In der Hochphase der Pandemie wandeln Katrin Seifried, Geschäftsführerin des Stettener Hotels Alber, und Claudia Kurz die Hotelgastronomie in eine Bäckerei um. Der Plan geht auf. Die Kunden stehen Schlange.
Der Arbeitstag von Claudia Kurz beginnt mitten in der Nacht. Frühmorgens aber ist für sie der schönste Moment. Sie steht dann quietschvergnügt in der Backstube des Hotels Alber in Stetten, über und über mit Mehl bestäubt. Die 45-Jährige blickt durch das Fenster über die Felder Richtung Flughafen und sieht die Sonne aufgehen. „Das ist jedes Mal wunderschön“, sagt sie. Ihre Chefin und Freundin Katrin Seifried hat diese Momente zumindest am Anfang miterlebt. „Das ist so ein tolles Feeling“, sagt sie. Und: „Wir haben einen so wunderschönen Beruf.“
Der Name ist Programm
Vermutlich war auch deshalb der Name für die Bäckerei mit Café im Hotel Alber vor knapp zwei Jahren schnell gefunden. „Wir haben rumgealbert“, erinnert sich Katrin Seifried. Dann habe Claudia Kurz gesagt: „Wir nennen sie einfach Backglück, denn wir sind glücklich, wenn wir backen.“ Eine Brezel, ein Gugelhupf und eine Krone zieren das Logo. Die beiden kennen sich seit mehr als 20 Jahren. Ihre Töchter sind einst in den gleichen Kindergarten gegangen. Das Herz von Claudia Kurz schlägt für das Bäckerhandwerk. Sie hat bei Bäcker Steck – ebenfalls in Stetten – gelernt und dort 25 Jahre lange gearbeitet. Hotelgeschäftsführerin Katrin Seifried dagegen kann prima abschalten, wenn sie Kuchen bäckt. Sie hat Konditormeisterin gelernt.
Eine Bäckerei mit Hofladen in den ehemaligen Stallungen des elterlichen Hofs von Katrin Seifried zu eröffnen – das war lange Zeit der Traum der beiden Frauen gewesen. Aber: „Parallel zum Hotelbetrieb wäre das nie möglich gewesen“, sagt die Geschäftsführerin. Der Beherbergungsbetrieb liegt in der Nähe der Messe und des Flughafens. Vor der Pandemie gab es sogar Überlegungen, das Restaurant zu vergrößern.
Dann aber kam Corona. Sämtliche Gastronomiebetriebe mussten in der Spitzenzeit der Pandemie schließen, Hotels durften keine privaten Gäste mehr aufnehmen. Die Servicekräfte wurden in Kurzarbeit geschickt. „Wir haben zunächst geputzt, was das Zeug hielt. Irgendwas mussten wir ja tun“, sagt Katrin Seifried. Auch Claudia Kurz wollte lieber schaffen als zu Hause Däumchen drehen. Sie hatte, auch als sie noch beim Bäcker Steck angestellt war, immer wieder im Hotel Alber ausgeholfen und wurde dort später fest übernommen. „Was machen wir jetzt?“, haben die Freundinnen zusammen überlegt. Die Entscheidung, die Hotelgastronomie ganz zu schließen und die Räume in eine Bäckerei mit Verkauf und Café umzuwandeln, wurde getroffen. „Denn Brezeln und Brötchen zu verkaufen, das war ja immer erlaubt“, sagt Seifried.
Maschinen und Möbel von anderen Bäckereien übernommen
Möbel und Maschinen haben die Frauen günstig von verschiedenen Bäckereien der Filder übernommen, die ihren Betrieb aufgegeben hatten und sich so eine komplette Backstube in der bisherigen Hotelküche und einstigen Lagerräumen zusammengepuzzelt. Lutz Seifried, der Mann von Katrin Seifried, hat die Maschinen auseinandergenommen und „tipptopp überholt“, berichtet Claudia Kurz.
Am 19. September 2020 hat Kurz zum ersten Mal in der im Hotel integrierten Backstube gestanden. Die Waren wurden zunächst aus einem alten Imbisswagen heraus verkauft. Um acht Uhr morgens hatten sie ein Schild aufgestellt, um zehn Uhr war alles ausverkauft. „So einen Zuspruch hatten wir nicht erwartet, wir waren überwältigt“, sagt Katrin Seifried.
Mittlerweile ist der Hotelbetrieb wieder angelaufen. Deshalb schafft es die Geschäftsführerin nicht mehr so oft, mit Claudia Kurz in der Backstube zu stehen. Konditorin Sabine Scholze ist zum Team gestoßen. Außerdem hilft Cassandra Kurz ihrer Mutter beim Brötchen backen, bis sie eine Lehrstelle im Buchhandel gefunden hat. Insbesondere die Brezeln und Knusperstangen sind offenbar der Renner. Die Produkte aus dem Backglück sind fast alle handgemacht, dort gibt es keine Fabrikware. Die Öfen in der Backstube des Frauenteams tragen übrigens alle männliche Vornamen. Sie heißen Michael, Kurt, Jürgen und „der Freiberg“ – angelehnt an die Namen ihrer Vorbesitzer.
Info
Das Backglück
ist in Leinfelden-Echterdingen an der Stettener Hauptstraße 25 zu finden. Die Durchfahrt durch Stetten wird aktuell abschnittsweise saniert. Die Zufahrt von Echterdingen aus, ist aber für alle, die zum Hotel Alber oder zum Backglück wollen, möglich.
Öffnungszeiten
Das Backglück hat Dienstag bis Freitag, von 8 Uhr bis 17 Uhr, und Samstag von 8 Uhr bis 11 Uhr (nur Verkauf) geöffnet. Von 22. August an ist das Team drei Wochen in Betriebsferien.