacher Feld ins Spiel gebracht: 1,8 Hektar groß und von der Uni Hohenheim landwirtschaftlich für Versuchszwecke genutzt. Das Feld gehört der Stadt, und offenbar kann man sich vorstellen, den Untergrund zu verpachten – für eine Großwärmepumpe, die dem Asemwald Wärme liefern würde. Der Ackerbau wäre nur während der Bauzeit gestört.

Stuttgart soll bis 2035 emissionsfrei werden

Momentan werden die 1137 Wohnungen im Asemwald mit Gas beheizt; die Heizungsanlage funktioniert, kommt aber in die Jahre. Zudem strebt Stuttgart an, bis 2035 emissionsfrei zu sein. Für den Asemwald stellt das eine Herausforderung dar. Doch nun zeichnet sich eine Möglichkeit ab.

Die Frage, die der Nachbar ihm damals beim Flurgespräch stellte, war: Habt ihr schon mal an eine Energiegenossenschaft gedacht? „Ich fand die Idee smart“, sagt Ferwagner. Also hat er sie aufgegriffen und treibt sie seither voran. In der Bewohnerzeitschrift „Asemwald intern“ hat er ausführlich darüber informiert, und er hat in einer Umfrage abgeklopft, ob sich überhaupt eine ausreichende Zahl an Leuten daran beteiligen würde.

Der Asemwald sucht einen Weg für die Wärmewende. /Imago/Arnulf Hettrich

Ferwagner schätzt die Gesamtinvestition auf mindestens fünf Millionen Euro; diese müsste die Energiegenossenschaft – abzüglich der möglichen Förderungen – aufbringen. Und dafür müssten sich wiederum genügend Energiegenossen finden, die einsteigen. Nach der Auswertung der Umfrage im Asemwald zeigt er sich zuversichtlich. „Das Interesse ist sehr stark da“, sagt er. „Die Umfrage sagt: weiter machen.“ Das haben sie so auch bei der Stadt hinterlegt.

Der nächste Schritt sei eine Informationsveranstaltung im kommenden Jahr. Dafür suche man einen nah gelegenen Raum, in dem mindestens 200 Leute Platz haben. Zum einen sollen Fragen beantwortet, aber auch tatsächliches Interesse abgeklopft werden. Gleichzeitig brauche man von der Stadt bald mehr Verbindlichkeit. Derzeit hänge die Angelegenheit zwischen dem Amt für Umweltschutz und dem Liegenschaftsamt.

Geothermie auf dem Birkacher Feld?

„Die Stadt klärt aktuell, wie die Nutzung der Flächen auf dem Birkacher Feld für Geothermie sichergestellt werden kann und ist dazu mit den beteiligten Akteuren im Gespräch, um das Projekt möglichst rasch umzusetzen“, teilt Laura Orlik, Sprecherin der Stadt, auf Nachfrage mit.

Es sei ja ein Projekt ohne Vorbild, sagt Ferwagner. Die wohl größte Geothermiefläche dieser Art im Großraum Stuttgart. Mit Energiegenossenschaften gibt es indessen bereits Erfahrungen. In Deutschland seien um die 600 aktiv, hat Ferwagner recherchiert. In Stuttgart-Botnang ist gerade auch eine in Gründung, die ihren Mitgliedern helfen soll bei der Wärmewende.

Neben der Heizquelle sei aber auch die Energieeinsparung wichtig, sagt Ferwagner. Und da die Fassaden der drei Hochhäuser vor allem aus Fenstern bestehen, werbe man darum, sie zu tauschen. Bis zu 70 Prozent Einsparung sei möglich, hat er sich gerade von einem, der saniert habe, sagen lassen, erzählt Ferwagner. Fenster sind Sondereigentum, da entscheidet jeder für sich selbst. Doch klar ist: Je weniger die Hochhaussiedlung an Energie verbraucht, desto weniger muss aus dem Birkacher Feld gepumpt werden. Das habe Auswirkungen auf die Gesamtinvestition.