Nach wenigen Sekunden liegen die Rebels beim Oberliga-Spitzenreiter mit 0:2 zurück und beweisen Moral. Derweil spricht der Sportliche Leiter über die Suspendierung des Top-Torjägers.
Unberechenbar ist wohl eine gute Beschreibung für den Eishockey-Oberligisten Stuttgart Rebels in der aktuellen Spielzeit. Diese Eigenschaft bestätigte das Team von der Waldau auch am Dienstagabend im Auswärtsspiel beim Tabellenführer Deggendorfer SC – im positiven Sinne. Nach einem dramatischen Spielverlauf gewann die Truppe von Coach Jan Melichar mit 7:6 und hat sich damit wieder auf den wichtigen zehnten Tabellenplatz vorgearbeitet. Dieser berechtigt zu den Pre-Playoffs, dem Saisonziel der Stuttgarter. Derweil ist die Tür für den aktuell suspendierten Top-Torjäger Wyatt Schingoethe noch nicht endgültig zugeschlagen.
Beim aktuellen Spiel in Deggendorf schien der Sieg nach den Auftaktsekunden so weit entfernt wie die Teilnahme des Vatikanstaats an der Fußball-WM. Denn nach 47 Sekunden hatte es bereits schon zweimal hinter Rebels-Schlussmann Nick Vieregge eingeschlagen. Was danach folgte, bezeichnete Stuttgarts Coach Melichar folgendermaßen: „Die Jungs waren Wahnsinn.“ Denn anstatt völlig einzubrechen, stemmten sich die Stuttgarter Akteure nach einer frühen Auszeit gegen eine Pleite, überzeugten fortan durch großen Einsatz und schnelle Gegenangriffe – und drehten die Partie noch vor der Drittelpause durch Treffer von Kapitän Dane Montgomery, Nico Geidl und Reagan Poncelet zur eigenen 3:2-Führung. Für Letzteren war es die Torpremiere im Stuttgarter Trikot. Die Partie in der Hitzkopf-Arena in Deggendorf bot den 1512 Zuschauern danach weiterhin einen hohen Unterhaltungswert und wechselnde Führungen.
Zu Beginn des Abschlussdurchgangs brachte Daniel Pronin die Gäste wieder mit 4:3 in Front, Nico Geidl mit seinem zweiten Treffer markierte den 5:5-Ausgleich, ehe Routinier Jannik Herm mit seinem Tor sechs Minuten vor Schluss die Stuttgarter wieder vom Sieg – übrigens dem ersten gegen Deggendorf seit dem Oberliga-Aufstieg vor zwei Jahren – träumen ließ. Der Dämpfer folgte aber exakt zwei Minuten vor dem Abpfiff. Die Gastgeber nahmen Torhüter Raphael Fössinger zugunsten eines weiteren Feldspielers vom Eis. Mit Erfolg. Jaroslav Hafenrichter gelang der Ausgleich . Doch was heißt Dämpfer? Die Rebels machten das, was sie die ganze Zeit schon in Deggendorf vollführten. Sie schlugen zurück. Jayden Lammel vollendete einen weiteren schnellen Umschaltmoment 54 Sekunden vor dem Ende zum viel umjubelten 7:6-Siegtreffer.
Damit hat das Team gezeigt, dass es das Theater um den suspendierten Top-Torjäger Wyatt Schingoethe gut weggesteckt hatte. In einer Stellungnahmen hat der Verein Anfang der Woche verlauten lassen, Schingoethe habe widersprüchlich zu seiner Verletzung und gegen die Werte und Grundsätze der Stuttgart Rebels gehandelt (wir berichteten). Nach sorgfältiger Abwägung und nach mehreren Gesprächen mit dem Spieler habe man „die schwierige Entscheidung getroffen“, dass der 23-Jährige derzeit nicht mehr Teil des Kaders sei. Der sportliche Leiter Matt Pistilli konkretisiert nun. Während seiner Verletzung habe Schingoethes Berater erklärt „Wyatt will den Verein verlassen“ und das zu einem direkten Liga-Kontrahenten im Kampf um die Pre-Playoff-Plätze. „Ein Unding“, sagt Pistilli. „Es gibt Verträge und die gilt es einzuhalten. Wir lassen ihn natürlich nicht gehen, schon gar nicht zu einem direkten Kontrahenten.“ Darüber hinaus ist das Problem für die Rebels, dass der US-Amerikaner der letzte zulässige Importspieler ist und man keine weiteren mehr verpflichten dürfe, klärt Pistilli auf. „Wir könnten auf den Abgang also nicht reagieren und das weiß Wyatt.“ Gleichwohl ist die Tür für den Torgaranten (15 Tore in 15 Spielen und elf Assists), der laut seinem Arzt immer noch arbeitsunfähig sei, sagt der Sportliche Leiter, zwar verschlossen, aber noch nicht endgültig zugeschlossen. „Wenn er einsichtig ist und sich entschuldigt, kann er wieder ins Team zurückkehren.“
Derweil folgt nach dem Spiel beim Spitzenreiter an diesem Freitag die Auswärtspartie beim Vorletzten Erding Gladiators. Am Sonntag, 17.30 Uhr, empfangen die Rebels den punktgleichen EC Peiting. Zwei ganz wichtige Begegnungen auf dem Weg zum Erreichen der Pre-Playoff-Plätze.
Statistik zum Spiel
Tore: 1:0 Ty Jackson (00:22), 2:0 Hafenrichter (00:47), 1:2 Poncelet (9:40), 2:2 Geidl (15:29), 2:3 Montgomery (16:02), 3:3 Dylan jackson (20:36), 3:4 Pronin (42:39). 4:4 Roy (43:52), 5:4 Baßler (49:13/Überzahl), 5:5 Geidl (49:58), 5:6 Herm (54:07), 6:6 Hafenrichter (58:00/ Empty Net Goal), 6:7 (Lammel (59:06).
Strafzeiten: Deggendorf 2 Minuten/Stuttgart 6 Minuten
Zuschauer: 1512