Ob hier je Solarmodule an den Balkonen hängen werden, ist fraglich. Unter anderem, weil vielleicht nicht alle mitmachen würden. Im Asemwald lege man Wert auf Einheitlichkeit, heißt es. Foto: /Michael Werner

Wenn sich die Eigentümer im Asemwald Gedanken über ihre Heizung machen, dann betrifft das 1137 Wohnungen. Das Hochhausdorf heizt mit Gas. Beim Blick auf die künftige Energieversorgung will man keine Denkverbote.

Die Asemwald-Bewohner sind beunruhigt. Stephan Schreiner weiß das ziemlich genau, weil er zurzeit mit vielen seiner Nachbarn spricht. Sie rufen ihn an, oder er trifft sie unten beim Bäcker. Schreiner ist Vorsitzender des Verwaltungsbeirats und vertritt mit anderen Ehrenamtlichen die Interessen der Bewohner. Und die liegen auf der Hand, seit Putin die Ukraine angegriffen hat, der Energiemarkt verrückt spielt und alle übers Heizen im Winter sprechen. „Die Bewohner sind natürlich unruhig, die scharren mit den Füßen“, sagt Stephan Schreiner. Das Hochhausdorf heizt mit Gas.

 

Berater inspiziert Heizung und erarbeitet Vorschläge

Vor fast 20 Jahren sei die Heizung im Asemwald erneuert worden. „Die Gaskrise jetzt schlägt natürlich voll durch“, sagt Stefan Geiger von der Hausverwaltung Klauß & Partner. Weil sich immer mehr Eigentümer der insgesamt 1137 Wohnungen fragen, wie es in Zukunft weitergehen soll und ob sich bereits kurzfristig eine Verbesserung herausholen ließe, wurde ein Ingenieurbüro beauftragt. Es schaut sich die Heizung in der besonderen Immobilie an und erarbeitet Lösungsvorschläge. Mit ersten Ergebnissen rechne man etwa im Oktober, sagt Stefan Geiger.

Klar ist den Beteiligten bereits ohne Expertise: Im Asemwald ist alles XXL. Die Probleme sind groß, deshalb helfen mutmaßlich nur große Lösungen. „Sie müssen hier immer alles mit 1137 multiplizieren“, sagt Werner Pohl, ebenfalls Mitglied im Verwaltungsbeirat.

Eine wichtige Frage wird zweifellos sein, wie viel die jeweilige Lösung kostet. Und die Summe dürfte es in sich haben, Heizungsanlagen sind schon in normalen Eigentümergemeinschaften ein ordentlicher Batzen. „Irgendjemand muss das Ganze auch bezahlen“, sagt Stefan Geiger von der Hausverwaltung. Wenn alles klappt, werde das Thema bei der Eigentümerversammlung im Herbst 2023 zumindest mal aufgerufen.

Solarmodule an den Balkonen der Wohnstadt?

Die Energiewende ist nicht nur beim Thema Wärme ein Mammutprojekt, das da auf die Wohnstadt Asemwald zurollt. Denn derzeit scheint fraglich, ob sich hier vor Ort Strom aus erneuerbaren Energien produzieren lässt. Die Bewohner seien in ihren Überlegungen teils erfinderisch, erzählt Stephan Schreiner. Einer habe beispielsweise Windräder für die Dächer vorgeschlagen. Vor allem wegen der Nähe zum Flughafen wird dies wohl eine Vision bleiben.

Aber auch Sonnenenergie lasse sich im Asemwald vermutlich schwer ernten. Die Dach- in Relation zur Wohnfläche der drei Hochhäuser nennt Werner Pohl „unvorteilhaft“. Und ob vielleicht irgendwann Solarmodule an die Balkongeländer und damit an die Fassade montiert würden? Angenommen, das würde nur ein Teil der Riesennachbarschaft machen, entstünde „ein Flickenteppich“, so Stephan Schreiner. „Im Asemwald ist man sehr bestrebt nach Einheitlichkeit“, sagt Stefan Geiger. Trotzdem gelte für den Prozess, der nun begonnen habe, das Credo: „Es gibt nichts, was wir nicht denken und was wir nicht ansprechen werden.“