Auf dem Betriebsgelände im Hemmingen besteht die Möglichkeit, die E-Busse zu laden. Foto: Simon Granville

Seit wenigen Wochen fahren kreisweit die ersten Elektrobusse im Linienverkehr. Was in der Theorie gesetzliche Vorgabe ist, ist für den Busunternehmer eine Herausforderung.

Er ist eine Besonderheit im Landkreis Ludwigsburg. Und wie der neue Bus prachtvoll herausgeputzt in der Werkshalle auf dem Gelände steht, verfehlt er auch nicht seine Wirkung. So dominant er stehend wirkt, so zurückgenommen rollt der Elektrobus später auf der Straße. Leise surrt der Motor, nicht vergleichbar mit dem Dröhnen von Dieselmotoren.

 

Die 15 Busse von Omnibus-Verkehr Ruoff (OVR) sind die ersten Elektrobusse, die im Landkreis Ludwigsburg im Linienverkehr zum Einsatz kommen. Das Tochterunternehmen im Transdev-Konzern war bei der Vergabe von mehreren Linien, dem sogenannten Linienbündel, durch Ausschreibung im Raum Vaihingen/ Enz zum Zug gekommen. Ludwigsburg ist nicht der erste Landkreis in der Region, in der Busse mit Elektroantrieb fahren. Und die Busse bei Ruoff sollen auch erst ein Beginn mit wenigen Bussen im Linienbündel sein, wie es VVS-Geschäftsführer Jan Neidhardt formuliert. Gleichwohl wird die Inbetriebnahme als Grund zur Freude wahrgenommen. Schließlich war der Weg bis dahin herausfordernd. Es sei nicht damit getan gewesen, „den Schalter umzulegen“, sagt der OVR-Geschäftsführer Mark Hogenmüller. 2025 hat OVR die 15 E-Busse in Betrieb genommen, in diesem Jahr sollen weitere acht Busse dazukommen. Sie kosten jeweils mehr als das Doppelte wie die herkömmlich betriebenen, die allein schon mit rund 300 000 Euro zu Buche schlagen.

Hohe Investitionen erforderlich, auch für die Stromversorgung

Auch wenn es staatliche Förderungen in Höhe von bis zu 65 Prozent gibt, ebenso wie für die notwendigen Veränderungen auf dem Betriebsgelände: Letztlich hat OVR allein für die Baumaßnahmen auf dem eigenen Gelände 1,2 Millionen Euro investieren müssen.

Modernes Display im E-Bus: Wie groß ist die Reichweite? Foto: Simon Granville

Das übliche Niederspannungsnetz reicht nicht aus für das Laden der E-Busse, weshalb der Anschluss an eine Mittelspannungsleitung erforderlich war – und rund 300 Meter bis zum nächsten Knoten in einem Wohngebiet überbrückt werden mussten. Selbst dann aber muss die nötige Leistung durch den Energieversorger gewährleistet sein. „Wir bestellen beim Netzversorger das Maximum“, sagt Hogenmüller. Dass er es auch bekommt, darauf kann er sich nicht verlassen.

Bis der Netzbetreiber über eine Bestellung entscheidet, dauert es lange – zu lange, um spontan agieren zu können, wenn die Ausschreibung eines Auftrags erfolgt. Man bestelle daher schon vorsorglich, sagt Hogenmüller. „Sehr unglücklich“ sei dies. Entsprechende Gespräche mit den Verantwortlichen hätten keine Verbesserung gebracht. Abgesehen davon, dass Ausschreibung und Energieversorgung aufeinander abgestimmt werden müssen, ist auch ein Bus mit Elektroantrieb nicht von heute auf morgen gekauft: Die Lieferzeit habe zuletzt 16 Monate betragen.

Im Bestfall sind die E-Busse binnen zwei Stunden geladen. In Hemmingen gibt es, wenn der Stromversorger entsprechende Kapazitäten zur Verfügung stellt, noch Kapazität für weitere Busse. Das sei nicht an allen Standorten im OVR-Gebiet der Fall, sagt Hogenmüller. Am Standort in Kirchheim zum Beispiel könne er weitere Busse gar nicht laden, dort stehe nur die Niederspannungsleitung zur Verfügung.

Nachladen als Herausforderung: Eine Software hilft beim Planen

Die Ladesäulen sind auf dem Hemminger Betriebsgelände integriert, eine Ladung reicht für eine Tagestour. Was nach ausreichend klingt, macht selbst angesichts der im Moment noch kleinen Flotte ein Lademanagement erforderlich: Welcher Bus ist wie lange im Einsatz und kann gegebenenfalls zwischendurch wo geladen werden, damit nicht alle Busse nachts Strom benötigen? Ein EDV-Programm hilft bei den Planungen.

Hogenmüller engagiert sich bei dem Thema, weil er davon überzeugt ist. Gleichwohl ist es eine ebenso wirtschaftliche wie gesetzliche Notwendigkeit: Die Aufträge für die Bedienung der Linien werden für die Dauer von zehn Jahren vergeben. Zugleich gibt es mit dem Gesetz zur Beschaffung sauberer Straßenfahrzeuge bei der öffentlichen Auftragsvergabe inzwischen verbindliche Mindestziele für emissionsarme und -freie Busse im Linienverkehr. Das Gesetz setzt eine europäische Richtlinie um, die Clean Vehicles Directive.

Die Mindestziele für emissionsarme und -freie Busse im ÖPNV liegen für den Zeitraum bis Ende 2025 bei 45 Prozent und bis Ende 2030 bei 65 Prozent. Mindestens die Hälfte der Mindestziele für Busse im ÖPNV muss durch emissionsfreie Fahrzeuge erfüllt werden.