Immer wieder geraten Taxifahrer und die Konkurrenz der Mietwagen von Uber aneinander. Foto: Imago/Arnulf Hettrich/snowfieldphotgraphy

Die Taxi Auto Zentrale und Uber kooperieren seit einem Jahr. Erfolgreich, aber es gibt noch viel zu verbessern. Vor allem im Kampf gegen unlautere Mietwagenanbieter.

Der Kampf um Fahrgäste zwischen dem Taxigewerbe und Uber ist nicht neu. Eine Zusammenarbeit der beiden bisherigen Konkurrenten ist daher umso außergewöhnlicher. Seit knapp einem Jahr läuft inzwischen die Kooperation der Taxi Auto Zentrale Stuttgart (TAZ) und des amerikanischen Fahrdienstanbieters – eine in Deutschland bislang einzigartige Geschichte. „Wir können uns immer noch guten Gewissens in die Augen schauen“, zeigen sich TAZ-Vorstand Iordanis Georgiadis und Christoph Weigler, Deutschland-Chef von Uber, einig. Alle, aber vor allem die Fahrgäste profitierten davon, „wenngleich es auch noch einiges zu verbessern gibt“.

 

Kein Preiskampf entwickelt

Groß war der deutschlandweite Aufschrei innerhalb der Branche im März vergangenen Jahres als die Kooperation bekannt wurde. „Jetzt holt man sich den Wolf im Schafspelz noch ins eigene Haus“, waren noch die harmloseren Kommentare. Doch inzwischen „haben sich die Wogen geglättet“, weiß Georgiadis. Denn der von vielen erwartete Preiskampf zwischen den Tarif-gebundenen Stuttgarter Taxifahrern und dem oftmals günstigeren Uber-Angebot blieb bislang aus. Vielmehr profitieren die rund 900 Mitglieder der Zentrale von dem neuen Angebot. Denn seit März vergangenen Jahres können die Fahrzeuge nicht nur wie gewohnt über die zentrale Telefonnummer, sondern zusätzlich auch über die Uber-App im Internet geordert werden. Verlässliche Zahlen nennt Uber wie üblich keine, aber „es ist spürbar“, betont Georgiadis.

Der Vorstand der Taxi Auto Zentrale Stuttgart, Iordanis Georgiadis, und Uber-Deuschlandchef Christoph Weigler (rechts) besiegelten vor knapp einem Jahr die Kooperation. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Für Weigler eine Win-Win-Situation. Durch die Kooperation käme es zu schnelleren Vermittlungszeiten, weniger Leerfahrten und mehr Effizienz – sprich zu einem besseren Service. Für den Uber-Chef ist die Zusammenarbeit mit einer solch traditionsreichen Taxi-Zentrale nicht nur ein enormer Imagegewinn, sondern auch ein wichtiger Schritt in die Zukunft des Gewerbes. „Die Partnerschaft hat uns geholfen, die Taxibranche besser zu verstehen”, sagt Weigler. Dadurch könnte nicht nur das amerikanische Unternehmen die steigende Nachfrage besser befriedigen – inzwischen sind pro Woche mehr als 10.000 Taxifahrer deutschlandweit im Einsatz, die Fahrten über die Uber-App vermitteln lassen –, sondern auch die traditionellen Anbieter durch die Digitalisierung neue Zielgruppen ansprechen. Unter anderem Geschäftsreisende, die derartige Angebote aus dem Ausland kennen, und auch die jüngere Generation.

Die Kooperation hat uns geholfen, die Taxibranche besser zu verstehen.

Christoph Weigler Chef von Uber Deutschland

Ein Ansatz, der offenbar nicht nur in Stuttgart Gehör findet. Inzwischen „führen wir Gespräche mit Taxi-Zentralen aus anderen Städten über vergleichbare Kooperationen“, zeigt sich Weigler zuversichtlich noch in diesem Jahr weitere Abschlüsse verkünden zu können. Bis dahin ist aber noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten. Da passt es ins Bild, dass Uber auf Grundlage der Stuttgarter Kooperation die eigene Sofware weiterentwickelt hat, und nun die Mobilitätsdaten der eigenen Fahrzeuge ermittelt. „Wir stehen deutschlandweit mit den zuständigen Behörden in Austausch und haben über die Jahre gut funktionierende Prozesse entwickelt“, sagt Weigler. „So haben wir beispielsweise mit Städten wie Berlin und Köln Kooperationsvereinbarungen für standardisierte Datenübermittlung aufgesetzt. An einem guten, kooperativen Arbeitsverhältnis sind wir stets interessiert.”

Doch noch gehen die Meinungen zwischen Uber und der Stuttgarter Taxi-Zentrale bei diesem Thema auseinander. „Wir wünschen uns noch deutlich mehr Transparenz“, fordert Georgiadis. Im Blick hat er vor allem die Fahrzeuge, die als Mietwagen dienen. Das hat zur Folge, dass diese anders besteuert werden. Zwar sind die Fahrer bei den Unternehmen sozialversicherungspflichtig angestellt und verdienen mindestens den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn, dennoch könnten diese Fahrten deutlich günstiger angeboten werden.

Taxigewerbe fordert härtere Konsequenzen gegen „schwarze Schafe“

Zwar sehen die Bestimmungen des Transportwesens vor, dass die Mietwagen nur auf Bestellung losfahren dürfen und im Anschluss an den Standort zurückkehren müssen. Die gängige Praxis sieht laut Branche aber anders aus. Viele Fahrer würden ohne konkreten Auftrag einfach am Straßenrand auf Kundschaft lauern. Umstände, die seit dem Start von Uber in der Region im November 2019 immer wieder für großen Protest sorgte. In Stuttgart und Waiblingen gipfelte der Konkurrenzkampf bereits in großen Demonstrationsfahrten. Bei diesen schwarzen Schafen „müssen von Uber noch härtere Konsequenzen gezogen werden“, fordert Georgiadis vom amerikanischen Konzern die Verantwortung zu übernehmen, sodass ein fairer Wettbewerb herrscht. Zumindest einen ersten Schritt hat Uber nach eigenen Angaben bereits unternommen. So würde die Auswertung der Mobilitätsdaten weiter vorangetrieben.

Vereint sehen sich die Partner aber im Kampf um einen flexiblen Festpreis in Stuttgart, wie er bereits in anderen Großstädten wie Berlin, Hamburg oder München üblich ist. Das sorge für mehr Transparenz bereits vor Beginn der Fahrt. Denn der Kunde kann frei entscheiden, auf welchem Weg er sich ein Taxi bestellt. „Wir sehen, dass es ihm wichtig ist, im Vorfeld zu wissen, wann das Fahrzeug verfügbar ist und was es kostet“, betont Weigler. Die Erfahrung aus anderen Großstädten zeige, dass man auf diese Weise weitere Kundschaft gewinnen könne – für die Taxifahrer und für Uber.