Wie nah die Häuser oberhalb des Wobachfelsens am Ellentalstadion dran sind, zeigt dieses Bild. Foto: Werner Kuhnle

Musik bei Fußballspielen, Vereinsfeste und spontane Treffen sorgen in Bietigheim-Bissingen (Kreis Ludwigsburg) für Ärger. Oberhalb des Wobachfelsens haben die Bürger genug vom Lärm.

Wenn am letzten Augustwochenende der Pferdemarkt in Bietigheim beginnt, wissen die Anwohner rund um das Ellental und den Festplatz schon, was auf sie zukommt: „Ich werde alle Fenster schließen und die Klimaanlage laufen lassen“, sagt Eberhard Blatter. Der Stadtrat wohnt oberhalb des Wobachfelsens mit Blick ins Ellental.

 

Rund 30 seiner Nachbarn haben seit etwa fünf Jahren eine Zunahme an lärmenden Veranstaltungen festgestellt – und wollen nun, dass sich etwas ändert. Wer im Wohngebiet Aurain lebt und dann noch dazu in Richtung Enz und Wobachfelsen hat zwar einen schönen Blick auf das Ellental mit seinen Sportplätze und dem Festplatz, aber man bekommt dort auch viel Lärm von Veranstaltungen ab.

„Es geht uns gar nicht darum, Traditionsfeste wie den Pferdemarkt einzuschränken. Wir sind ja froh, dass es so etwas in Bietigheim gibt“, sagt Blatter. Und doch hat er sich jüngst im Gemeinderat zu Wort gemeldet und im Namen seiner Nachbarn an die Stadtverwaltung appelliert, etwas zu unternehmen.

Die Anwohner nehmen Traditionsfeste wie den Pferdemarkt von der Kritik aus. Foto: Werner Kuhnle

Ein Dorn im Auge sind den Anwohnern im Aurain unter anderem die Vielzahl der Veranstaltungen und deren steigende Lautstärke. „Dass jetzt bei Fußballspielen immer Musik gespielt wird, kann ich nicht ganz verstehen“, sagt Horst Windeisen, der auch im Aurain lebt. Er wünscht sich, dass die Verwaltung in einem ersten Schritt erfasst, welche Veranstaltungen mit einem signifikanten Lärmpegel über das Jahr verteilt stattfinden.

Verwaltung untersagt nun Musik bei Fußballspielen

Ein zweiter Schritt wäre dann, darauf zu achten, dass das Ruhebedürfnis der Anwohner nicht überstrapaziert wird. Es habe auch schon Leute gegeben, die wegen dem Lärm weggezogen seien.

Nach Blatters jüngster Kritik im Gemeinderat zeigt sich die Verwaltung aktiv in der Sache. „Die Verwaltung wird nun die Musikbegleitung bei Spielen untersagen“, teilt Anette Hochmuth, Leiter des Presseamts, mit. Entsprechende schriftliche Hinweise sollen dieser Tage an die betreffenden Vereine erfolgen. „Wir hoffen, damit die Situation für alle Beteiligten auf eine erträgliche Lautstärke zu bringen“, sagt Hochmuth.

Krakeelen und Musik aus Boxen bringen Bewohner um Schlaf

Ob das ausreichen wird, um für Ruhe im Aurain zu sorgen, kann angezweifelt werden. Eine Lärmquelle lässt sich nämlich nur schwer steuern: Krakeelende Menschen, die an der Enz private Partys mit tragbaren Boxen veranstalten. Gerade im Sommer sei das ein zunehmender Trend. „Dann müssen wir die Polizei rufen und wenn die hinfahren, ist Ruhe“, sagt Blatter. Aber das sei ermüdend. Zum einen weil man um den Schlaf gebracht werde, zum anderen weil es am nächsten Abend mitunter erneut geschehe.

Hoffnung könnte da der neue kommunale Ordnungsdienst machen, den die Stadt vor allem im Hinblick auf die Sicherheitslage am Bahnhof einführen will. Im Aurain hätten sie nichts dagegen, wenn dieser Dienst auch unterhalb des Felsen unterwegs wäre.

Sorge bereitet den Anwohnern auch die Nachnutzung des ehemaligen Paulaner-Biergartens. Das Lokal auf dem Gelände der Stadt direkt am Wobachfelsen wurde abgerissen. Wie es dort weitergehen soll, steht noch nicht fest. Im Gespräch ist aber wieder eine gastronomische Nutzung. Wenn diese auch nicht mehr den Umfang des früheren Biergartens haben soll, so käme damit für die Anwohner eine weitere Lärmquelle hinzu.