Thomas Ferwagner vom Verwaltungsbeirat im Asemwald will „einen Sog erzeugen“. Foto: Judith A. Sägesser

Dass möglichst viele Eigentümer im Stuttgarter Asemwald ihre Fenster tauschen, gilt als effektive Maßnahme, um Energie zu sparen. Neben vereinzelter Kritik scheint das Interesse groß.

Der Eigentümer mittleren Alters sagt, er persönlich hätte den Fenstertausch bei sich noch etwas aufgeschoben. Doch das Angebot, das nun im Raum steht, mache ihn neugierig. Er können sich gut vorstellen, die Fenster seiner 130-Quadratmeter-Wohnung zeitnah auszutauschen – weil ein Rabatt winkt. Dann nämlich, wenn sich weitere Leute für eine Art Sammelauftrag finden.

 

Neben ihm steht eine Frau, die gerade eine Wohnung im Asemwald gekauft hat und Anfang November von Rohracker in die Wohnstadt ziehen wird. „Das dauert ja nur einen Tag pro Seite“, sagt sie und meint den Fenstertausch. Daher plant sie, das direkt in einem Aufwasch mit sonstigen Renovierungsarbeiten machen zu lassen.

Preisnachlässe winken für neue Fenster im Asemwald

Die beiden sind zu Gast auf der Fenstermesse im Asemwald, die der Verwaltungsbeirat – das Gremium der Eigentümer – jüngst organisiert hat. Er wolle „einen Sog erzeugen“, sagt Thomas Ferwagner vom Beirat. Wichtigstes Argument: Preisnachlässe, wenn Fensterbauer gleichzeitig mehrere Aufträge aus dem Asemwald bekommen.

Volles Haus im Nebenraum des Höhenrestaurants im Asemwald Foto: Judith A. Sägesser

Drei verschiedene Fensterbauer stehen Ende vergangener Woche mit ihren Werbeaufstellern und Musterrähmen im unverpachteten Höhenrestaurant und informieren über Montagezeiten, Rollläden oder Fenstermaße. Man könne aber auch Angebote anderer Handwerker einholen, erklären Thomas Ferwagner und Stephan Schreiner. Die Hausverwaltung Klauß & Partner erstelle eine Interessentenliste und versuche so, größere Bestellungen zusammen mit dem Verwaltungsbeirat zu koordinieren.

Der Nebenraum des derzeit verwaisten Restaurants ist proppenvoll. Dort informieren der Verwaltungsbeirat, die Hausverwaltung, ein Eigentümer, aber auch die Stadt Stuttgart, wie das gemeinsame Vorgehen sein könnte. Etliche technische Spezialfragen, aber auch die zeitgleichen Gespräche draußen an den Messeständen machen es teils knifflig, dem Gesagten zu folgen.

1137 Wohnungen im Asemwald in Stuttgart

Zur Hauptzeit dürften um die 200 Leute dagewesen sein. Gemessen an den 1137 Wohnungen im Asemwald ist das freilich nur ein Bruchteil, doch mutmaßlich ausreichend viele, damit die Fensterbauer mit einem Rabatt winken werden.

Die alten Alu-Fenster, die seit mehr als 50 Jahren in den meisten Wohnungen eingebaut seien, seien „energetisch eine Vollkatastrophe“, sagt Sebastian Lehmann; der Ingenieur aus Berglen kennt den Asemwald gut, weil er hier auch andere Projekte betreut.

Im Vorfeld der Messe gab es auch Kritik an dem angedachten großen Fenstertausch im Asemwald. Dreifachverglasung würde den Asemwald instabil machen, heißt es beispielsweise aus der Eigentümergemeinschaft. Oder: Man solle lieber über Solaranlagen an den schmalen Längsseiten der Hochhäuser nachdenken. „Die liegen halt im Norden“, sagt Thomas Ferwagner. Und auch die Sorge um die Statik sei unbegründet.

Hauptziel der Fenster-Initiative ist es, Energie einzusparen. „Wenn wir mit den Fenstern vorankommen, dann ist ein großer Schritt geschafft“, sagt Schreiner. Mangels Dokumentation wissen sie es nicht sicher, schätzen aber, dass 20 bis 30 Prozent der Wohnungen bereits neue Fenster haben. Eigentümer, die bereits umgerüstet haben, sprechen von Energieeinsparungen von 50 bis 70 Prozent.

Das ist nicht nur für den Geldbeutel heute interessant. Momentan heizt der Asemwald mit Gas. Im Gespräch für eine Zukunft ohne fossile Energien ist eine XXL-Erdwärmepumpe in einem nahe gelegenen Acker der Stadt. Würde der Asemwald seinen Energieverbrauch mit neuen Fenstern drastisch reduzieren, wäre auch die Heizquelle kleiner, so das Kalkül.