Beim 7:5 in Lindau zeigen die Stuttgarter Comeback-Qualitäten. Vor allem ein Spieler initiiert eine tolle Aufholjagd. Fragen bleiben um den weiter fehlenden eigentlichen Torjäger.
Der Trainer Jan Melichar voll des Lobes, der Geschäftsführer Roland Schmid „überglücklich und erleichtert“, und die Mannschaft trotz der Tatsache, dass ihr noch eine dreistündige Heimfahrt durch den Schnee bevorstand, in bester Feierlaune. Nach der Durststrecke der vergangenen Spieltage hat es für den Eishockey-Oberligisten Stuttgart Rebels am Freitagabend endlich wieder geklappt: Mit einem 7:5-Sieg in einem laut Melichar „verrückten Spiel“ beim Tabellensiebten Lindau Islanders haben die Degerlocher ihre Serie von zuletzt sechs Niederlagen beendet.
Neues Jahr, neues Glück – die ausgerufene Devise ging am Bodensee also tatsächlich auf. Und das zu einem Zeitpunkt, wie er kaum wichtiger hätte sein können. Wäre es auch in dieser Begegnung nicht gelungen, den Negativlauf zu stoppen, hätte man sich auf der Waldau wohl allmählich ernsthafte Sorgen machen müssen. Schließlich folgen nun als Nächstes zwei Aufgaben, bei denen Melichar und die Seinen lediglich klarer Außenseiter sind. Erst Memmingen am Sonntag zuhause (Eiswelt, 17.30 Uhr), dann Deggendorf am Dienstag auswärts (20 Uhr) – es sind die Kräftemessen mit den beiden Führenden des Klassements.
Doch statt einer sich zuspitzenden Krise ist nun erst einmal tiefes Durchatmen angesagt. „Das aktuelle Ergebnis ist eine Bestätigung dafür, dass es richtig war, ruhig zu bleiben und einfach weiter zu arbeiten“, sagt Schmid, dessen Team sich mit dem Punktedreier seinerseits zurück auf den zehnten Rang verbessert. Heißt: wäre jetzt Schluss, wären die Rebels in den angepeilten Pre-Play-offs dabei.
Nebensache am Ende, dass die Begegnung vor gut 1000 Zuschauern in der Lindauer BPM-Arena nichts für schwache Nerven war. Mehrmals kippte das Momentum von der einen auf die andere Seite. Zweimal sah es für die Stuttgarter Gäste schon auch diesmal wieder schlecht aus, beide Male aber zogen sie sich am eigenen Schopf aus dem Schlamassel. Erst, als die Mannschaft nach einer Matchstrafe für Emre Yamak beim Stand von 1:1 eine fünfminütige Unterzahl schadlos überstand. Eine umstrittene Schiedsrichter-Entscheidung. Während die Referees einen unerlaubten Check gegen Kopf und Nacken eines Gegenspielers sahen, protestiert Schmid: „Alles fair. Er hatte beide Beine auf dem Eis und die Arme angelegt. Für uns völlig unverständlich.“
Aufbäumen Teil zwei dann, als der Gegner im zweiten Drittel aus Rebels-Sicht auf 1:4 davonzog. Wer bereits gedacht hatte, damit gehe es nun also wirklich erneut schief, wurde eines Besseren belehrt. Angeführt von seinem herausragenden Kapitän Dane Montgomery schlug das Melichar-Team zurück. Ein Treffer in Überzahl, ein Treffer in Unterzahl, dazu ein Assist zum plötzlich eigenen 5:4-Führungstor von Daniel Pronin – damit avancierte der US-Amerikaner in einer furiosen Aufholjagd zum Mann des Tages. Vollends brach sich der Stuttgarter Jubel Bahn, als Matt Pistilli kurz vor Schluss die Scheibe zur Entscheidung in den leeren Gastgeber-Kasten schoss. Die Islanders, bei denen der Ex-Rebels-Keeper Keanu Salmik zwischendurch verhängnisvoll patzte, hatten in einem finalen Alles-oder-nichts-Versuch den Torhüter herausgenommen.
„Seine Extraklasse gezeigt“
„Dane hat seine Extraklasse gezeigt“, konstatiert Schmid derweil mit Blick auf seinen Matchwinner Montgomery, der als Abwehrspieler mittlerweile bei bemerkenswerten 42 Saison-Scorerpunkten steht. Lob aber auch fürs ganze Aufgebot: Jenem attestiert Schmid „Comeback-Qualitäten, die man in der jetzigen Situation nicht hoch genug bewerten kann“. Umso mehr in Anbetracht der Tatsache, dass der eigentliche Torjäger, Montgomerys Landsmann Wyatt Schingoethe, ja unverändert fehlt. Er ist nach Vereinsangaben nach wie vor verletzt.
Bis wann mit seiner Rückkehr zu rechnen ist? Wie schwer die Verletzung ist? Gute Fragen. Bei diesem Thema endet die Auskunftsbereitschaft der Rebels-Verantwortlichen. Einzige Aussage von Schmid hierzu: „Keine Aussage“, was Raum für Spekulationen lässt. Am Freitagabend, in der Lindauer Kälte, zählte dann aber eh fürs Erste nur noch eines: Die Rebels feierten ihren Auswärtssieg. Oder, um es mit dem Coach Melichar zu sagen: „Einen sehr, sehr wichtigen Start ins neue Jahr.“
Statistik zum Spiel
Tore
1:0 Feigl (2.), 1:1 Blais (3.), 2:1 Jezovsek (23.), 3:1 Farny (31.), 4:1 Elo (33.), 4:2 Renke (36.), 4:3 Montgomery (39.), 4:4 Montgomery (46.), 4:5 Pronin (48.), 5:5 Farny (54.), 5:6 Blais (58.), 5:7 Pistilli (59.)
Zeitstrafen
Lindau sechs Minuten / Stuttgart 29 Minuten (darunter Matchstrafe für Yamak)
Zuschauer
1028